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Angriff auf queeres Zentrum Einrichtung beklagt gezielte Einschüchterung

Von ms - 23.10.2026 - 08:30 Uhr
Angriff auf queeres Zentrum
Foto: Regenbogenkombinat Cottbus
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Wiederholte Beschädigungen an einem queeren Begegnungszentrum sorgen in Cottbus für Besorgnis. Unbekannte haben am Kulturzentrum „Bunte Welt“ vier Regenbogenbanner zerstört. Mitarbeiter entdeckten die Sachbeschädigung am Donnerstag, wie das Regenbogenkombinat Cottbus mitteilte. Die Initiative hat ihren Sitz in dem Gebäude an der Thierbacher Straße.

Das Wichtigste im Überblick

  • Erneute Sachbeschädigung: Am Kulturzentrum „Bunte Welt“ in Cottbus wurden vier Regenbogenbanner zerstört. Die Schäden wurden gestern entdeckt.
  • Wiederholte Vorfälle: Bereits Mitte September hatten Unbekannte Hakenkreuze und einen Hass-Schriftzug am Gebäude hinterlassen. Auch im März gab es Beschädigungen.
  • Verdacht auf Einschüchterung: Das Regenbogenkombinat sieht in den Angriffen den Versuch, queere Menschen zu verunsichern und aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen.
  • Polizei eingeschaltet: Die Verantwortlichen haben erneut Anzeige erstattet und angekündigt, die zerstörten Banner auszutauschen.
  • Forderungen an die Politik: Geschäftsführer Christian Müller verlangt mehr Schutz für Minderheiten und zusätzliche Investitionen in Prävention, Bildung und Demokratieförderung.

Verunsicherung schüren

Für die Verantwortlichen handelt es sich nicht um einen Einzelfall. Innerhalb weniger Wochen wurde das Zentrum erneut zum Ziel von Vandalismus, auch im letzten Jahr kam es immer wieder zu Angriffen. Geschäftsführer Christian Müller geht davon aus, dass hinter den Beschädigungen eine bewusste Einschüchterung queerer Menschen steht. „Der letzte Vorfall ist kaum sechs Wochen her. Wer Regenbogenbanner zerstört, setzt damit ein Zeichen. Es wird der Versuch unternommen, Verunsicherung bei queeren Menschen auszulösen. Queeres Leben soll damit verdrängt werden“, sagte Müller. Die Initiative will sich von den wiederholten Angriffen nicht davon abhalten lassen, ihre Arbeit fortzusetzen und im öffentlichen Raum sichtbar zu bleiben. „Wir werden nicht müde, diese Taten bei der Polizei anzuzeigen und öffentlich zu machen. Die Banner werden umgehend ausgetauscht.“

Hakenkreuze und Hassbotschaften 

Bereits Mitte September war das Kulturzentrum mit verfassungsfeindlichen Symbolen und einer gegen die Einrichtung gerichteten Botschaft beschmiert worden. Damals entdeckten die Verantwortlichen an der Eingangstreppe zwei Hakenkreuze, die Unbekannte auf Regenbogenbanner aufgebracht hatten. An der Gebäudefassade stand außerdem der Schriftzug „Wir hassen euch“. Auch dieser Vorfall war nicht der erste Angriff auf die Einrichtung. Schon im März 2026 waren Regenbogenbanner am Zentrum beschmiert und teilweise heruntergerissen worden.

Die neuerliche Zerstörung von vier Bannern setzt damit eine Reihe von Sachbeschädigungen fort, die sich gegen das Gebäude und seine sichtbaren Zeichen für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt richten. Nach Einschätzung der Betreiber zeigen die wiederholten Vorfälle, dass die Einrichtung zunehmend mit Anfeindungen konfrontiert ist. Besonders die Regenbogensymbole, die für Vielfalt und die Rechte queerer Menschen stehen, wurden mehrfach beschädigt.

Brand vor dem Gebäude 

Neben den Beschädigungen und Schmierereien hatte bereits im vergangenen Jahr ein Feuer an dem Kulturzentrum Ermittlungen ausgelöst. Damals hatten Unbekannte eine Papiertonne an der rückseitigen Fassade des Gebäudes in Brand gesetzt. Der Vorfall ereignete sich im zeitlichen Umfeld des bevorstehenden Christopher Street Day (CSD) in Cottbus. Die Verantwortlichen des Regenbogenkombinats vermuteten seinerzeit einen möglichen Zusammenhang mit der geplanten Veranstaltung.

