Wie wichtig ist der Pride heute noch? Verkommt der Pride immer mehr zur reinen Party-Sause?
Einige Wochen vor dem großen Jubiläums-Pride in London vor wenigen Tagen forderte einer der bekanntesten britischen LGBTI*-Aktivisten der ersten Stunde, Peter Tatchell, dass der Pride in Großbritannien wie auch anderenorts zu seinen Wurzeln zurückkehren müsste. Weniger Präsentation von Firmen und politischen Parteien, mehr Forderungen und Kernthemen. In Deutschland hat bisher als einziger CSD das Team der Pride-Veranstaltung in Kassel ähnliche Ziele formuliert und im Juni einen CSD ohne Auftritte von Politikern, Firmen oder Parteipolitik veranstaltet – die Resonanz darauf war größtenteils sehr positiv.
In Großbritannien sorgten die Forderungen von Tatchell dafür, dass die Veteranen des ersten Prides von vor 50 Jahren einen Tag vor den offiziellen Feierlichkeiten in einer Demonstration die ursprüngliche Route von 1972 abgingen – auch dies wurde sehr wohlwollend aufgenommen. Beim Pride selbst tags darauf waren dann mehr als eine Million Gäste zu Besuch. Besteht also vielleicht gar keine so große Entfremdung zu den Ursprüngen der Prides innerhalb der LGBTI*-Community wie angenommen? Das Magazin Gay Times befragte zusammen mit dem britischen TV-Sender Channel 4 News in einer repräsentativen Umfrage rund 2.200 LGBTI*-Briten zu ihrer Meinung.
Gespalten zeigte sich die Community so bei der Frage, wie wichtig die Präsenz von Firmen bei CSD-Veranstaltungen ist: Nur jeder fünfte LGBTI*-Brite (21%) glaubt, dass die Community wirklich von den Geldern der Firmen profitiert. Doppelt so viele (40%) sind dagegen der Auffassung, die Community ziehe keinerlei Nutzen daraus. Weitere 40 Prozent haben sich indes noch gar nicht mit dieser Frage befasst. Ähnlich gespalten zeigt sich die LGBTI*-Community bei den Fragen, ob die gesamte queere Gemeinschaft bei den Prides abgebildet werde (40% Ja, 30% Nein) und ob die LGBTI*-Anliegen adäquat präsentiert werden würden (38% Ja, 30% Nein).
Der Großteil der britischen Community (74%) empfindet den Pride auch heute noch als wichtig, allerdings bezeichneten nur noch 41 Prozent den Kern der Pride-Veranstaltung als Demonstration für LGBTI*-Rechte. So könnte Tatchells Eindruck durchaus berechtigt sein, dass der Pride immer mehr zu einem reinen Party-Event verkommen könnte. Einigkeit herrschte unter den Befragten nur in einem Punkt: Für 98 Prozent aller LGBTI*-Briten ist der Pride auch heute noch wichtig.