Die Regierung von US-Präsident Donald Trump will mit staatlichen Fördermitteln untersuchen lassen, ob Menschen mit Geschlechtsdysphorie häufiger Gewaltverbrechen begehen. Das Justizministerium stellt dafür bis zu eine Million US-Dollar bereit. Menschenrechtsorganisationen und Wissenschaftler kritisieren die Entscheidung scharf. Sie befürchten, dass queere und trans* Menschen dadurch zunehmend als potenzielle Gewalttäter dargestellt werden könnten.
Das Wichtigste im Überblick
- Eine Million Dollar für Forschung: Das US-Justizministerium stellt bis zu eine Million US-Dollar für Untersuchungen zu möglichen Zusammenhängen zwischen Geschlechtsdysphorie und Gewaltkriminalität bereit.
- Kritik an Trump-Regierung: Menschenrechtsorganisationen werfen der Regierung vor, trans* Menschen gezielt mit extremistischer Gewalt in Verbindung zu bringen.
- Wissenschaftliche Zweifel: Fachleute betonen, dass sich Gewaltbereitschaft nicht allein aus der Geschlechtsidentität oder anderen persönlichen Merkmalen ableiten lässt.
- Weitere umstrittene Studie: Auch das US-Gesundheitsministerium veröffentlichte einen Bericht über geschlechtsangleichende Behandlungen und die Unterstützung politischer Gewalt. Kritiker bemängeln erhebliche wissenschaftliche Schwächen.
Kuriose Forschung
Die Förderung wurde vom National Institute of Justice (NIJ), der Forschungsabteilung des US-Justizministeriums, angekündigt. Untersucht werden sollen die Häufigkeit und die Art von Gewalttaten bei Menschen, bei denen Geschlechtsdysphorie diagnostiziert und behandelt wurde. Der Begriff bezeichnet einen Leidensdruck, der durch die Diskrepanz zwischen der eigenen Geschlechtsidentität und dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht entstehen kann. Die Entscheidung fällt in eine Zeit, in der die Trump-Regierung verschiedene Maßnahmen zur Einschränkung der Rechte von trans* Menschen verfolgt. Dazu gehören Beschränkungen beim Zugang zu medizinischer Versorgung sowie bei Ausweisdokumenten. Zugleich hatte die Regierung mehr als ein Jahr zuvor Fördermittel für Forschungsprojekte zu hassmotivierter und extremistischer Gewalt gestrichen.
Gefährliche Entwicklung
Wendy Via, Mitbegründerin und Geschäftsführerin des Global Project Against Hate and Extremism (GPAHE), wirft der US-Regierung vor, trans* Menschen wiederholt fälschlicherweise als besonders anfällig für extremistische Gewalt darzustellen. Damit werde nach ihrer Einschätzung von anderen Formen politisch motivierter Gewalt abgelenkt. Insbesondere rechtsextreme Ideologien gerieten dadurch aus dem Blickfeld. „Was die Regierung tut, ist sehr gefährlich“, sagte Via. Wissenschaftler und LGBTIQ+-Organisationen kritisieren insbesondere den Versuch, die Geschlechtsidentität als mögliche Hauptursache für Gewaltkriminalität darzustellen. Solche Ansätze bezeichnen sie als „Pseudowissenschaft“. Sie verweisen auf wissenschaftliche Untersuchungen, denen zufolge sich schwere Gewalttaten nicht allein durch einzelne persönliche Merkmale wie Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit oder politische Orientierung erklären lassen. Bei Tätern öffentlichkeitswirksamer Gewaltverbrechen fänden sich vielmehr häufig Gemeinsamkeiten in ihren Einstellungen und Weltanschauungen. Dazu gehörten Rassismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und Nihilismus.
