Für David Vulin endet ein monatelanges Warten: Der schwule Vater aus West Hollywood wird nach seiner handgreiflichen Auseinandersetzung mit dem rechten Streamer Ryley Niemi nicht angeklagt. Vulin habe die Bedingungen einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft erfüllt, teilte sein Anwalt R. J. Dreiling mit. Der Lokalsender ABC7 berichtet ebenfalls über die Entscheidung.
Das Wichtigste im Überblick
- David Vulin wird nach dem Schlag gegen den Streamer Ryley Niemi nicht strafrechtlich angeklagt.
- Vorausgegangen ist eine sogenannte Pre-Filing-Diversion, eine Vereinbarung vor einer möglichen Anklage.
- Niemi hatte Vulin, dessen Mann und ihren kleinen Sohn im April in West Hollywood angesprochen.
- Das Paar will sich nun gegen die Ausbeutung solcher Konfrontationen als Internetunterhaltung einsetzen.
Ein Familienausflug eskalierte
Die Begegnung im April begann nach Darstellung der Familie unter falschen Voraussetzungen. Niemi gab sich als Interviewer für CNN aus und sprach Vulin und dessen Mann Anthony an, die mit ihrem Sohn Ante unterwegs waren. Dann stellte er Fragen über ihre Elternschaft und brachte Homosexualität mit Kindesmissbrauch in Verbindung.
Das später verbreitete Video zeigt, wie die Männer versuchen, die Unterhaltung zu beenden. Nach einem Schnitt ist zu sehen, wie David Vulin den Streamer schlägt. Die Aufnahme verbreitete sich weit über Kalifornien hinaus. Vulin wurde wegen des Verdachts auf Körperverletzung und Sachbeschädigung festgenommen.
Vereinbarung mit der Justiz erfüllt
Nun hat Vulin nach Angaben seines Anwalts die Bedingungen des Verfahrens erfüllt, das eine Anklage vermeiden sollte. Welche Auflagen ihm konkret gemacht wurden, geht aus den vorliegenden Berichten nicht hervor. Die Entscheidung ist damit kein Freispruch nach einem Prozess: Eine strafrechtliche Anklage wird gar nicht erst erhoben.
Niemi zeigt sich mit dem Ausgang unzufrieden. Er behauptet, durch den Schlag eine Gehirnerschütterung erlitten zu haben, und erwägt laut Medienberichten zivilrechtliche Schritte. Ob er eine entsprechende Klage einreichen wird, ist offen.
Wut über das Geschäft mit dem Hass
Die Vulins sind erleichtert. Zugleich kritisieren sie, dass der Mann, der die Begegnung provoziert, gefilmt und vermarktet habe, bislang keine Konsequenzen tragen müsse. Anthony arbeite mit Abgeordneten an einer Initiative, die sogenannte Rage-Bait-Produzenten für verursachte Schäden zur Verantwortung ziehen soll. Für die Rechtskosten der Familie kamen über eine Spendenaktion mehr als 200.000 US-Dollar zusammen.
Der Fall zeigt, wie schnell der Alltag einer Regenbogenfamilie zur öffentlichen Angriffsfläche werden kann. Wie Eltern und Kinder hierzulande Unterstützung und Austausch suchen, war zuletzt auch Thema der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim. Einen Einblick in ihren Alltag gibt außerdem die ZDF-Reportage über queere Familien.