Bild: Ilse Aigner – Archivaufnahme.
Ilse Aigner soll nach übereinstimmenden Medienberichten als Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin vorgeschlagen werden. Gewählt ist die Präsidentin des Bayerischen Landtags damit noch nicht. Für die queere Community stellt sich neben der Personalfrage eine zweite: Welche Haltung würde die CSU-Politikerin zu Gleichberechtigung, Diskriminierung und gesellschaftlicher Vielfalt in das Amt mitbringen?
Das Wichtigste im Überblick
- Die Union will Aigner nach aktuellen Medienberichten für die Nachfolge Frank-Walter Steinmeiers vorschlagen.
- Die formellen Entscheidungen und die Wahl sind davon zu unterscheiden.
- Aigner setzte als Landtagspräsidentin Zeichen gegen die Ausgrenzung queerer Menschen.
- Ihre frühere Ablehnung der Eheöffnung gehört ebenfalls zur politischen Bilanz.
Von der Ablehnung zur Solidarität
Aigners Werdegang lässt sich nicht auf ein einzelnes Regenbogenfoto reduzieren. Nach den dokumentierten politischen Entscheidungen wandte sie sich 2013 gegen eine vollständige Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften. 2016 stimmte sie im Bayerischen Landtag gegen einen Vorstoß zur Öffnung der Ehe. Gemeint ist diese bayerische Abstimmung, nicht die Entscheidung des Bundestags über die Ehe für alle im Jahr 2017.
Als Präsidentin des Landtags setzte Aigner später andere Akzente. Nach Tessa Ganserers Coming-out als trans* Frau unterstützte sie deren respektvolle Ansprache im Parlament. Beim Gedenken an homosexuelle NS-Opfer betonte sie zudem die Verantwortung, heutiger Ausgrenzung früh entgegenzutreten. SCHWULISSIMO berichtete darüber bereits 2022.
Eine Fahne mit politischer Bedeutung
Auch das Hissen der Regenbogenflagge vor dem Maximilianeum gehört zu dieser Bilanz. Die Geste ist gerade deshalb relevant, weil staatliche Sichtbarkeit in den vergangenen Jahren wiederholt umstritten war. Sie zeigt Unterstützung, ersetzt aber keine Auskunft zu konkreten gleichstellungspolitischen Fragen. Ob Aigner ihre frühere Position zur Eheöffnung ausdrücklich revidiert hat, lässt sich aus den vorliegenden Berichten nicht ableiten.
Für die Bewertung einer möglichen Präsidentschaft sind deshalb zwei Ebenen auseinanderzuhalten: ihr bisheriges Handeln und Erwartungen an die künftige Amtsführung. Das Staatsoberhaupt beschließt Gesetze nicht allein. Es kann jedoch mit Reden, Begegnungen und der Auswahl gesellschaftlicher Themen deutlich machen, wer selbstverständlich zu Deutschland gehört.
Was ist bereits entschieden?
Die Berichte vom 6. November betreffen die geplante Kandidatur. Eine sichere Wahl oder konkrete neue Zusagen an LGBTIQ+-Menschen folgen daraus noch nicht. Eine faire Einordnung berücksichtigt Aigners solidarische Entscheidungen ebenso wie offene Fragen. Spekulationen über ihr Privatleben tragen zur Bewertung ihrer öffentlichen Verantwortung nichts bei.
Weitere Informationen: Aigners Gedenken an homosexuelle NS-Opfer.
Stand: 7. November 2026.