Ein über eine Dating-App vereinbartes Treffen ist für einen jungen Mann in Kamerun mit einem schweren Gewaltverbrechen geendet. Der 23-Jährige wurde vor wenigen Tagen in der Hauptstadt Yaoundé von mehreren Männern angegriffen, mehrfach misshandelt und ausgeraubt. Anschließend ließen ihn die Täter ohne Kleidung und mit schweren Verletzungen zum Sterben zurück. Nur durch die Hilfe von Passanten überlebte der junge schwule Mann.
Das Wichtigste im Überblick
- Gewalttat nach Online-Verabredung: Ein 23-jähriger schwuler Mann wurde in der kamerunischen Hauptstadt Yaoundé bei einem vermeintlichen Dating-Treffen in eine Falle gelockt.
- Die Angreifer schlugen und demütigten den jungen Mann immer wieder, raubten seine Wertsachen und ließen ihn nackt und schwer verletzt zurück.
- Passanten leisten Hilfe: Erst durch das Eingreifen Unbeteiligter konnte das Opfer seine Schwester verständigen und zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden.
- Angst vor der Polizei: Eine Anzeige wurde nicht erstattet, weil die Beteiligten befürchteten, dass der Betroffene wegen seiner Homosexualität selbst strafrechtlich verfolgt werden könnte.
- Homosexualität bleibt strafbar: In Kamerun werden gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen weiterhin kriminalisiert.
Nackt halbtot geschlagen
Über den Vorfall berichtete das Nachrichtenportal 76 Crimes unter Berufung auf einen Freund des Opfers. Aus Sicherheitsgründen wird der Betroffene in dem Bericht ausschließlich unter dem Pseudonym Bryan genannt. Der junge Mann arbeitet als Koch und lebt allein. Über eine Online-Datingplattform hatte er Kontakt zu einem anderen Mann aufgenommen und ein persönliches Treffen vereinbart. Als Bryan am verabredeten Ort erschien, führte ihn seine Bekanntschaft in einen abgelegenen Bereich des Stadtviertels Biteng. Dort warteten bereits vier weitere Männer auf ihn. Nach den Schilderungen beschuldigten die Angreifer den 23-Jährigen, schwul zu sein. Daraufhin schlugen sie immer wieder brutal auf ihn ein, erniedrigten ihn und nahmen ihm seine Wertgegenstände ab. Schließlich zwangen sie Bryan, sich vollständig auszuziehen, und ließen ihn nackt und zum Sterben zurück. Der junge Mann war nach der Attacke schwer verletzt und benötigte dringend medizinische Versorgung.
Passanten retten Opfer
Nach dem Übergriff war Bryan zunächst auf sich allein gestellt. Erst als Passanten zufällig auf ihn aufmerksam wurden, erhielt er die dringend benötigte Hilfe, die ihm nach Einschätzung seiner Freunde das Leben rettete. Anderenfalls wäre der 23-Jährige wahrscheinlich an den Folgen der schweren Verletzungen gestorben. Die Passanten ermöglichten ihm, seine ältere Schwester telefonisch zu verständigen. Anschließend brachten sie den Verletzten in ein Krankenhaus. Seine Schwester schilderte später, wie dramatisch sich die Situation für sie dargestellt hatte. „Als ich seinen Anruf erhielt, war seine Stimme schwach, fast unhörbar. Er verlor gerade das Bewusstsein. Ich fand ihn in einem Zustand vor, den ich niemals vergessen werde. Er hatte sehr viel Blut verloren und war traumatisiert.“ Neben den körperlichen Folgen berichteten Angehörige auch von einer erheblichen anhaltenden psychischen Belastung.
Angst vor Strafverfolgung
Obwohl Bryan Opfer eines schweren Gewaltverbrechens wurde, verzichteten die Beteiligten und der 23-Jährige selbst darauf, die Polizei einzuschalten. Grund dafür ist die Befürchtung, dass die Sicherheitsbehörden nicht in erster Linie gegen die Angreifer ermitteln, sondern den jungen schwulen Mann wegen seiner Homosexualität selbst festnehmen könnten. In Kamerun stehen gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen bis heute weiterhin unter Strafe, es drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren. Für homosexuelle Menschen kann deshalb bereits der Kontakt mit den Strafverfolgungsbehörden mit erheblichen Risiken verbunden sein. Nach aktuellem Stand kommen die Täter damit straffrei davon.
Freunde sind erschüttert
Die Gewalttat löste allerdings im persönlichen Umfeld des 23-Jährigen große Bestürzung aus. Ein enger schwuler Freund erklärte: „Bryan ist ein zurückhaltender Mensch. Er tut niemandem etwas zuleide. Was ihm passiert ist, zeigt, dass wir niemals sicher sind. Wir leben in ständiger Angst.“ Auch in Bryans Nachbarschaft sorgte der Vorfall für Entsetzen. Ein Nachbar erklärte: „Er ist ein fleißiger junger Mann, der immer lächelt. Ihn in diesem Zustand zu sehen, ist für uns alle ein Schock. Es zeigt, dass Hass weiterhin Leben zerstört.“ Menschenrechtsaktivisten kritisieren seit Langem, dass Opfer homophober Gewalt keinen ausreichenden Zugang zu polizeilichem Schutz erhalten. Zugleich besteht die Gefahr, dass Angreifer nicht zur Verantwortung gezogen werden.