Der australische schwule Basketballprofi Isaac Humphries hat im Alter von 28 Jahren seinen Rücktritt bekannt gegeben. Eine anhaltende degenerative Knieverletzung zwingt den Center der Adelaide 36ers, seine aktive Laufbahn zu beenden. Besonders stolz blickt er jedoch vor allem auf sein öffentliches Coming-out als schwuler Mann im Jahr 2022 zurück.
Das Wichtigste im Überblick
- Karriereende mit 28 Jahren: Der australische Basketballprofi Isaac Humphries muss wegen einer degenerativen Knieverletzung seine aktive Laufbahn beenden.
- Historisches Coming-Out: 2022 bekannte sich Humphries als erster aktiver Spieler der australischen National Basketball League (NBL) öffentlich zu seiner Homosexualität.
- Stolz auf sein Vermächtnis: Rückblickend bezeichnet der Sportler sein Coming-Out als besonders bedeutenden Moment, weil es auch anderen homosexuellen Menschen Mut gemacht habe.
- Lücke im Profibasketball: Mit seinem Rücktritt gibt es weltweit keinen aktiven offen schwulen oder bisexuellen Spieler mehr im professionellen Männerbasketball.
- Sportliche Laufbahn: Humphries absolvierte 173 NBL-Spiele in acht Spielzeiten und stand 2019 bei fünf NBA-Partien auf dem Spielfeld. Neben dem Sport ist er als Sänger und Entertainer aktiv.
Vermächtnis für die Community
Humphries hatte damals als erster aktiver Spieler der australischen National Basketball League (NBL) seine Homosexualität öffentlich gemacht. In den vergangenen vier Jahren war er nach Angaben des Sportportals Outsports weltweit der einzige aktive Spieler im professionellen Männerbasketball auf höchstem Niveau, der offen schwul lebte. In einem Interview mit der NBL erklärte der 28-Jährige, dass sein Coming-Out weit über seine persönliche Geschichte hinaus Bedeutung gehabt habe. „Ich kann meine Karriere auf jeden Fall mit dem Gefühl beenden, hoffentlich ein wirklich gutes Vermächtnis hinterlassen zu haben, an das sich die Menschen erinnern werden“, sagte Humphries.
Sein stolzester Moment
Der Basketballer bezeichnete seine Entscheidung, öffentlich über seine sexuelle Orientierung zu sprechen, als einen entscheidenden Wendepunkt seines Lebens. „Ich denke, durch mein Coming-Out ist das natürlich zu einem wesentlichen Teil meiner Identität geworden. Es gab eine Zeit vor meinem Coming-Out und eine Zeit danach. Ich hatte auch vorher schon eine Identität, aber das war ein großer Moment, nicht nur für mich, sondern auch für viele andere Menschen.“ Dass sein Coming-Out anderen Menschen helfen konnte, sei für ihn besonders wichtig gewesen. „Ich glaube, deshalb bin ich darauf am meisten stolz, weil es in diesem Moment nicht nur um mich ging. Im Sport dreht sich so vieles darum, was man selbst tut und erreicht. Aber bei dieser Sache ging es ganz offensichtlich um so viel mehr.“
Humphries hatte sich im November 2022 öffentlich geoutet. In einem Gastbeitrag für CNN schilderte er damals, wie ihm ein Aufenthalt in Los Angeles den Mut gegeben habe, offen zu seiner Identität zu stehen. „Zum ersten Mal in meinem Leben sah ich, dass Menschen, die auf ihrem Gebiet zur absoluten Spitze gehören, offen und ehrlich zeigen können, wer sie sind. Und damit ging ein tief empfundenes, ansteckendes Glücksgefühl einher“, schrieb er. Am selben Tag wurde ein Video veröffentlicht, in dem er seinen damaligen Mannschaftskameraden von Melbourne United erklärte, dass er schwul sei. Die Aufnahme verbreitete sich weltweit. Von der anschließenden Unterstützung sei er „absolut überwältigt“ gewesen. „Es fühlt sich an, als hätte ich jeden Teil der Welt erreicht“, sagte er später.
