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Krise in Irland Coming-Out birgt große Risiken für Schüler

Von ms - 04.11.2026 - 09:00 Uhr
Krise in Irland
Foto: IMAGO / Steinach
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Ein Coming-Out in der Schule könnte für viele LGBTIQ+-Jugendliche in Irland mit negativen Reaktionen verbunden sein. Das befürchtet zumindest ein erheblicher Teil ihrer Mitschüler. Einer neuen Untersuchung zufolge geht fast die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler davon aus, dass offen schwule, lesbische oder bisexuelle Jugendliche an ihrer Schule gemobbt würden. Bei trans* Jugendlichen erwartet sogar mehr als die Hälfte solche Anfeindungen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Mobbing nach Coming-out befürchtet: Fast die Hälfte der irischen Schüler glaubt, dass schwule, lesbische oder bisexuelle Mitschüler nach einem Coming-out gemobbt würden.
  • Trans Jugendliche besonders betroffen: Bei einem Coming-out als transgeschlechtlich rechnen sogar mehr als die Hälfte der Befragten mit Mobbing.
  • Mehrheit fühlt sich sicher: Gleichzeitig bewerten 76 Prozent der Schüler ihre Schule als sicheres und unterstützendes Umfeld für LGBTIQ+-Jugendliche.
  • Landesweite Aktionswoche: Vom 2. bis 6. November 2026 setzen Schulen und Jugendeinrichtungen mit der Kampagne „You Belong Here“ ein Zeichen gegen Diskriminierung.

Sicheres Umfeld Schule

Die Ergebnisse veröffentlichte die irische LGBTIQ+-Jugendorganisation Belong To zum Beginn ihrer diesjährigen „Stand Up Awareness Week“. Mit der landesweiten Initiative will sie auf Diskriminierung aufmerksam machen und Schulen zu einem unterstützenden Umgang mit queeren Jugendlichen ermutigen. Die Untersuchung zeichnet allerdings kein ausschließlich negatives Bild. Demnach betrachten 76 Prozent der Schülerinnen und Schüler ihre Schule als ein „sicheres und unterstützendes Umfeld für LGBTIQ+-Schüler“. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. 2024 lag er bei 75 Prozent, 2023 bei 72 Prozent.

Aktion gegen Ausgrenzung  

Die aktuelle „Stand Up Awareness Week“ findet bereits zum 17. Mal statt. Neben Schulen beteiligen sich auch sogenannte Youthreach-Zentren, die junge Menschen bei ihrer schulischen und beruflichen Bildung unterstützen, sowie weitere Jugendeinrichtungen in ganz Irland. Wie groß die Reichweite der Initiative inzwischen ist, zeigen die Zahlen aus dem vergangenen Jahr: 2025 nahmen 68 Prozent der irischen Schulen daran teil. Unter dem diesjährigen Motto „You Belong Here“ („Du gehörst hierher“) organisieren die Einrichtungen verschiedene Veranstaltungen. Dazu gehören mit Regenbogenfarben gestaltete Wege, Aktionstage mit Regenbogenpullovern, Kunstwettbewerbe und Unterrichtseinheiten zu LGBTIQ+-Themen in unterschiedlichen Schulfächern. Offiziell eröffnet wurde die Kampagne am Kingswood Community College in Dublin. An der Veranstaltung nahmen neben Schülern und Lehrkräften auch die Komikerin und Podcasterin Emma Doran teil. Sie unterstützt die Initiative in diesem Jahr als erste offiziell ernannte Elternbotschafterin.

