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Danny Pintauro blickt zurück Späte Reaktionen bewegen TV-Star

Von ms - 03.11.2026 - 14:30 Uhr
Danny Pintauro blickt zurück
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
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Fast drei Jahrzehnte nach seinem unfreiwilligen Coming-Out hat der amerikanische Schauspieler Danny Pintauro auf seine damaligen Erfahrungen zurückgeblickt. Der heute 50-Jährige veröffentlichte jetzt in sozialen Netzwerken Erinnerungen an das Jahr 1997, als seine Homosexualität durch einen Bericht des Boulevardblatts National Enquirer öffentlich wurde.

Das Wichtigste im Überblick

  • Coming-Out unter Druck: Schauspieler Danny Pintauro (50) wurde 1997 im Alter von 21 Jahren vom National Enquirer mit einer geplanten Veröffentlichung über seine Homosexualität konfrontiert.
  • Bekannt als Kinderstar: Pintauro spielte von 1984 bis 1992 in der amerikanischen Sitcom „Wer ist hier der Boss?“ mit.
  • Wiederentdeckter Artikel: Der Schauspieler fand das damalige Interview wieder und berichtete in sozialen Netzwerken über seine Erfahrungen.
  • Große Resonanz: Sein Beitrag erreichte mehr als fünf Millionen Aufrufe. Zahlreiche Menschen erklärten, welchen Einfluss sein Coming-Out auf ihr eigenes Leben hatte.
  • Pintauro erinnert daran, wie wichtig öffentliche Sichtbarkeit und die Menschen sind, die früh den Weg für mehr Akzeptanz ebneten.

Boulevardblatt erpresste Schauspieler

Auslöser war der überraschende Fund eines Exemplars des damaligen Artikels. Pintauro hatte das Interview nach eigenen Angaben lange nicht mehr gesehen. Seine Erinnerungen lösten im Internet eine unerwartet große Resonanz aus. Zahlreiche Menschen berichteten, welche Bedeutung sein Coming-Out für ihr eigenes Leben gehabt habe. Pintauro wurde als Kinderstar in der amerikanischen Sitcom „Who's the Boss?“ bekannt, die von 1984 bis 1992 ausgestrahlt wurde. Im deutschen Fernsehen lief die Serie unter dem Titel „Wer ist hier der Boss?“. 1997 machte der damals 21-Jährige seine Homosexualität in einem Interview mit dem National Enquirer öffentlich. Freiwillig war der Zeitpunkt allerdings nicht gewählt.

In seinem aktuellen Beitrag schilderte Pintauro, wie es damals zu der Veröffentlichung kam. „Ich habe ihn endlich gefunden“, schrieb der Schauspieler zunächst über den wiederentdeckten Artikel. Anschließend erklärte er die damaligen Umstände. „Ich war 21 Jahre alt, und der Enquirer hatte unmissverständlich klargemacht, dass er eine Geschichte über meine Sexualität veröffentlichen würde – unabhängig davon, ob ich mich daran beteilige oder nicht. Also traf ich die Entscheidung, selbst für mich zu sprechen.“ 

Gemischte Gefühle

Die erneute Begegnung mit dem Artikel habe bei ihm gemischte Gefühle ausgelöst. „Den tatsächlichen Artikel fast 30 Jahre später wiederzusehen, ist surreal.“ Dabei habe er auch etwas entdeckt, das ihm nicht mehr bewusst gewesen sei. „Und hier ist etwas, das ich vergessen hatte: Alles in allem ist der Artikel tatsächlich ziemlich einfühlsam.“ Besonders auffällig sei die damalige Schlagzeile gewesen. „Ja, die Überschrift ist riesig und ganz typisch für 1997: ‚TV-Sitcom-Star enthüllt: Ich bin schwul.‘“ Der Inhalt des Artikels sei jedoch differenzierter gewesen, als die Aufmachung vermuten ließ. „Aber die Geschichte handelt von der Unterstützung, die ich von meiner Familie, Tony Danza und Judith Light erhalten habe, und enthält sogar eine Botschaft von Chaz Bono über Mut und Coming-Out.“

