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Apropos Leben Gefühltes Tagebuch: Vitamin Mucke

Von rb - 23.07.2021 - 09:00 Uhr
Apropos Leben // © RyanJLane
Foto: Apropos Leben // © RyanJLane
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Unser Alien erlebt den Takt: „Nun muss man sagen, dass die Menschen etwas besitzen, was unserer Spezies völlig abgeht. Nämlich die Fähigkeit, sich bei strukturierten Klängen völlig zu entgrenzen. Ich habe Videos gesehen, wo junge Menschen sich wie in Trance zu rhythmischen Geräuschen bewegten.“

Eigentlich sollte dieser Text einen anderen Titel haben. Wer „Vitamin M“ online sucht, der findet eine ganze Menge: Vitamin B9 (Folsäure) taucht in diesem Zusammenhang auf. Bei amerikanischen Soldaten bezog sich der Begriff auf ein beliebtes Schmerzmittel, das für alle möglichen Dinge verschrieben wurde. Im Slang verbindet man damit wohl auch allerhand Drogen, die mit dem Buchstaben M anfangen. Auch für das Schmiermittel Money wird es gerne benutzt. Um Missverständnisse zu vermeiden, dann also her mit dem etwas angestaubten Wort „Mucke“, das wir in jungen Jahren für schicke Musik allgemein verwendeten, das in Künstlerkreisen aber auch einen etwas trüben Beigeschmack haben kann („Mugge“ = Musik für Geld). Genug der Wortergründung – es soll hier ja vielmehr die Rede sein von der heilsamen Wirkung der Melodien, der Harmonien und des Rhythmus.

In den vergangenen Monaten hat mir diese wundervolle Erfindung über so manches hinweg geholfen. Das fängt schon an mit dem Zwitschern der Vögel am frühen Morgen. Hat dies vielleicht die Urmenschen inspiriert? Flöte und (Maul-)Trommel waren wohl die ersten Instrumente, nachdem der gemeinsame Gesang auch die Sprache beflügelt hat. Nun ist die Musik mittlerweile mehr ein solitäres Vergnügen geworden. Und in dieser Zeit der kulturellen Entsagung spielt die medial vermittelte Mucke die Hauptrolle. Wann immer möglich und sinnvoll, ob per Radio oder online, habe ich zu diesem Vitamin gegriffen und dabei auch neue Entdeckungen gemacht. Südamerikanische Klänge zum Beispiel: Bossa Nova und Tango kann man sehr gut zum Relaxen hören, wobei das Tanzbein schon unter dem Tisch leicht ausschlägt. Aber ein Zumba-Workout nach Corona? Mal sehen. Meine Grenzen habe ich auch ausgelotet. Spät am Abend kommt im regionalen Sender schon mal zeitgenössische Musik auf den Programmplan. Auch elektronische Experimentalmusik ist da zu vernehmen. Das erinnert mich etwas an abstrakte Malerei. Ist das noch Musik oder eher Geräusch? Ich will kein Spießer sein. Vielleicht fehlt mir einfach noch der Zugang und das Verständnis, ich arbeite dran. Interessant ist es allemal. Allerdings geht von diesen sonderbaren Klängen für mich noch keine heilsame Wirkung aus. Diese stellt sich bei klassischer Musik schon sehr viel mehr ein. Der große Bach hat es mir angetan.

Ein ganzes Forschungsfeld, mit Musiktherapie als Studium, widmet sich dem Thema, warum Musik so wichtig und gesund für uns ist. Sie wirkt tatsächlich wie eine Medizin und ist dabei für jeden verfügbar. Für manche ist es sogar eine Droge. Für mich ist Musik aber ein Vitamin, das sehr gut schmeckt und sehr verträglich ist, Gänsehaut inklusive. Selber ein Instrument spielen, das wäre dann die Krönung. Bei örtlichen Discounter habe ich mir kürzlich mal eine Mundharmonika geleistet, gestimmt in C-Dur. Ob ich dann irgendwann mal beim Grillen die Nachbarn mit Country-Klängen erfreuen kann, wird sich weisen. Musik kann zu Tränen rühren und uns den Himmel auf Erden schenken. Gustav Mahler soll es mal so formuliert haben: „Das Beste der Musik steht nicht in den Noten.“ Musik ist vielmehr wie die Luft zum Atmen: unsichtbar, dabei unverzichtbar.

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