Kein Verstecken

Kieran O’Donovan, Geschäftsführer von Belong To, zeigte sich angesichts der Untersuchungsergebnisse besorgt. Die Aktionswoche solle jungen LGBTIQ+-Menschen vor allem vermitteln, dass sie an ihren Schulen willkommen seien. „Bei der Stand Up Awareness Week geht es darum, jungen LGBTIQ+-Menschen in ganz Irland eine einfache, aber wirkungsvolle Botschaft zu vermitteln: Ihr gehört hierher“, sagte O’Donovan zum Auftakt. Besonders alarmierend sei die verbreitete Erwartung, dass ein Coming-Out zu Anfeindungen führen könne. „Es ist äußerst besorgniserregend, dass die Hälfte der Schülerinnen und Schüler in Irland glaubt, ein schwuler, lesbischer oder bisexueller Mitschüler würde gemobbt, wenn er sich in der Schule outet – und dass sogar mehr als die Hälfte davon ausgeht, wenn sich jemand als transgeschlechtlich outet.“ Darin sieht O’Donovan einen wesentlichen Grund für die Fortsetzung der Initiative. „Genau deshalb ist die Stand Up Awareness Week so wichtig. Kein junger Mensch sollte aus Angst davor, ausgegrenzt, angegriffen oder in ein Gefühl der Unsicherheit versetzt zu werden, verbergen müssen, wer er ist.“

Zugehörigkeit ist wichtig

Nach Einschätzung der Jugendorganisation kommt es entscheidend darauf an, dass Schulen und Jugendeinrichtungen ein Klima schaffen, in dem sich junge LGBTIQ+-Menschen akzeptiert fühlen. „Durch das Engagement von Schulen, Youthreach-Zentren und Jugendeinrichtungen im ganzen Land trägt die Stand Up Awareness Week dazu bei, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich junge LGBTIQ+-Menschen wahrgenommen, unterstützt und wertgeschätzt fühlen“, erklärte O’Donovan. Dabei gehe es nicht allein um den Schutz vor unmittelbaren Anfeindungen. Auch die persönliche Entwicklung könne davon beeinflusst werden. „Dieses Gefühl der Zugehörigkeit kann das Selbstvertrauen, das Wohlbefinden und die Zukunft eines jungen Menschen nachhaltig beeinflussen. Deshalb ist diese Aktionswoche heute genauso wichtig wie eh und je.“

Unterstützung von Eltern

Auch die Komikerin Emma Doran betonte bei der Auftaktveranstaltung die Verantwortung von Eltern im Umgang mit Diskriminierung. Jugendliche seien bereits zahlreichen Herausforderungen ausgesetzt. Die Angst vor Mobbing aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität dürfe nicht hinzukommen. „Als Mutter weiß ich, dass Jugendliche ohnehin schon genug zu bewältigen haben – zwischen Prüfungen, Freundschaftsdramen und der Tatsache, dass ihnen praktisch alles, was ihre Eltern tun, unglaublich peinlich ist. Die Sorge, wegen der eigenen Identität gemobbt zu werden, sollte nicht auch noch dazukommen“, sagte Doran.

Sie appellierte an Familien, sich mit den möglichen Folgen von Ausgrenzung auseinanderzusetzen und ihre Kinder entsprechend zu sensibilisieren. „Ich bin stolz darauf, in dieser Woche an der Seite aller jungen LGBTIQ+-Menschen zu stehen. Ich rufe Eltern dazu auf, ihre Kinder dabei zu unterstützen, zu erkennen, welchen Schaden Mobbing gegen LGBTIQ+-Menschen anrichtet und welche langfristigen Folgen es haben kann.“ Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen damit eine Herausforderung für irische Schulen: Obwohl eine wachsende Mehrheit das schulische Umfeld grundsätzlich als sicher einschätzt, rechnen weiterhin viele Jugendliche damit, dass offen gelebte sexuelle oder geschlechtliche Vielfalt zu Mobbing führen könnte. Es ist die zweite Studie binnen weniger Tage, die auch als Alarmsignal verstanden wird – zuvor offenbarte eine Untersuchung, dass 40 Prozent der Homosexuellen und über die Hälfe der Bisexuellen in Irland sexuelle Gewalt erlebt haben. 

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