Tony Danza und Judith Light gehörten zu den Hauptdarstellern von „Wer ist hier der Boss?“ und hatten mit Pintauro über mehrere Jahre zusammengearbeitet. Auch Chaz Bono unterstützte den jungen Schauspieler damals mit einer öffentlichen Botschaft. Pintauro erinnerte daran, wie ungewöhnlich es Ende der 1990er Jahre noch gewesen sei, dass prominente Menschen offen homosexuell lebten. „Es ist verrückt, wenn man bedenkt, wie kurz die Liste der offen schwulen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens 1997 noch war und wie viele Menschen sich in den folgenden Jahren öffentlich outen würden.“

Stolz auf sein jüngeres Ich

Trotz der positiven Aspekte des damaligen Interviews bleibt das unfreiwillige Coming-Out für Pintauro eine schwierige Erinnerung. Er habe nicht selbst entscheiden können, wann und unter welchen Umständen seine Homosexualität öffentlich bekannt wurde. „Das ändert nichts daran, wie kompliziert es war, dass etwas so Persönliches zu einer landesweiten Nachricht wurde, bevor ich bereit war, dass es zu meinen eigenen Bedingungen geschieht.“ Mit dem zeitlichen Abstand könne er jedoch auch erkennen, wie er damals versucht habe, die Kontrolle über die Situation zurückzugewinnen. „Aber wenn ich es heute lese, sehe ich auch mein 21-jähriges Ich, das versucht, die Kontrolle über eine Situation zu übernehmen, die es sich nicht ausgesucht hatte, und zu sagen: ‚Wenn diese Geschichte erzählt wird, dann möchte ich, dass meine Stimme darin vorkommt.‘“

Heute empfinde er deshalb auch Stolz auf seine damalige Entscheidung. „Und darauf bin ich irgendwie stolz.“ Besonders berührend sei für ihn rückblickend die Unterstützung von Chaz Bono. „Und auch ein kleines Dankeschön an Chaz Bono. Diese unterstützenden Worte fast 30 Jahre später neben meiner Geschichte zu sehen, bedeutet mir heute mehr, als ich damals wahrscheinlich verstanden habe.“ Seinen Beitrag beendete Pintauro mit einer persönlichen Feststellung. „Fast 30 Jahre später halte ich dieses echte Stück Geschichte endlich wieder in meinen Händen. Immer noch schwul. Immer noch hier. Und sehr dankbar dafür, dass ich heute selbst entscheiden kann, wie meine Geschichte erzählt wird.“

Tausende Menschen reagieren 

Die Veröffentlichung löste in sozialen Netzwerken eine Welle von Reaktionen aus. Pintauros Beitrag erhielt Zehntausende positive Bewertungen. Viele Menschen berichteten, dass sein damaliges Coming-Out ihnen geholfen habe, ihre eigenen Einstellungen zu hinterfragen oder ihre sexuelle Orientierung besser zu akzeptieren. Ein Mann aus dem amerikanischen Bundesstaat Oklahoma erinnerte sich daran, wie sehr ihn die Nachricht 1997 beeinflusst hatte. „Für ein Kind in Oklahoma war das ein entscheidender Moment, um mich von der Indoktrination meiner fundamentalistischen Erziehung zu lösen“, schrieb er.

