Direkt zum Inhalt

Alles Gute, Martina! Martina Navratilova wird 70: Mut, Titel und Widerspruch

Von tb - 18.10.2026 - 12:30 Uhr
Martina Navratilova spricht bei der Laureus-Pressekonferenz 2024 in Madrid.
Foto: Barcex / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Ausschnitt)
ANZEIGE
Loading audio player...

Ans Netz gehen, den Punkt suchen, sich nicht wegducken: Martina Navratilova hat Tennis mit einer Entschlossenheit gespielt, die weit über den Platz hinaus ausstrahlte. Am heutigen 18. Oktober wird sie 70 Jahre alt. Ihre neun Wimbledon-Siege im Einzel sind bis heute unerreicht. Für viele lesbische Frauen wurde sie zugleich zu einem Gesicht der Sichtbarkeit – lange bevor ein Coming-Out im Spitzensport als Karrieregeschichte mit glücklichem Ende erzählt werden konnte.

Das Wichtigste im Überblick

  • Martina Navratilova wurde am 18. Oktober 1956 geboren und feiert heute ihren 70. Geburtstag.
  • Sie gewann 18 Grand-Slam-Titel im Einzel, 31 im Doppel und zehn im Mixed.
  • Seit 1981 lebt sie öffentlich als Frau, die Frauen liebt; 2014 heiratete sie Julia Lemigova.
  • Ihre Forderung, trans* Frauen aus dem Frauensport auszuschließen, sorgt seit Jahren für scharfe Kritik.

Mit 18 in ein neues Leben

1975 bat Navratilova während der US Open um politisches Asyl in den USA. Sie war 18 und ließ die kommunistische Tschechoslowakei hinter sich. Die Entscheidung bedeutete Freiheit für ihre Karriere, aber auch eine Trennung von ihrer Familie und ihrem bisherigen Leben. 1981 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Im selben Jahr wurde ihre Liebe zu Frauen öffentlich. Zunächst bezeichnete sie sich als bisexuell, später als lesbisch. Das war im damaligen Profisport ein enormes Risiko. Die Angst vor abspringenden Sponsoren und einer beschädigten Karriere stand im Raum. Navratilova blieb trotzdem sichtbar. Sie gewann nicht nur Turniere, sondern widersprach auch der Erwartung, ihre Beziehungen besser zu verschweigen.

Die Frau, die Wimbledon prägte

Auf dem Rasen wurde die Linkshänderin mit ihrem Angriffsspiel zur Ausnahmeerscheinung. Sie servierte, rückte vor und setzte ihre Gegnerinnen am Netz unter Druck. Athletik und Fitness waren zentrale Bestandteile ihres Erfolgs. Die Rivalität mit Chris Evert prägte eine ganze Tennisära: 80-mal standen die beiden einander gegenüber, 43-mal gewann Navratilova.

Ihre Bilanz auf der Tour umfasst 167 Einzeltitel und 177 Doppeltitel. Auch nach dem Ende ihrer großen Einzelkarriere blieb sie gefährlich. 2006 holte sie mit Bob Bryan den Mixed-Titel bei den US Open – wenige Wochen vor ihrem 50. Geburtstag. Ein Abschied, der zu einer Spielerin passte, die Grenzen gern selbst verschob.

Liebe vor laufenden Kameras

Auch privat blieb Navratilova öffentlich. Bei den US Open 2014 machte sie ihrer Partnerin Julia Lemigova einen Heiratsantrag. Noch im selben Jahr heirateten die beiden in New York. 2024 wurden sie durch die Adoption zweier Jungen erneut Eltern; Lemigova brachte bereits zwei Töchter mit in die Familie.

Ihre Ehe steht für einen gesellschaftlichen Wandel, den Navratilova selbst mit erkämpft hat: Aus dem vermeintlichen Karriererisiko einer offen lesbischen Sportlerin wurde die Selbstverständlichkeit, von der eigenen Frau und Familie zu sprechen.

