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Täglicher Hass gegen TV-Autor Queer as Folk-Macher Davies warnt vor LGBTIQ+Feindlichkeit

Von ms - 26.10.2026 - 14:30 Uhr
Täglicher Hass gegen TV-Autor
Foto: IMAGO / Avalon.red
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Der britische Drehbuchautor und Fernsehproduzent Russell T Davies (63) wird nach eigenen Angaben täglich im Internet angefeindet, weil er sich öffentlich für die Rechte von LGBTIQ+-Menschen einsetzt, insbesondere von trans* Menschen. Der Schöpfer erfolgreicher Serien wie „Doctor Who“ und „Queer as Folk“ sieht darin ein Zeichen für eine gefährliche gesellschaftliche Entwicklung.

Das Wichtigste im Überblick

  • Tägliche Hasskommentare: Der britische Drehbuchautor Russell T Davies berichtet, wegen seiner Unterstützung für LGBTIQ+ im Internet regelmäßig als „Groomer“ und „Pädophiler“ beschimpft zu werden.
  • Warnung vor zunehmender Gewalt: Der 63-Jährige befürchtet, dass sich homophobe, frauenfeindliche und antisemitische Anfeindungen zunehmend aus dem Internet in den Alltag verlagern.
  • Neue Serie über gesellschaftliche Konflikte: In seiner Miniserie „TipToe“ beschäftigte sich Davies zuletzt mit einem Nachbarschaftsstreit zwischen Menschen mit gegensätzlichen politischen Überzeugungen.
  • Bereits 2025 warnte der Autor vor einer wachsenden Bewegung und erklärte, der Kampf sei noch nicht vorbei. 
  • Davies hat in diesem Jahr vor allem Schlagzeilen mit seiner Beziehung zu dem 27-jährigen australischen Model Oliver Cole gemacht.  

Hass ergreift reale Welt

Online-Trolle bezeichneten ihn regelmäßig als „Groomer“ und „Pädophilen“, berichtete Davies. Die Anfeindungen stünden auch im Zusammenhang mit seiner letzten Miniserie „TipToe“, die sich mit politischen Gegensätzen und gesellschaftlichen Vorurteilen beschäftigt. Inzwischen beschäftigten sich Mitarbeiter seines Managements „jeden Tag“ damit, die gegen ihn gerichteten Hasskommentare zu beobachten. Davies befürchtet, dass die zunehmende Radikalisierung im Internet längst nicht mehr auf digitale Plattformen beschränkt bleibt. „Ich glaube, dass die zunehmende Macht der Stimmen im Internet, dieser Stimmen voller Wut, die immer homophober, frauenfeindlicher und antisemitischer werden und jedes andere nur denkbare Problem verkörpern, dazu führt, dass dieser Hass aus der Onlinewelt in die reale Welt übergreift“, sagte er. Die Entwicklung sei aus seiner Sicht eine reale Bedrohung für Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität angefeindet werden. „Ich glaube wirklich, dass es da draußen Gefahren gibt“, erklärte Davies.

Seine aktuelle Miniserie „TipToe“ greift diese Sorgen auf. Im Mittelpunkt steht ein Konflikt zwischen Nachbarn, die auf entgegengesetzten Seiten einer politischen Auseinandersetzung stehen. „Genau darum geht es in ‚TipToe‘: dass sämtliche Vorurteile und gesellschaftlichen Probleme plötzlich vor deiner eigenen Haustür stehen.“ Davies versteht die Produktion als Auseinandersetzung mit tatsächlichen gesellschaftlichen Entwicklungen, zu denen er öffentlich Stellung beziehen möchte. Der Autor betonte zugleich, dass er selbst vergleichsweise gut vor Anfeindungen geschützt sei. Als erfolgreicher Fernsehproduzent verfüge er über finanzielle Sicherheit und ein unterstützendes Umfeld.

