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Massive Kritik am Weltraumteleskop NASA bleibt stur bei der Forderung nach Umbenennung des Weltraumteleskops

Von ms - 13.07.2022 - 15:00 Uhr
Namensgeber Webb ein Homosexuellen-Jäger?
Foto: iStock / dima_zel
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Die ersten, atemberaubenden Bilder des James-Webb-Weltraumteleskops faszinierten in dieser Woche viele Millionen Menschen, selbst US-Präsident Joe Biden zeigte sich bei der Veröffentlichung tief beeindruckt davon – auf dem ersten Bild sind eine Vielzahl von Planeten, Sternen und Galaxien aus einer Zeit kurz nach dem Urknall von vor 13 Milliarden Jahren zu sehen. Im Zuge der weltweiten Begeisterung kommen nun allerdings erneut Forderungen auf, das schon jetzt berühmte Teleskop, ein Mammutprojekt mit einem Kostenrahmen von rund zehn Milliarden US-Dollar, umzubenennen. Der Grund: Der Namensgeber James Webb soll ein extrem homo-feindlicher Mensch gewesen sein.

Die Forderung ist nicht ganz neu und wurde bereits mehrfach veröffentlicht, dann allerdings ebenso schnell auch wieder vergessen. Im Zuge der medialen Öffentlichkeit in diesen Tagen erneuerten nun Akademiker und Astronomen gegenüber der NASA ihre Bedenken und legten auch konkrete Aspekte für eine Umbenennung des Prestige-Projektes der Raumfahrtbehörde vor. Das Teleskop wurde zu Ehren von James Webb benannt, einem amerikanischen Beamten, der der zweite Administrator der NASA war. Webb leitete die Raumfahrtbehörde während vieler Apollo-Missionen in den 1960er Jahren. Zudem wird Webb aber auch mit der Verfolgung von homosexuellen Menschen in den 1950er und 1960er Jahren in Verbindung gebracht. Die Hexenjagd auf Homosexuelle ging unter dem Namen “Lavendel-Angst“ in die Geschichte der amerikanischen Gay-Community ein und führte zu Massenentlassungen von Schwulen und Lesben aus dem US-Regierungsdienst. Der sperrige Begriff geht auf den Titel eines Buches zurück, in dem Schwule als “Lavendeljungs“ beschrieben werden. Homosexuelle wurden so in dieser Zeit parallel zu den Hetzjagden auf vermeintliche Kommunisten in der MacCarthy-Ära als Risiko für die nationale Sicherheit und als Sympathisanten des Kommunismus eingestuft. Man ging zudem davon aus, dass Schwule anfälliger für feindliche Manipulationen seien, sodass sie sogar als generelle Bedrohung für die Vereinigten Staaten von Amerika gebrandmarkt wurden.

James Webb, der Namensgeber des Teleskops, soll an der Hexenjagd auf Homosexuelle beteiligt gewesen sein. Während Webbs Zeit als Administrator wurde der NASA-Mitarbeiter Clifford Norton 1963 wegen "unmoralischen, unanständigen und schändlichen Verhaltens" entlassen, nachdem er wegen des Verdachts auf Homosexualität verhört worden war. Norton klagte später erfolgreich auf ungerechtfertigte Entlassung. Im März 2021 veröffentlichte die Zeitschrift Nature zudem interne NASA-Dokumente, die belegen, dass es im Ermessungsrahmen von Webb lag, die Entfernung von homosexuellen Mitarbeitern voranzutreiben. Bis heute haben deswegen rund 1.700 Wissenschaftler und Forscher aus dem Bereich Astronomie eine Petition unterzeichnet, die eine Umbenennung des Teleskops fordert. Die NASA weigert sich indes bis heute, auf die Forderung einzugehen und erklärte, dass keine schlüssigen Beweise vorliegen würden, die eine Änderung des Namens rechtfertigten.

Chanda Prescod-Weinstein, Assistenzprofessorin für Physik an der Universität von New Hampshire und eine der vier Forscherinnen, die die Petition zur Umbenennung anführen, twitterte Anfang dieser Woche: "Als eine der Personen, die den Vorstoß zur Namensänderung angeführt haben, ist der heutige Tag bittersüß, ich bin so begeistert von den neuen Bildern und so wütend auf die NASA-Zentrale.“ Und der homosexuelle, amerikanische Astronom Phil Plait erklärte: „Viele Astronomen sind sehr unglücklich darüber, dass das Observatorium nach Webb benannt ist. Das Observatorium wird erstaunliche wissenschaftliche Ergebnisse und großartige Bilder liefern, die mit Sicherheit allem, was Hubble geleistet hat, in nichts nachsteht. Aber es ist nach jemandem benannt, der unwiderruflich mit Bigotterie und Homophobie in Verbindung gebracht wird, und darüber hinaus hat die NASA die Situation verpfuscht. Es ist schwierig, ein Teleskop zu benutzen, wenn man weiß, dass man darüber mit dem Namen von jemandem schreiben muss, der daran gearbeitet hat, die eigene Existenz zu negieren.“

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