Auch die Polizei ging der Frage nach, ob das Feuer politisch motiviert gewesen sein könnte. Da weder Brandstiftung noch ein entsprechender Hintergrund ausgeschlossen werden konnten, wurde der polizeiliche Staatsschutz in die Ermittlungen einbezogen. Ob die damalige Tat tatsächlich mit dem Christopher Street Day in Verbindung stand, blieb nach bisher offenbar offen. Die Ereignisse des vergangenen Jahres sowie die wiederholten Sachbeschädigungen 2026 haben die Sorge der Initiative vor weiteren Angriffen verstärkt.

Sichtbarer Ort für Vielfalt

Das Regenbogenkombinat Cottbus versteht sich als Anlaufstelle für queere Menschen und als Einrichtung, die gesellschaftliche Offenheit und gegenseitigen Respekt fördern möchte. Mit seiner Arbeit will der Verein nach eigener Darstellung Begegnungsmöglichkeiten schaffen, unterschiedliche Lebensentwürfe sichtbar machen und ein friedliches Zusammenleben unterstützen. Das Kulturzentrum „Bunte Welt“ spielt dabei eine zentrale Rolle. Es bietet Raum für Austausch und Begegnungen und steht zugleich öffentlich für die Werte, die die Initiative vertritt. Die wiederholten Angriffe auf Regenbogenbanner treffen deshalb aus Sicht der Verantwortlichen nicht nur die äußere Gestaltung des Gebäudes. Sie richten sich nach ihrer Einschätzung auch gegen das gesellschaftliche Anliegen des Zentrums. Mit dem angekündigten Austausch der beschädigten Banner will das Regenbogenkombinat deutlich machen, dass es seine Präsenz trotz der Anfeindungen aufrechterhalten wird.

Stärkerer Schutz für Minderheiten

Angesichts der erneuten Sachbeschädigungen richtet Geschäftsführer Müller deutliche Forderungen an die politischen Verantwortlichen. Er betrachtet die Angriffe auf das Kulturzentrum als Teil einer Entwicklung, die nach seiner Einschätzung nicht allein queere Menschen betrifft. Auch andere gesellschaftliche Minderheiten seien zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. Deshalb reichten aus seiner Sicht die strafrechtliche Verfolgung einzelner Vorfälle und der Ersatz beschädigter Gegenstände nicht aus. Vielmehr seien langfristige politische Maßnahmen notwendig, um demokratische Werte und ein respektvolles Zusammenleben zu stärken „Die Angriffe auf die queere Community und auf andere Minderheiten nehmen zu. Es braucht wirksame Maßnahmen zum Erhalt und zum Schutz der Demokratie. Bund, Land und Kommunen in Brandenburg fordern wir auf: Schützt die Vielfalt, investiert in die Prävention und Bildung. Fördert den demokratischen Zusammenhalt. Der aktuelle Sparkurs geht in die völlig falsche Richtung.“ 

Mit dieser Forderung wendet sich Müller ausdrücklich an Bund, Land und Kommunen. Er verlangt, dass der Schutz gesellschaftlicher Vielfalt stärker berücksichtigt und die finanzielle Unterstützung entsprechender Projekte ausgebaut wird. Besonders kritisch bewertet er Einsparungen in Bereichen, die nach Auffassung der Initiative zur Prävention von Diskriminierung und zur Stärkung des demokratischen Miteinanders beitragen. Das Regenbogenkombinat kündigte an, auch künftig konsequent auf Angriffe gegen die Einrichtung zu reagieren. Dazu gehöre, Sachbeschädigungen bei der Polizei anzuzeigen und die Vorfälle öffentlich bekannt zu machen. Die Betreiber wollen damit verhindern, dass wiederholte Beschädigungen und Anfeindungen unbeachtet bleiben. Gleichzeitig soll die Sichtbarkeit queeren Lebens in Cottbus erhalten werden. 

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