Die überraschenden Wahlerfolge der Demokraten im US-Bundesstaat Texas haben bei Fans des Liebesromans „Red, White & Royal Blue“ besondere Begeisterung ausgelöst. Sie sehen auffällige Parallelen zwischen den Ergebnissen der Zwischenwahlen 2026 und der Handlung des 2019 erschienenen Bestsellers von Casey McQuiston.
Das Wichtigste im Überblick
- Historischer Wahlerfolg: Bei den US-Zwischenwahlen 2026 gewinnen die Demokraten in Texas zahlreiche wichtige Ämter. James Talarico wird Senator, Gina Hinojosa Gouverneurin.
- Parallelen zum Roman: Im schwulen Liebesroman „Red, White & Royal Blue“ von Casey McQuiston entwickelt die Hauptfigur einen Plan, um Texas für die Demokraten zu gewinnen.
- Begeisterung im Internet: Fans vergleichen die Wahlergebnisse mit der Geschichte und feiern den fiktiven Strategieplan „The Texas Binder“.
- Casey McQuiston greift die Vergleiche humorvoll auf, verweist aber zugleich auf die politische Arbeit progressiver Bewegungen in republikanisch geprägten Bundesstaaten.
Plan für den Wahlsieg?
Bei den Wahlen gewann James Talarico als erster Demokrat seit Jahrzehnten einen Senatssitz für Texas. Gina Hinojosa wurde zur Gouverneurin gewählt. Darüber hinaus erzielten die Demokraten zahlreiche weitere Erfolge in dem traditionell republikanisch geprägten Bundesstaat. In den sozialen Medien verbreitete sich daraufhin inzwischen die scherzhafte Bezeichnung „Blexas“ – eine Wortschöpfung aus „Blue“, der politischen Farbe der Demokraten, und Texas. Anhänger des Romans sprechen sogar von „Red, White & Royal Blexas“.
Im Mittelpunkt von „Red, White & Royal Blue“ steht die Liebesgeschichte zwischen Alex Claremont-Diaz, dem Sohn der ersten Präsidentin der Vereinigten Staaten, und dem britischen Prinzen Henry. Ihre zunächst für die Öffentlichkeit inszenierte Freundschaft soll die Wiederwahl von Alex’ Mutter unterstützen. Im Verlauf der Geschichte verlieben sich die beiden ineinander. Neben der Liebesbeziehung spielt auch die amerikanische Politik eine wichtige Rolle. Alex entwickelt eine Strategie, um den Heimatstaat seiner Familie bei der Präsidentschaftswahl für die Demokraten zu gewinnen. Dabei handelt es sich ausgerechnet um Texas.
Seine Überlegungen hält er in einem 14-seitigen Strategiepapier fest, das im Roman als „The Texas Binder“ bezeichnet wird. Darin beschreibt er, wie die Demokraten den bislang republikanisch dominierten Bundesstaat gewinnen könnten. Die Ähnlichkeiten zu den jüngsten Wahlergebnissen blieben auch McQuiston nicht verborgen. Unter einem Instagram-Beitrag, der Taylor Zakhar Perez in seiner Rolle als Alex zeigte, kommentierte McQuiston: „Es stand alles in dem Ordner.“ Der Beitrag war mit den Worten „Geschichte, was? #iykyk“ versehen. Die Abkürzung steht für „If you know, you know“, sinngemäß „Wer es weiß, weiß Bescheid“ – eine besondere Redewendung für Fans des Buchs.
Fans feiern Wahlstrategen
Auf der Plattform X sorgten die Wahlergebnisse für zahlreiche Anspielungen auf den Roman und dessen Verfilmung. Einige Fans schrieben dem fiktiven Alex Claremont-Diaz scherzhaft sogar eine Mitverantwortung für die politischen Veränderungen zu. „Wenn Texas demokratisch wird, dann ist das alles sein Verdienst“, schrieb ein Nutzer zu einem Foto von Taylor Zakhar Perez als Alex. Ein anderer schlug vor, den Film aus Anlass des Wahlerfolgs im gesamten Bundesstaat zu zeigen: „Morgen früh wird es in Texas eine verpflichtende Vorführung von ‚Red, White & Royal Blue‘ geben.“
Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt ein älterer Beitrag aus dem Jahr 2024. Darin hatte ein Nutzer die politische Handlung des Romans als unglaubwürdig kritisiert: „Das Unrealistischste an ‚Red, White & Royal Blue‘ war, dass Texas demokratisch wird.“ Nach den Wahlergebnissen wurde diese Aussage erneut verbreitet. Ein Nutzer teilte den früheren Beitrag mit dem knappen Kommentar: „Also gut, dann …“ Auch andere Fans griffen die vermeintliche Vorhersage auf. „‚Red, White & Royal Blue‘ wurde dafür rehabilitiert, dass Texas demokratisch geworden ist“, hieß es in einem weiteren Beitrag. Ein anderer Nutzer fragte: „Wie sollen sie feiern, dass Texas demokratisch gewählt hat, wenn sie nicht einmal ‚Red, White & Royal Blue‘ gesehen haben???“
Die Wahlergebnisse gelten als bedeutender Erfolg für die Demokratische Partei in Texas. Bei Präsidentschaftswahlen hat der Bundesstaat seit 1980 nicht mehr für einen demokratischen Kandidaten gestimmt. Auch bei anderen Wahlen dominierten über lange Zeit die Republikaner. Bei den Zwischenwahlen 2026 gelang den Demokraten jedoch eine Reihe bemerkenswerter Erfolge, die in den USA als Teil eines „blauen Tsunamis“ bezeichnet werden. Neben den Wahlsiegen von Talarico und Hinojosa gewannen demokratische Kandidaten auch die Kontrolle über das Repräsentantenhaus von Texas. Hinzu kamen zahlreiche weitere Ämter auf Landes- und Kommunalebene.
McQuiston betont Bewegung
McQuiston selbst reagierte auf die Wahlergebnisse mit mehreren weiteren Beiträgen in den Instagram-Storys. Darin veröffentlichte McQuiston zahlreiche Memes, die auf die Handlung des Romans und die Erfolge der Demokraten anspielten. Bei aller Freude über die Vergleiche machte McQuiston allerdings deutlich, dass die Vorstellung eines demokratischen Texas keineswegs ausschließlich der eigenen Fantasie entsprungen sei. „Okay, es hat Spaß gemacht, darüber zu kichern und zu lachen, aber ganz im Ernst: Das sollte euch daran erinnern, progressive Linke in traditionell republikanischen Bundesstaaten und besonders im Süden zu lieben, zu feiern und zu stärken. Ich habe mir ‚Blexas‘ nicht vor zehn Jahren einfach aus dem Arsch gezogen. Ich habe mich nur umgesehen und erkannt, was da war.“