Die Debatte über einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen Transgeschlechtlichkeit und politischer Gewalt hatte nach der Ermordung des konservativen Aktivisten Charlie Kirk im September 2025 zusätzliche Aufmerksamkeit erhalten. Rechtsgerichtete Influencer behaupteten damals, der mutmaßliche Täter sei teilweise durch eine sogenannte „Transgender-Ideologie“ motiviert gewesen. Eine ähnliche Vorstellung fand auch Eingang in einen Bericht des Weißen Hauses zur Terrorismusbekämpfung. Darin werden linke Gewalt und sogenannte „Transgender-Ideologien“ als Themen der staatlichen Strategie gegen inländischen Terrorismus genannt. Fachleute warnen davor, aus der Geschlechtsidentität einzelner Täter allgemeine Rückschlüsse auf eine gesamte Bevölkerungsgruppe zu ziehen.
Massenschießereien in den USA
Die überwiegende Mehrheit der Massenschießereien in den Vereinigten Staaten wurde von heterosexuellen Menschen verübt. Allerdings gab es auch einzelne schwere Gewalttaten, an denen trans* oder nicht-binäre Menschen beteiligt waren. Dazu gehören die Angriffe an der katholischen Annunciation-Schule in Minneapolis, im Club Q in Colorado Springs und an einer Grundschule im kanadischen Tumbler Ridge in British Columbia. Bei diesen Taten wurden nach Einschätzung von Fachleuten Verhaltensmuster beobachtet, die auch von anderen Tätern schwerer Massengewalt bekannt sind. Dazu zählen die Verherrlichung früherer Gewalttäter und Radikalisierungsprozesse im Internet. Wendy Via betont, dass die Ursachen solcher Verbrechen komplex seien. „Wir wissen nicht genau, warum sich ein Mensch dazu entscheidet, Massengewalt auszuüben, denn sie alle haben unterschiedliche Erfahrungen in ihrem Leben gemacht, die sie dorthin geführt haben“, erklärte sie. „Ob jemand trans* oder heterosexuell ist, hat damit wahrscheinlich nichts zu tun.“
Staatliche Forschungsgelder
Zane McNeill, Jurist bei der Organisation Lawyers for Good Government, sieht in der neuen Förderentscheidung einen Teil einer umfassenderen politischen Strategie. Seiner Ansicht nach verschiebt die Regierung ihre Forschungsschwerpunkte weg von rechtsextrem motivierter Gewalt und hin zu Untersuchungen über trans* Menschen. „Ich sehe das als Teil eines größeren Apparats, der davon ablenken soll, wer die Gewalt tatsächlich verbreitet“, sagte McNeill. Besonders problematisch sei aus seiner Sicht, dass staatliche Fördermittel gezielt zur Unterstützung bestimmter politischer Vorstellungen eingesetzt würden. „Es geht auch darum, Förderentscheidungen als Waffe einzusetzen. Sie haben Projekte untergraben und gleichzeitig Steuergelder in rechtsextreme Pseudowissenschaft umgeleitet.“
Neben dem Justizministerium beschäftigt sich auch das US-Gesundheitsministerium mit möglichen Verbindungen zwischen Geschlechtsidentität und politischer Gewalt. Das Department of Health and Human Services (HHS) veröffentlichte kürzlich einen Bericht mit dem Titel „Fördert die Gender-Ideologie eine linksautoritäre Psychologie?“ Die Untersuchung wurde vom Gesundheitsministerium in Auftrag gegeben. An ihrer Erstellung waren Forscher der Rutgers University, des Manhattan Institute und des Network Contagion Research Institute beteiligt. Als Grundlage diente eine Befragung von rund 1.200 Erwachsenen in den USA. Der Bericht legt nahe, dass Menschen, die geschlechtsangleichende medizinische Behandlungen erhalten oder solche Behandlungen unterstützen, eher bereit seien, politische Gewalt zu befürworten. Die Aussagekraft dieser Ergebnisse ist jedoch stark umstritten. Kritiker werfen den Autoren methodische Schwächen und eine einseitige Interpretation der erhobenen Daten vor. „Diese Forschung ist so fehlerhaft, dass sie nicht veröffentlicht werden sollte“, sagte auch McNeill. Seine Einschätzung fällt deutlich aus: „Es ist offensichtlich, dass sie extrem voreingenommen ist.“