Da er ungefähr im gleichen Alter wie Pintauro sei, habe er das Gefühl gehabt, gemeinsam mit dem Schauspieler aufzuwachsen. „Deine Figur war lustig und liebenswert, und damals hatte ich das Gefühl, sie zu kennen. Als dieser Artikel erschien, war ich deshalb völlig erschüttert.“ Gerade diese Erfahrung habe jedoch seine bisherigen Überzeugungen ins Wanken gebracht. „Aber dadurch entstanden Risse in der hasserfüllten Logik, mit der ich aufgewachsen war: Schwule Menschen sind böse. Aber ich wusste, dass du nicht böse warst.“

Kritik an früheren Zwangs-Outings

Andere Kommentatoren erinnerten an die aggressive Berichterstattung vieler Boulevardmedien in den 1990er und 2000er Jahren. Ein Mann kritisierte insbesondere, dass Prominente damals häufig gegen ihren Willen mit ihrer sexuellen Orientierung konfrontiert wurden. „Ich habe es gehasst, wenn Boulevardblätter Menschen wie dir, Chad Allen und anderen so etwas angetan haben. Das war böse.“ Auch das Verhalten der amerikanischen Fernsehjournalistin Barbara Walters gegenüber dem Sänger Ricky Martin erwähnte er ausdrücklich. „Was Barbara Walters Ricky Martin angetan hat, war ebenfalls böse.“

Trotz weiterhin bestehender gesellschaftlicher Probleme habe sich der Umgang der Medien mit der Privatsphäre prominenter LGBTIQ+-Menschen nach seiner Einschätzung verändert. „So unvollkommen unsere Welt auch immer noch ist, zumindest haben diese Boulevardblätter heute nur noch minimalen Einfluss, und die Medien scheinen nicht mehr aktiv zu versuchen, Schauspieler, Sänger oder Sportler zu outen.“ Ein weiterer Kommentator bedankte sich bei Pintauro für dessen damalige Offenheit. „Männer wie du sind vorausgegangen und haben den Fortschritt mit sich in die Zukunft gezogen, damit Männer wie ich rennen können! Danke, dass du das Tempo vorgegeben hast, Danny!“

Mehr als fünf Millionen Aufrufe

Kurz darauf meldete sich Pintauro erneut zu Wort. Sein ursprünglicher Beitrag hatte inzwischen mehr als fünf Millionen Aufrufe erreicht. Besonders die persönlichen Nachrichten und Erinnerungen anderer Menschen hätten ihn tief bewegt. Schon 1997 habe er zahlreiche Briefe erhalten. Damals habe es jedoch noch nicht die heutigen Möglichkeiten sozialer Netzwerke gegeben. Deshalb sei ihm lange nicht bewusst gewesen, wie viele Menschen sein Coming-Out tatsächlich beeinflusst hatte. In einem weiteren Video erklärte er, dass er mit der Veröffentlichung ursprünglich lediglich ein persönliches Erinnerungsstück habe teilen wollen. „Ich hätte mir nie vorstellen können, wie viele von euch mir sagen würden, dass es auch ein Stück ihrer Vergangenheit war.“

„Unsere Geschichte ist wichtig“

Für Pintauro haben die zahlreichen Rückmeldungen die Bedeutung seines damaligen Coming-Outs verändert. Was er über Jahrzehnte vor allem als schwierige persönliche Erfahrung wahrgenommen hatte, erwies sich für viele andere Menschen als wichtiger Moment ihrer eigenen Entwicklung. Die Erinnerungen machten ihm bewusst, dass öffentliche Sichtbarkeit auch dann Auswirkungen haben kann, wenn sich die betreffende Person dieser Bedeutung zunächst nicht bewusst ist. „Fast 30 Jahre später erfahre ich, dass die Auswirkungen dieses Moments viel weiter reichten, als mir jemals klar war“, erklärte der Schauspieler. Zum Abschluss betonte er die Bedeutung der gemeinsamen Geschichte der LGBTIQ+-Gemeinschaft und jener Menschen, die früh öffentlich für Akzeptanz eingetreten waren. „Unsere Geschichte ist wichtig. Unsere Sichtbarkeit ist wichtig. Und die Menschen, die geholfen haben, den Weg zu ebnen, sind wichtig. Danke, dass ihr mich daran erinnert habt.“

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