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Polyamorie in West Hollywood Neue Rechte für mehrere Partner

Von ms - 04.11.2026 - 12:00 Uhr
Polyamorie in West Hollywood
Foto: IMAGO / FG Trade
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Eine Partnerschaft muss nicht zwangsläufig aus zwei Menschen bestehen. Dieser gesellschaftlichen Realität trägt die kalifornische Stadt West Hollywood nun mit einer neuen Regelung Rechnung. Als erste Kommune der Vereinigten Staaten richtet sie ein spezielles Register für polyamore Beziehungen ein. Damit können Menschen, die mit mehreren Partnerinnen oder Partnern zusammenleben, ihre Beziehungen offiziell eintragen lassen und bestimmte kommunale Schutzrechte erhalten.

Das Wichtigste im Überblick

  • Historischer Beschluss: West Hollywood in Kalifornien erkennt als erste US-Stadt polyamore Partnerschaften durch ein eigenes Register an.
  • Einstimmige Entscheidung: Alle fünf Mitglieder des Stadtrats stimmten für die Einführung.
  • Mehr rechtliche Sicherheit: Die Registrierung soll Familien mit mehreren Partnern unter anderem bei mietpreisregulierten Wohnungen und Krankenhausbesuchen schützen.
  • LGBTIQ+-Organisationen begrüßen Schritt: Aktivisten sehen darin einen wichtigen Fortschritt für die Gleichberechtigung unterschiedlicher Familienformen.
  • Vorreiter seit Jahrzehnten: Bereits 1985 führte West Hollywood als erste US-Stadt ein Partnerschaftsregister für gleichgeschlechtliche Paare ein.

Mehr Rechte für Betroffene 

Der fünfköpfige Stadtrat verabschiedete die Regelung ohne Gegenstimme. Die Stadt erweitert damit ihre bisherige Gleichstellungspolitik um die ausdrückliche Anerkennung von Familien, deren Beziehungen nicht auf zwei Personen beschränkt sind. Mit dem Register sollen Menschen in nichtmonogamen Partnerschaften zusätzliche rechtliche Möglichkeiten erhalten. Besonders relevant ist die Entscheidung für Familien, deren Mitglieder bislang nicht gleichermaßen als Partner oder Angehörige anerkannt wurden.

Die neue Regelung betrifft unter anderem den Schutz bei mietpreisregulierten Wohnungen. Auch Besuchsrechte in Krankenhäusern gehören zu den Bereichen, in denen registrierte Partnerschaften künftig stärker berücksichtigt werden sollen. Eine vollständige Gleichstellung mit der Ehe ist damit allerdings nicht verbunden. Die Entscheidung gilt auf kommunaler Ebene und ersetzt keine umfassende Reform des Familienrechts in Kalifornien oder den gesamten USA. Sie schafft jedoch eine Möglichkeit, Beziehungen mit mehr als zwei Beteiligten offiziell zu dokumentieren.

Unterschiedliche Familienformen 

Die Initiative geht auf Christina Fialho zurück. Die Gründerin und Präsidentin der gemeinnützigen Organisation Rewrite the BiLine hatte den Vorschlag im März 2025 an die Stadt herangetragen. Rewrite the BiLine setzt sich insbesondere für bisexuelle Menschen sowie Familien außerhalb des traditionellen Kleinfamilienmodells ein. Bürgermeister John Heilman griff das Anliegen auf und brachte die entsprechende Gesetzesvorlage ein. Er begründete die Initiative damit, dass die Stadt die tatsächlichen Lebensverhältnisse ihrer Einwohner berücksichtigen müsse. Es gehe darum, „anzuerkennen, dass es heute Menschen gibt, die in Haushalten leben, in denen sie eine Dreierbeziehung führen“, erklärte Heilman. Für solche Gemeinschaften seien rechtliche Absicherungen ebenso wichtig wie für andere Familien. Deshalb solle die Stadt ihnen „so viel Schutz wie möglich als Familie und für ihre Kinder“ gewähren.

Was bedeutet Polyamorie?

Als polyamor werden Beziehungen bezeichnet, in denen Menschen mit dem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig führen. Die Beteiligten können gemeinsam in einem Haushalt leben oder ihre Partnerschaften auf unterschiedliche Weise gestalten. Eine mögliche Form ist eine feste Dreierbeziehung, die im Englischen auch als „Throuple“ bezeichnet wird. Polyamorie unterscheidet sich von heimlichen Affären dadurch, dass die Beziehungen grundsätzlich auf gegenseitiger Zustimmung und Offenheit beruhen. Die Beziehungsform ist nicht an eine bestimmte sexuelle Orientierung gebunden. Sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle, bisexuelle und andere Menschen können polyamor leben. Allerdings orientieren sich viele gesetzliche Bestimmungen weiterhin ausschließlich an Zweierbeziehungen. Dadurch können für Menschen in Mehrfachpartnerschaften Nachteile entstehen, etwa wenn es um gemeinsame Wohnungen, medizinische Entscheidungen oder die Anerkennung familiärer Bindungen geht.

