Im Interview Madonna ist halt die Muddi…
Auf der Suche nach neuen Instabeaus stoßen wir immer mal wieder auch auf Instagram-Profile, die interessante Geschichten erzählen. Hier lohnt es sich oft, einmal einen genaueren Blick darauf zu werfen. Ein solches Profil ist auch das von dem 42-jährigen Randolf aus Frankfurt. SCHWULISSIMO hat mal ein wenig hinter die Bilder und deren Geschichten geschaut.
Wie bei vielen Instagram-Nutzern starten ihre Account meist ähnlich. Da gibt es Bilder von Haustieren, von Gebäuden, von Essen in allen Varianten und Bilder über die Hobbies. Bei dir war das ja auch nicht anders, oder?
In der Tat – anfangs habe ich aber Instagram auch nicht wirklich verstanden. Für mich war das ein Bildbearbeitungsprogramm. Hier mal ein Spieleabend, da mal die Einkaufsstraße und ich hatte angefangen, schöne Orte in Frankfurt zu fotografieren. Mit Insta konntest du ja auf einmal Hochglanzbilder schießen, ohne wirklich was zu können.
Zu dem Zeitpunkt war mein Profil auch noch nicht öffentlich. Wie gesagt, das war für mich eine nette Bildbearbeitung. Erst im Laufe des Jahres 2016 glaube ich, habe ich das Profil öffentlich gemacht, so dass auch fremde Menschen mir folgen können – wenn das denn jemand will (lacht).
Wenn man dich so betrachtet, würde man dich ja zunächst einmal in die Klischee-Schublade „Bär“ stecken. Macht dir das was aus, oder findest du so etwas eher zu kurz gedacht?
(seufzt) Ja, in der Tat. Vor 20 Jahren habe ich immer gesagt: Ich bin ne Transe – ein Skaterboy gefangen im Körper eines Bären.
Spaß beiseite: Klar, ich bin stämmig, groß, Bart, Glatze – all das, was in diese Schublade passt. Ich mag sie nur tatsächlich nicht, weil ich glaube, dass das einfach nicht stimmt. Ich bin so vieles – Tunte, Zicke, Bär, Madonna-Fanboy, Musicalhusche, Skaterboy, seit neuestem vielleicht Sporty Spice und so weiter. Ich finde Schubladen generell einfach viel zu langweilig.
Im Herbst 2016 plötzlich tauchen bis dahin eher nicht so häufig vorkommende Bilder über sportliche Aktivitäten auf. Wie kam es plötzlich zu dieser Veränderung bei dir?
Ich wollte kein Bär mehr sein – haha. Nein, in der Tat wurde mir mein Umfang zu viel. Sowohl auf der Waage als auch – und das ist viel wichtiger – im Spiegel. Mir passte nichts mehr, beim Shoppen habe ich nichts Schönes zum Anziehen gefunden, was mir gefällt. Da habe ich (mal wieder) den Beschluss gefasst, dass sich was ändern muss.
Scheinbar ist das Motto dann bei die aber gleich eher „Wenn schon, dann mit Vollgas“. Ehe man sich versieht tauchten da Bilder auf, die dich beim Tough Mudder zeigen. Das ist ja nun nicht mal ein gemütlicher Waldspaziergang. Warum also gleich so ein extremer Wechsel?
Das mit dem Vollgas beschreibt es ganz gut. Ich bin mit einigermaßen Ehrgeiz gesegnet, wenn ich was erreichen will, dann gehe ich dem auch zu 100% hinterher. Als ich den Beschluss gefasst habe, abzunehmen, habe ich mich quasi als „Motivation“ beim Tough Mudder angemeldet. Mir gefiel bei diesem Konzept im Gegensatz zu andere Obstacle Runs, dass hier die Gemeinschaft zählt. Nicht einer allein soll mit einer tollen Zeit ins Ziel kommen, sondern die Gruppe – oder sogar alle Teilnehmer – sollen sich gegenseitig unterstützen, um ins Ziel zu kommen. Das war in meinem Kopf machbar und dann auch die Motivation bis dahin so fit zu werden, dass ich das schaffen kann. Vom Zeitpunkt meines Entschlusses bis zum Tough Mudder-Lauf waren es dann auch knapp neun Monate. In der Zeit standen viel Disziplin und eiserner Wille auf dem Programm, das so durchzuziehen, dass es auch noch gesund ist.
Aber doch taucht plötzlich auch mal wieder eine Schwarzwälder Kirschtorte dazwischen auf…
Hallooooo? Ja natürlich! Das muss sein. Gönnung!!!
Ohne geht es nicht. Ja, ich bin diszipliniert und ehrgeizig, wenn ich etwas erreichen will, aber es darf nichts mit Verboten zu tun haben. Wenn ich ein Schnitzel essen will, dann mach ich das. Wenn ich nen Gin Tonic trinken will, dann mach ich das. Ohne Genuss geht’s nicht.
Und hin und wieder darf man auch typische Schwulenklischees erfüllen, Stichwort „Team Madonna“. Warum sie?
Weil sie die Muddi ist! Ich kam bereits in den 80ern zu Madonna – quasi als kleines Kind. Niemand kam zu der Zeit an ihr vorbei. Meine erste Kassette (jaja, damals gab es das noch) war „You can dance“, aber wirklich bewusst habe ich mir in einem Urlaub damals „I´m breathless“ gekauft, „Vogue“ war hier der Monsterhit in 1990. Die Textzeile „It makes no difference if you're black or white, If you're a boy or a girl” zeigte damals wahrscheinlich schon meine liberale politische Haltung. Ihre direkte Ansprache, ihr “ich mach was ich will” hat mich als jungen schwulen, der aber noch gar nicht wirklich um seine Sexualität wusste, tief beeindruckt. Sie ist bis heute mein schwules Role Model.
Folgt ihm auch auf Instagram: instagram.com/randy1976ffm











