Queere Menschen werden in Baden-Württemberg auch nach Kontakten über Dating-Plattformen Opfer von Straftaten. Das bestätigt das Innenministerium in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Landtag. Zugleich dokumentiert die Drucksache einen deutlichen Anstieg der insgesamt registrierten queerfeindlichen Straftaten: von 54 im Jahr 2022 auf 200 im Jahr 2025.
Das Wichtigste im Überblick
- 2025 wurden 200 queerfeindliche Straftaten erfasst, darunter 22 Gewaltdelikte.
- Die Polizei kennt Angriffe nach der Verabredung über Dating-Plattformen.
- Wie viele Fälle auf solche Treffen entfallen, ist statistisch nicht ausgewiesen.
Treffen werden zur Falle
Die Grünen-Abgeordneten Pascal Haggenmüller und Meike Günter hatten nach den Tatmustern gefragt. In der Antwort vom 15. Oktober bestätigt das Ministerium entsprechende Fälle mit einzelnen Tätern und Tätergruppen. Erkenntnisse über eine strukturelle Vernetzung der Beteiligten liegen nach Behördenangaben nicht vor.
Die Statistik erfasst Straftaten wegen der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Eine eigene auswertbare Kategorie für Dating-Apps gibt es nicht. Die Gesamtzahl von 200 bezeichnet deshalb ausdrücklich nicht 200 Dating-Fallen.
Auch Gewaltdelikte gestiegen
2023 wurden 116 Fälle registriert, 2024 waren es 135. Für das erste Halbjahr 2026 nennt die Antwort 34 Straftaten, darunter drei Gewaltdelikte. Diese vorläufigen Zahlen liegen auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
Über die Entwicklung berichtet heute auch der SWR. Das Ministerium nennt als mögliche Einflussfaktoren gesellschaftliche Entwicklungen, eine veränderte Sensibilität und das Anzeigeverhalten. Eine einzelne Ursache lässt sich aus den erfassten Fällen nicht ableiten.
Über Angriffe auf queere Sichtbarkeit bei CSD-Veranstaltungen haben wir ebenfalls berichtet. Die nun veröffentlichte Landtagsantwort richtet den Blick zusätzlich auf digitale Kontakte und die Sicherheit bei persönlichen Treffen.