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Neues Archiv in Berlin Zehntausende Dokumente zum Thema HIV zugänglich

Von ms - 02.11.2026 - 11:30 Uhr
Neues Archiv in Berlin
Foto: iStock / Jakob Berg
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Persönliche Erinnerungen, historische Unterlagen und Dokumente aus mehreren Jahrzehnten der HIV- und Aids-Geschichte sind künftig an der Humboldt-Universität zu Berlin für die wissenschaftliche Forschung zugänglich. Mit einer Feierstunde wurde dort jetzt ein neues Aids-Archiv eröffnet.

Das Wichtigste im Überblick

  • Archiv feierlich eröffnet: Ende Oktober wurde das neue Aids-Archiv an der Humboldt-Universität zu Berlin offiziell vorgestellt.
  • Umfangreiche Sammlung: Insgesamt 17 private und institutionelle Vor- und Nachlässe mit mehreren zehntausend Einzeldokumenten sind wissenschaftlich erschlossen.
  • Persönliche Zeitzeugnisse: Briefe, Tagebücher, Fotografien und medizinische Unterlagen dokumentieren das Leben mit HIV und Aids sowie Diskriminierung, Solidarität und gesellschaftliches Engagement.
  • Für Forschung zugänglich: Die Sammlung ist Bestandteil des Haeberle-Hirschfeld-Archivs für Sexualwissenschaft und kann auf Antrag eingesehen werden.
  • Langjähriges Projekt: Die Initiative entstand 2012. Seit 2015 wurden die Bestände systematisch gesammelt, geordnet und für die dauerhafte Archivierung vorbereitet.
  • Erinnerung an Verstorbene: Bei der Eröffnung wurde auch des HIV-Aktivisten und Geschichtsforschers Michael Jähme gedacht, der im Sommer 2026 bei einem Unfall ums Leben kam.

Tausende Dokumente

Die Sammlung umfasst 17 private und institutionelle Vor- und Nachlässe mit insgesamt mehreren zehntausend Einzeldokumenten. Sie wurden in den vergangenen Jahren zusammengetragen, geordnet und wissenschaftlich erschlossen. Das Archiv soll insbesondere die Erfahrungen von Menschen mit HIV und Aids sowie die gesellschaftliche Entwicklung im Umgang mit der Krankheit dauerhaft dokumentieren. Neben medizinischen und politischen Aspekten stehen persönliche Lebensgeschichten, Diskriminierung, Selbsthilfe und Solidarität im Mittelpunkt. Die Bestände sind nun als vollständig erschlossener Teil des Haeberle-Hirschfeld-Archivs für Sexualwissenschaft auf Antrag für Forschungszwecke einsehbar.

Briefe, Tagebücher und Fotografien 

Die Sammlung enthält eine Vielzahl unterschiedlicher historischer Quellen. Dazu gehören persönliche Briefe, Tagebücher, medizinische Unterlagen, Verwaltungsdokumente, Traueranzeigen und Kondolenzschreiben. Hinzu kommen Fotografien, audiovisuelle Aufzeichnungen, Tagungsmaterialien, Bücher, Informationsbroschüren, Zeitungsausschnitte und Plakate. Auch einzelne Alltagsgegenstände wurden aufgenommen, darunter Anstecker und ein T-Shirt.

Die Materialien vermitteln Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Menschen, die von HIV und Aids betroffen waren. Sie dokumentieren Krankheitsverläufe, den Umgang mit Sterben und Tod sowie Erfahrungen mit gesellschaftlicher Ausgrenzung. Gleichzeitig zeigen sie, wie sich Betroffene und Unterstützer organisierten, Hilfsangebote entwickelten und öffentlich für ihre Rechte eintraten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf kulturellen und künstlerischen Aktivitäten, die im Umfeld der HIV- und Aids-Bewegung entstanden. Viele Dokumente stammen aus dem Umfeld von Vereinen, Selbsthilfegruppen und Einrichtungen, die sich mit der Krankheit und ihren gesellschaftlichen Folgen beschäftigten.

Zeitzeugen und Wissenschaftler 

An der Eröffnungsfeier nahmen unter anderem Zeitzeugen, Aktivisten und Wissenschaftler sowie politische Vertreter teil. An einer Podiumsdiskussion beteiligten sich außerdem Professor Andreas Kraß, Leiter der Forschungsstelle Kulturgeschichte der Sexualität an der Humboldt-Universität, und Yong-Mi Rauch, Leiterin der Abteilung Historische Sammlungen der Universitätsbibliothek. Auch vier Personen, die dem Archiv bereits zu Lebzeiten eigene Unterlagen überlassen haben, waren bei der Veranstaltung anwesend. 

Bei der Eröffnung wurde auch der Arbeit von Michael Jähme gedacht. Der HIV-Aktivist, Zeitzeuge und Geschichtsforscher war im Sommer 2026 bei einem Unfall ums Leben gekommen. Jähme hatte sich intensiv mit der Geschichte von HIV und Aids beschäftigt und dem neuen Archiv bereits zu Lebzeiten eine umfangreiche Sammlung eigener Unterlagen übergeben. Sein Nachlass beziehungsweise die von ihm überlassenen Materialien tragen dazu bei, persönliche Erfahrungen und historische Entwicklungen für künftige Generationen nachvollziehbar zu machen. Die Archivierung solcher Bestände soll verhindern, dass wichtige Zeitzeugnisse mit dem Tod der unmittelbar Beteiligten verloren gehen.

Initiative entstand b2012

Die Anfänge des Projekts reichen bis ins Jahr 2012 zurück. Damals beschäftigten sich Teilnehmer einer Selbsthilfekonferenz zum Leben mit HIV in einem Workshop mit der Frage, wie die Geschichte der Aids-Bewegung langfristig gesichert werden könnte. Daraus entstand eine breite Initiative, deren gesammelte Dokumente jetzt eine neue Heimat gefunden haben. Um die gesammelten Materialien langfristig zu sichern, wurde 2015 an der Forschungsstelle für die Kulturgeschichte der Sexualität der Humboldt-Universität zudem ein eigenes Projekt eingerichtet. 

Das Projekt sollte insbesondere jene Erfahrungen bewahren, die in amtlichen Statistiken, medizinischen Veröffentlichungen oder staatlichen Akten häufig nur unzureichend sichtbar werden. Durch die Verbindung persönlicher Dokumente mit institutionellen Unterlagen entstand eine Sammlung, die unterschiedliche Perspektiven auf die Aids-Epidemie und ihre gesellschaftlichen Folgen ermöglicht. Mit der offiziellen Eröffnung ist die mehrjährige Erschließungsarbeit nun abgeschlossen und die Sammlung für wissenschaftliche Untersuchungen verfügbar.

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