Rechtsextreme Gruppierungen setzen in Deutschland zunehmend auf Kampfsport und körperliches Training, um neue Mitglieder zu gewinnen und ihre Gewaltfähigkeit auszubauen. Besonders junge Männer stehen dabei im Mittelpunkt der Rekrutierung. Nach Erkenntnissen der Bundesregierung hat die Zahl entsprechender Netzwerke deutlich zugenommen. Zugleich warnen Fachstellen vor einer wachsenden Radikalisierung, bei der auch die Ablehnung und Anfeindung von LGBTIQ+-Menschen eine wichtige Rolle spielt.
Das Wichtigste im Überblick
- Mehr rechtsextreme Netzwerke: Der Bundesregierung sind inzwischen rund 20 regionale sogenannte Active Clubs bekannt. Im Juni 2024 waren es noch etwa zwölf.
- Zunehmende Professionalisierung: Nach Erkenntnissen des Bundesinnenministeriums verbessern Mitglieder der rechtsextremen Gruppen gezielt ihre Fähigkeiten im Umgang mit Gewalt.
- Rekrutierung junger Männer: Die ursprünglich aus den USA stammenden Active Clubs nutzen Fitness- und Kampfsportangebote, um insbesondere junge Männer für rechtsextreme Ideologien zu gewinnen.
- Fachstellen warnen davor, dass rechtsextreme Akteure zunehmend Hass gegen LGBTIQ+-Menschen verbreiten und Veranstaltungen wie Christopher Street Days ins Visier nehmen.
Zunahme von Kampfgruppen
Der Bundesregierung sind derzeit rund 20 regionale sogenannte Active Clubs bekannt. Im Juni 2024 waren es noch etwa ein Dutzend. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, aus der das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichten. Besonders im laufenden Jahr 2026 sei ein deutlicher Anstieg der Zahl solcher Gruppierungen festzustellen. Die Entwicklung betrifft nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden jedoch nicht nur die Verbreitung der Netzwerke. Auch die körperliche Ausbildung ihrer Mitglieder gewinnt offenbar an Bedeutung.
In der Antwort des Bundesinnenministeriums ist von einer Professionalisierung der Gewaltkompetenz innerhalb der rechtsextremen Kampfsportstrukturen die Rede. Damit verbunden ist die Sorge, dass Mitglieder gezielt Fähigkeiten erwerben, die bei gewaltsamen Auseinandersetzungen eingesetzt werden könnten. Konkrete direkte Konfrontationen mit politischen Gegnern seien derzeit allerdings nicht feststellbar, heißt es in der Regierungsantwort weiter. Dennoch verdeutlicht die Entwicklung, welche Bedeutung Sport und körperliches Training inzwischen für Teile der rechtsextremen Szene offenbar haben.
Active Clubs aus den USA
Das Konzept der sogenannten Active Clubs entstand in den Vereinigten Staaten. Inzwischen haben sich entsprechende Gruppierungen auch in anderen Ländern etabliert. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame sportliche Aktivitäten, insbesondere Fitness- und Kampfsporttraining. Diese Angebote dienen zugleich dazu, Kontakte innerhalb der rechtsextremen Szene aufzubauen und neue Anhänger zu gewinnen. Angesprochen werden vor allem junge Männer, die über körperliches Training und die Zugehörigkeit zu einer Gruppe an rechtsextreme Strukturen herangeführt werden sollen. Kampfsport ist dabei nicht grundsätzlich mit Extremismus verbunden. Problematisch sind vielmehr die gezielt rechtsextremen Netzwerke, die sportliche Aktivitäten für ihre ideologischen und organisatorischen Ziele nutzen. Neben der körperlichen Ausbildung können solche Gruppen auch die Verbreitung extremistischer Einstellungen begünstigen.
Hass gegen LGBTIQ+-Menschen
Eine besondere Rolle spielt nach Einschätzung von Fachstellen die zunehmende Queerfeindlichkeit in rechtsextremen Milieus. Das Demokratiezentrum Hessen warnte bereits davor, dass extremistische Akteure die Ablehnung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* und queeren Menschen gezielt einsetzen, um Anhänger zu mobilisieren. Dabei werden LGBTIQ+-Menschen und ihre Rechte zum Feindbild erklärt. Rechtsextreme Akteure versuchen nach Einschätzung des Zentrums, mit entsprechenden Angriffen auch demokratische Errungenschaften infrage zu stellen. Der Zusammenhang zwischen rechtsextremen Kampfsportnetzwerken und queerfeindlicher Mobilisierung ist deshalb sicherheitspolitisch relevant. Beide Entwicklungen betreffen die Radikalisierung extremistischer Milieus. Fachstellen beobachten insbesondere, dass sich Feindbilder gegen Minderheiten als Mittel zur Mobilisierung junger Menschen einsetzen lassen. Besonders sichtbar wird die Entwicklung bei Veranstaltungen der queeren Community. Dabei geraten auch Christopher Street Days (CSDs) zunehmend ins Visier rechtsextremer Proteste und Störaktionen.
Junge Menschen im Fokus
Neben der Entwicklung rechtsextremer Kampfsportgruppen bereitet Fachleuten auch die zunehmende Radikalisierung Jugendlicher Sorgen. Eine Analyse des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit den Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und München zeigte im Frühjahr 2026, dass sich insbesondere junge Menschen offenbar immer leichter radikalisieren lassen. Hass gegen LGBTIQ+-Menschen ist dabei vielerorts ein zentraler Bestandteil extremistischer Einstellungen. Gerade die Verbindung aus ideologischen Feindbildern, Gruppenzugehörigkeit und einer zunehmenden Bereitschaft zur Konfrontation stellt die Präventionsarbeit vor Herausforderungen. Während rechtsextreme Active Clubs ihre Mitglieder über gemeinsame sportliche Aktivitäten ansprechen, nutzen andere extremistische Akteure öffentliche Veranstaltungen und digitale Räume zur Verbreitung ihrer Botschaften.