Das neue Partnerschaftsregister ist nicht die erste Maßnahme der Stadt zur rechtlichen Absicherung unterschiedlicher Beziehungsformen. Bereits zuvor hatte West Hollywood Antidiskriminierungsbestimmungen eingeführt, die Menschen vor Benachteiligungen aufgrund ihrer Familien- oder Beziehungsstruktur schützen. Das neue Register ergänzt den bestehenden Schutz, indem es Menschen in polyamoren Partnerschaften ermöglicht, ihre familiäre Verbindung offiziell anerkennen zu lassen. Die Stadt geht damit über die bloße Feststellung hinaus, dass niemand wegen seiner Beziehungsform diskriminiert werden darf.

Historischer Erfolg

Bei Rewrite the BiLine wurde der Beschluss ausdrücklich begrüßt. Gründerin Christina Fialho sieht darin ein wichtiges Zeichen für die Gleichberechtigung von Menschen, deren Lebensentwürfe nicht traditionellen gesellschaftlichen Vorstellungen entsprechen. Dabei verwies sie auch auf die Politik der US-Bundesregierung unter Präsident Donald Trump. „In einer Zeit, in der die Bundesregierung ihre Angriffe auf LGBTIQ+-Menschen verstärkt, sind wir der Stadt West Hollywood dankbar, dass sie zeigt, wie Gleichberechtigung in der Praxis aussieht“, erklärte Fialho. Zugleich betonte sie, dass der kommunale Beschluss nur einen Teil der notwendigen Veränderungen darstellen könne. Eine umfassende rechtliche Anerkennung vielfältiger Partnerschaften müsse letztlich auf Ebene des Bundesstaates erfolgen. Fialho erinnerte daran, dass West Hollywood bereits in der Vergangenheit wichtige Impulse für die Gleichstellung gegeben habe. „Auch wenn eine umfassende Reform auf Ebene des Bundesstaates erfolgen muss, hat West Hollywood bereits vor 40 Jahren bewiesen, dass lokales Handeln landesweite Fortschritte anstoßen kann. Der heutige Schritt ist wirklich historisch und der erste von vielen weiteren, die noch folgen werden“, sagte sie weiter.

Auch die Organisation OPEN, die sich für die Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz nichtmonogam lebender Menschen einsetzt, bewertet die Entscheidung positiv. Ihr Geschäftsführer Brett Chamberlin erklärte, gesetzliche Regelungen hätten die Vielfalt tatsächlich gelebter Beziehungen lange Zeit nicht ausreichend berücksichtigt. „Familien waren schon immer vielfältiger, als es das Gesetz vorsieht“, sagte Chamberlin. Aus seiner Sicht zeigt West Hollywood nun, dass Veränderungen auch auf kommunaler Ebene möglich sind. „West Hollywood hat Menschen in nichtmonogamen Beziehungen gerade Rechte eingeräumt, die sie zuvor nie hatten, und gezeigt, was möglich ist, wenn eine Stadt vorangeht.“ Für die Organisation bedeutet die Entscheidung deshalb nicht nur eine symbolische Anerkennung, sondern auch eine konkrete Verbesserung der rechtlichen Situation betroffener Familien.

Nichtmonogame Amerikaner

Dass Partnerschaften mit mehr als zwei Beteiligten gesellschaftlich relevant sind, zeigen auch Untersuchungen über nichtmonogame Beziehungen in den Vereinigten Staaten. Einer Studie aus dem Jahr 2019 zufolge, über die der US-Fernsehsender CBS berichtete, leben schätzungsweise fünf Prozent der Menschen in den USA in nichtmonogamen Beziehungen. Dabei umfasst der Begriff unterschiedliche Beziehungsmodelle. Nicht jede nichtmonogame Partnerschaft ist zwangsläufig polyamor oder besteht aus einem gemeinsamen Haushalt mit mehreren festen Partnern. Die Zahlen verdeutlichen jedoch, dass nichtmonogame Lebensweisen einen Teil der gesellschaftlichen Realität darstellen. Rechtlich werden solche Partnerschaften bislang vielerorts nur eingeschränkt berücksichtigt. Besonders deutlich wird dies dort, wo Vorschriften ausschließlich Ehepartner oder zwei offiziell anerkannte Personen vorsehen.

Vorreiter für homosexuelle Paare

West Hollywood besitzt eine lange Tradition bei der Anerkennung unterschiedlicher Partnerschaftsformen. Schon 1985 führte die Stadt als erste Kommune in den USA ein Register für häusliche Partnerschaften gleichgeschlechtlicher Paare ein. Zu einer Zeit, als die Ehe für homosexuelle Paare in den Vereinigten Staaten noch nicht geöffnet war, boten solche kommunalen Regelungen erste Möglichkeiten zur offiziellen Anerkennung. Die damalige Entscheidung wurde zu einem frühen Beispiel dafür, wie Städte rechtliche Verbesserungen für gleichgeschlechtliche Paare vorantreiben konnten. Mehr als vier Jahrzehnte später greift West Hollywood nun erneut eine Familienform auf, die im geltenden Recht bislang nur begrenzt berücksichtigt wird. Menschenrechtsorganisationen verbinden mit der Entscheidung die Hoffnung, dass andere Kommunen ähnliche Regelungen prüfen.

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