Eine Ikone mit Widerspruch

Zur Geschichte der Jubilarin gehört allerdings auch ein Konflikt, der ihren Ruf innerhalb der LGBTIQ+-Community verändert hat. Navratilova lehnt die Teilnahme von trans* Frauen am Frauensport ab und begründet das mit Fairness und körperlichen Vorteilen. Kritikerinnen und Kritiker werfen ihr vor, trans* Athletinnen auszugrenzen. Auch mit Billie Jean King geriet sie darüber öffentlich aneinander; King setzt sich für deren Teilhabe ein. Mehr dazu in der Debatte zwischen den beiden Tennislegenden.

Der Streit reicht inzwischen bis zu den umstrittenen Geschlechtstests im Tennis. Er zeigt, wie weit die Vorstellungen von Gleichberechtigung auch unter früheren Weggefährtinnen auseinanderliegen können.

Mit 70 ist Martina Navratilova deshalb eine herausragende Sportlerin, eine Wegbereiterin lesbischer Sichtbarkeit und eine streitbare öffentliche Figur. Ihre Siege bleiben Teil der Tennisgeschichte. Ihr Mut von damals bleibt bedeutsam. Und ihre heutigen Positionen bleiben Gegenstand des Widerspruchs.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungCSD in Fürstenfeldbruck: Die Regenbogenfarben erreichen mehr und mehr das Münchner UmlandtazQueerfeindlichkeit unter Jugendlichen: An der ToleranzgrenzeGALAProtest für Transgender-Rechte: Rowling-Agent übt KritikBerliner MorgenpostHomophober Angriff in Berliner U-Bahnhof: Polizei sucht diese MännerAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Grusel mit Glamour

Zwei Konzerte voller Gänsehaut

Conchita Wurst feiert Halloween mit „Haunted Harmonies“ in Wien und Graz. Geplant sind Musical-Covers, große Gefühle und Preise für Kostüme.
Country-Star im Actionkino

Ein Kindheitstraum wird wahr

Orville Peck zeigt in „Street Fighter“ Krallen und Muskeln. Als Vega erfüllt sich der schwule Country-Star einen Kindheitstraum.
Alles Gute, Mark Gatiss!

Ein Meister der dunklen Fantasie

„Sherlock“, schwarzer Humor und schwule Geschichten: Mark Gatiss wird 60. Warum der britische Serienmacher weit mehr ist als Mycroft Holmes.
Liebes-Aus hinter der Kamera

Los Javis erklären ihre Trennung

13 Jahre waren sie ein Paar. Nun erklären Javier Calvo und Javier Ambrossi, wie die Arbeit an „La Bola Negra“ ihre Beziehung veränderte.
Ellen denkt wieder ans TV

Neue Pläne nach dem Abschied?

Ellen DeGeneres vermisst das Fernsehen und denkt über Projekte in Großbritannien nach. Bei Graham Norton spricht sie auch über ihr Coming-Out.
Gefühle für Connor Storrie?

Hudson Williams im intimen Verhör

Sex, Einsamkeit und Gefühle für Connor Storrie: Im Trailer zu „The Assembly“ stellt sich Hudson Williams sehr persönlichen Fragen.
Braden Sherota will mehr

OnlyFans-Star macht jetzt Rap

Erotikvideos, Podcasts und Rap: Braden Sherota baut unter dem Namen flowasthetao eine neue Karriere auf. Doch sein Erfolg hat auch Schattenseiten.
Troye Sivan küsst Schweizer

Heiße Liebe auf Fire Island

Leidenschaftliche Küsse, große Sehnsucht: In seinem neuen Musikvideo „FF“ zeigt sich Troye Sivan verliebt in den Zürcher Schauspieler Felix Mayr.
War Cary Grant schwul?

Ex-Frau spricht über Gerüchte

Cary Grants Ex-Frau Dyan Cannon sprach jetzt über Gerüchte um seine Sexualität und die angebliche Liebesbeziehung zu Schauspieler Randolph Scott.