Emotionaler Abschied
Seinen Rücktritt gab Humphries auf Instagram unter der Überschrift „Danke, Basketball“ bekannt. „Es macht mich unglaublich traurig, mich auf diese Weise verabschieden zu müssen“, schrieb der Australier. „Manchmal teilt einem das Leben Karten aus, die die eigene Geschichte für einen schreiben. Wegen meiner anhaltenden Knieverletzung habe ich die unglaublich schwierige Entscheidung getroffen, meine Karriere zu beenden.“ Besonders schwer falle ihm der Abschied von seinen Mannschaftskameraden und den Fans. „Ich werde meine Mannschaftskameraden vermissen. Das Lachen. Die gemeinsamen Kämpfe. Ich werde die Fans vermissen, den Lärm und das Gefühl, eine ganze Gemeinschaft hinter sich zu haben.“
Der Sport habe sein Leben grundlegend verändert. „Ich habe diesem Sport so viel von meinem Leben gegeben, und er hat mir im Gegenzug ein Leben geschenkt, das ich mir niemals hätte vorstellen können.“ Humphries bedankte sich bei allen Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet hatten. „Es gibt noch so viel mehr zu sagen, aber fürs Erste einfach nur: Danke.“ Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass seine Wirkung über das Karriereende hinaus bestehen bleibe. „Ich hoffe, dass die Identität, die ich geschaffen habe, in jedem Menschen weiterlebt, der mein Trikot trägt, und an jedem Ort, den ich glücklicherweise mein Zuhause nennen durfte.“ Seinen Abschied formulierte er bewusst nicht als endgültigen Schlussstrich. „Es ist nicht wirklich ein Abschied, sondern vielleicht eher ein ‚Bis bald‘.“ Den Beitrag beendete er mit den Worten: „Also fürs Erste, und von eurer Nummer 8: Danke.“
Erfolgreiche Karriere
Humphries begann seine Basketballlaufbahn bei den Kentucky Wildcats im amerikanischen Collegebasketball. 2019 spielte er kurzzeitig für die Atlanta Hawks und kam in fünf NBA-Partien zum Einsatz. Anschließend wechselte er zu den Orlando Magic, bestritt dort jedoch kein Spiel und verließ den Verein im folgenden Jahr. Danach unterschrieb er einen Zweijahresvertrag bei den Adelaide 36ers in seiner australischen Heimat. In der Saison 2022/23 spielte er für Melbourne United, bevor er nach Adelaide zurückkehrte. Insgesamt absolvierte der Center während acht Spielzeiten 173 Partien in der australischen NBL. Neben seiner sportlichen Karriere machte sich Humphries auch als Sänger und Entertainer einen Namen. Darüber hinaus setzte er sich öffentlich für die psychische Gesundheit ein.
Kein Schwuler im Profibasketball
Mit Humphries' Rücktritt gibt es nach Angaben von Outsports damit derzeit weltweit keinen aktiven Spieler im professionellen Männerbasketball mehr, der öffentlich als schwul oder bisexuell geoutet ist. Humphries gehört zu mindestens sechs Basketballspielern, die sich während ihrer aktiven Laufbahn öffentlich geoutet haben. Zu ihnen zählte der frühere NBA-Profi Jason Collins, der Anfang 2026 verstarb. Weitere Spieler sind Derrick Gordon, der unter anderem in Deutschland und Zypern professionell spielte, Marco Lehmann, Daniel Arcos und Uri Kokia. Der ehemalige NBA-Spieler John Amaechi machte seine Homosexualität 2007 mit seiner Autobiografie „Man in the Middle“ öffentlich. Anfang 2026 sprach außerdem der frühere australische NBL-Spieler AJ Ogilvy erstmals in einem Medieninterview darüber, wie es gewesen war, als schwuler Mann im Profibasketball zu spielen. Ogilvy hatte seine Karriere 2022 beendet.