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Eheverbot auf Fidschi? Kirchen fordern Verfassungsänderung

Von ms - 06.11.2026 - 11:30 Uhr
Fidschi streitet über Eheverbot
Foto: iStock / chameleonseye
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Auf dem pazifischen Inselstaat Fidschi wächst der Druck christlicher Gruppen auf die Regierung, gleichgeschlechtliche Ehen ausdrücklich in der neuen Verfassung zu verbieten. Der entsprechende Verfassungsentwurf soll bereits Mitte Dezember in einem Referendum zur Abstimmung gestellt werden. Während religiöse Vertreter eine klare Festlegung auf die Ehe zwischen Mann und Frau verlangen, hält die Regierung bislang an den bestehenden Schutzbestimmungen gegen die Diskriminierung von LGBTIQ+ fest.

Das Wichtigste im Überblick

  • Verbot gefordert: Christliche Gruppen wollen ein ausdrückliches Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen in Fidschis neuer Verfassung verankern.
  • Referendum geplant: Die Regierung will den Verfassungsentwurf am 9. Dezember 2026 zur Abstimmung stellen.
  • Diskriminierungsschutz bleibt: Das Verbot der Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck bleibt im Entwurf erhalten.
  • Kirchenvertreter macht Druck: Der stellvertretende Gesundheitsminister Penioni Ravunawa fordert eine verfassungsrechtliche Definition der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau.
  • Religionsfreiheit im Fokus: Ravunawa verlangt zudem Schutz für religiöse Eheschließungen und unterstützt die Einführung eines nationalen Gebetstages.

Fokus auf Verfassung

Nach der derzeitigen Fassung des Verfassungsentwurfs bleibt es dem Parlament überlassen, die Ehe gesetzlich zu definieren. Zugleich sieht der Entwurf vor, dass entsprechende gesetzliche Regelungen nicht wegen eines Verstoßes gegen die dort genannten Gleichheitsrechte gerichtlich angefochten werden können. Ein ausdrückliches Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen enthält der Text bislang nicht. Bereits zuvor hatten christliche Organisationen versucht, die Regierung zur Streichung einer Bestimmung aus der geltenden Verfassung zu bewegen. Diese verbietet Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung, der Geschlechtsidentität und des Geschlechtsausdrucks. Wie das Nachrichtenportal Fiji Village berichtete, wurde die Schutzbestimmung jedoch in den neuen Verfassungsentwurf übernommen.

Kirche verlangt Definition

Besonders deutlich positionierte sich Penioni Ravunawa, Präsident der christlichen Organisation Apostles Fellowship International (AFI). Der Kirchenvertreter, der zugleich stellvertretender Gesundheitsminister Fidschis ist, forderte bei einer öffentlichen Anhörung zum Verfassungsänderungsgesetz 2026 im Dorf Kilaka in der Region Kubulau, Bua, ein ausdrückliches Verbot gleichgeschlechtlicher Ehen. Wie die Zeitung Fiji Sun berichtete, gehörte die Forderung zu insgesamt acht Empfehlungen, die Ravunawa während der Anhörung vorstellte. Er begründete seinen Vorstoß mit der Notwendigkeit, das traditionelle und religiöse Eheverständnis verfassungsrechtlich abzusichern. „AFI fordert eine ausdrückliche Verfassungsbestimmung, die die Ehe als freiwillige Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau definiert und die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen verbietet“, erklärte Ravunawa. Zur Unterstützung seiner Forderung verwies der Kirchenpräsident auf biblische Texte. Aus seiner Sicht reichen die bisherigen gesetzlichen und verfassungsrechtlichen Bestimmungen nicht aus, um die Ehe eindeutig zu definieren.

Verfassung schützt Ehe

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht Artikel 29 des neuen Verfassungsentwurfs. Dieser enthält eine Ausnahmeregelung, nach der bestimmte Gesetze und Verwaltungsmaßnahmen nicht allein deshalb gegen die dort genannten Grundrechte verstoßen, weil sie einzelne rechtliche Bereiche regeln. In der entsprechenden Passage heißt es: „Ein Gesetz oder eine auf Grundlage eines Gesetzes vorgenommene Verwaltungsmaßnahme verstößt nicht gegen die in diesem Artikel genannten Rechte, weil es beziehungsweise sie Regelungen zur Adoption, Ehe, Vermögensübertragung im Todesfall und Altersversorgung trifft.“

Die Bestimmung entspricht weitgehend der bisherigen Regelung der Verfassung von 2013. Sie schützt entsprechende gesetzliche Regelungen vor Anfechtungen auf Grundlage der genannten Gleichheitsrechte, legt aber selbst nicht fest, ob die Ehe ausschließlich zwischen Mann und Frau geschlossen werden darf. Genau diese fehlende Definition kritisiert Ravunawa. Er verlangt, dass die neue Verfassung nicht nur bestehende Ehegesetze schützt, sondern die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen ausdrücklich ausschließt.

Mehr Religionsfreiheit?

Neben dem geforderten Eheverbot sprach sich Ravunawa für eine Klarstellung des Verhältnisses zwischen den Ehebestimmungen und der Religionsfreiheit aus. Diese wird in Artikel 25 des vorgeschlagenen Verfassungstextes behandelt. Nach seiner Auffassung müssen Kirchen und Geistliche weiterhin die Möglichkeit haben, entsprechend ihren religiösen Überzeugungen über die Ehe zu lehren und Eheschließungen vorzunehmen. Die Verfassung müsse sicherstellen, dass religiöse Gemeinschaften ihre Glaubensgrundsätze in diesen Fragen frei vertreten können. Zugleich betonte der Kirchenpräsident, dass der Schutz vor Misshandlungen für alle Menschen gelten müsse. „Jeder Mensch muss dennoch vor Gewalt, Einschüchterung und erniedrigender Behandlung geschützt werden“, erklärte Ravunawa.

Diskriminierungsschutz im Fokus

Die Auseinandersetzung über die Ehedefinition ist Teil einer breiteren Debatte über die künftige Verfassung Fidschis. Christliche Gruppen hatten bereits versucht, den bestehenden verfassungsrechtlichen Diskriminierungsschutz aufgrund sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck zu beseitigen. Mit dieser Forderung konnten sie sich bislang nicht durchsetzen. Die Regierung hat die entsprechende Bestimmung aus der geltenden Verfassung in den neuen Entwurf übernommen. Damit bleibt der verfassungsrechtliche Schutz von LGBTIQ+ vor Diskriminierung nach dem derzeitigen Entwurfsstand bestehen. Die Forderung nach einem ausdrücklichen Eheverbot zielt nun darauf ab, die verfassungsrechtliche Stellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften unabhängig von diesen allgemeinen Schutzbestimmungen festzulegen. 

Wie entscheidet die Bevölkerung?

Ob die Regierung den Vorschlag vor dem geplanten Referendum aufgreifen wird, ist unklar. Die endgültige Entscheidung über die vorgeschlagenen Verfassungsänderungen soll nach den Plänen der Regierung bei den Wählern liegen. Für den 9. Dezember 2026 ist das Referendum vorgesehen.  Homosexualität ist auf den Fidschi-Inseln seit 2010 legal, zudem verbietet die Verfassung von 2013 ausdrücklich die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität. Gleichgeschlechtliche Ehen werden jedoch nicht anerkannt, und trotz des gesetzlichen Diskriminierungsschutzes sind homosexuelle Menschen weiterhin mit gesellschaftlichen Vorurteilen und religiös begründeter Ablehnung konfrontiert.

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