Nach 53 Jahren ist Schluss: Andrew Boff verlässt die britischen Konservativen. Der offen schwule Vorsitzende der London Assembly, des Parlaments von Groß-London, will den geplanten Bruch seiner Partei mit der Europäischen Menschenrechtskonvention nicht mittragen. Über seinen Austritt berichtet der Local Democracy Reporting Service in der Barnet Post.
Das Wichtigste im Überblick
- Boff verlässt die Tories nach mehr als fünf Jahrzehnten.
- Auslöser ist der Streit über den europäischen Menschenrechtsschutz.
- In der London Assembly bleibt er als Unabhängiger.
Prinzipien vor Parteibuch
Boff wollte erneut für die Tory-Nominierung zur Londoner Bürgermeisterwahl antreten. Der Kurs von Parteichefin Kemi Badenoch verlangt von Kandidatinnen und Kandidaten jedoch Unterstützung für einen Austritt aus der Menschenrechtskonvention. Boff hält daran fest, dass seine konservativen Grundsätze mit diesem Schutz zusammengehören. Für den Verbleib in einer Partei wolle er sie nicht aufgeben, erklärte er.
Der Austritt kostet die Konservativen ein Mandat in ihrer Fraktion, nicht Boff seinen Sitz. Die Londoner Tory-Chefin Susan Hall würdigte seine Arbeit, bekräftigte aber den Austrittskurs. Die Rücktrittsforderung ihrer Stellvertreterin Emma Best war laut dem Bericht nicht die offizielle Position der Fraktion.
Schon lange ein unbequemer Kopf
Bereits 2024 kritisierte Boff im Interview mit dem Evening Standard den Umgang führender Konservativer mit LGBTIQ+-Menschen. Damals betonte er auch die Bedeutung der Menschenrechtskonvention für Schwulenrechte.
Die London Assembly führt Boff inzwischen als Unabhängigen. Dem Parlament gehört er seit 2008 an. Zuvor leitete er von 1990 bis 1992 den Bezirksrat von Hillingdon. Neben dem Vorsitz arbeitet er in mehreren Ausschüssen, darunter für Wohnen und Gesundheit.
Badenochs konfrontativer Kurs in LGBTIQ+-Fragen hatte bereits zuvor für Streit gesorgt. Boff hatte sich schon vor dem jetzigen Austritt öffentlich gegen Angriffe auf queere Menschen gestellt.