Sorge um junge Menschen 

Für junge queere Menschen, die unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen leben, könne die Situation jedoch erheblich bedrohlicher sein. „Ich bin sehr sicher, ich bin wohlhabend, werde gut bezahlt, bin ein weißer Mann und habe Menschen um mich herum, die mich unterstützen“, sagte Davies. „Aber mir wird schlecht, wenn ich daran denke, wie es wohl für einen jungen trans* Menschen ist, der in einer Wohnung lebt, in einer Bar arbeitet und keinen Cent übrig hat.“ Besonders bedrücke ihn, dass diese Ängste keineswegs nur theoretischer Natur seien. „Wenn man dann Angst hat, ist das erschreckend. Und Menschen haben mir das gesagt. Trans* Menschen haben mir das persönlich ins Gesicht gesagt.“ Die Debatte über trans* Rechte wird seit Jahren zunehmend kontrovers geführt. Sie ist von scharfen politischen Auseinandersetzungen geprägt, die teilweise auch in Gewalt gegen Menschen unterschiedlicher Positionen münden.

„Der Kampf ist nicht vorbei“

Davies hatte sich schon im vergangenen Jahr besorgt über die gesellschaftliche Entwicklung und zunehmende Anfeindungen gegenüber homosexuellen und queeren Menschen geäußert. Damals warnte er insbesondere vor der Verbreitung von Falschinformationen über HIV und Aids. „Es kommen große Gefahren auf uns zu. Jetzt erleben wir die Leugnung von HIV, die zu einer wachsenden Kraft wird … die an manchen Orten fast schon zur bestimmenden Politik geworden ist“, erklärte der Drehbuchautor. Für Davies zeigt diese Entwicklung, dass bereits errungene Fortschritte im Kampf gegen Diskriminierung und Desinformation keineswegs selbstverständlich seien. „Ich bin absolut sicher, dass der Kampf noch nicht vorbei ist, und manchmal fürchte ich, dass der Kampf gerade erst wieder beginnen wird.“ Seine aktuellen Aussagen über den zunehmenden Hass im Internet knüpfen an diese frühere Warnung an.

Neue Liebe mit Altersunterschied

Neben seinen gesellschaftspolitischen Äußerungen sorgte Davies in diesem Jahr vor allem auch mit seinem Privatleben für Schlagzeilen. Der 63-Jährige ist mit dem 27-jährigen australischen Model und Kellner Oliver Cole zusammen. Die beiden Männer trennen 36 Lebensjahre. Für Davies ist es die erste öffentlich bekannt gewordene neue Beziehung nach dem Tod seines langjährigen Partners und Ehemanns Andrew Smith, der 2018 an einem Hirntumor starb. Zuletzt erzählte der Drehbuchautor, dass er nach diesem Verlust eigentlich nicht mehr damit gerechnet hatte, sich erneut zu verlieben. „Ich dachte wirklich: Ich bin jetzt 63, wer sucht denn noch nach so etwas? Und ich bin nicht besonders gesellig. Ich gehe eigentlich nicht aus. Ich gehe nicht auf Partys. Ich war also wirklich überhaupt nicht auf der Suche.“

Kennengelernt haben sich Davies und Cole über Instagram. Der Australier hatte einen Beitrag des Drehbuchautors kommentiert. Als Davies anschließend dessen Profil aufrief, wurde er neugierig. Er habe Cole daraufhin eine unverbindliche Nachricht geschickt. Daraus entwickelte sich ein regelmäßiger Austausch. Drei Monate lang schrieben sich die beiden Männer Nachrichten, bevor Cole ein persönliches Treffen vorschlug. Bei ihrem ersten gemeinsamen Abendessen in London habe Davies zunächst nicht einmal angenommen, dass es sich um eine romantische Verabredung handelte. Während des Essens küsste Cole ihn jedoch überraschend. „Und ich dachte nur: ‚Was zum Teufel?‘“, erinnerte sich Davies. Aus dem Treffen entwickelte sich schließlich eine Beziehung. „Und jetzt sind wir hier. Ist das nicht verrückt? Ich war überhaupt nicht auf der Suche danach.“ Der große Altersunterschied zwischen den beiden Männern löste öffentliche Diskussionen aus. Davies reagierte darauf mit Humor. „Er ist viel jünger, er ist 27, was lächerlich ist, ich weiß. Er ist wunderbar, und er hat meinem Leben einen ganz neuen Schwung gegeben. Er ist einfach wunderschön.“

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