Eine schwule Liebesgeschichte vor historischem Hintergrund, zwei Männer auf der Flucht und eine voraussichtlich strenge Altersfreigabe: US-Regisseur Todd Haynes (65) hat neue Einzelheiten zu seinem Film „De Noche“ bekannt gegeben. Bei der Eröffnung des Lumière-Festivals im französischen Lyon sprach der Filmemacher über die Beziehung der Hauptfiguren, die von Pedro Pascal (51) und Danny Ramirez (34) verkörpert werden.
Das Wichtigste im Überblick
- Regisseur Todd Haynes hat beim Lumière-Festival in Lyon über seinen schwulen Liebesfilm „De Noche“ mit Pedro Pascal und Danny Ramirez gesprochen.
- Altersfreigabe erwartet: Haynes rechnet mit einer US-Freigabe der Kategorie R. Jugendliche unter 17 Jahren dürften den Film dann nur in Begleitung eines Erwachsenen sehen. In Deutschland könnte der Film deswegen eine „Ab 18“-Freigabe erhalten.
- Historische Handlung: Der Kriminalthriller spielt 1938 und erzählt von zwei verliebten Männern, die von Los Angeles nach Mexiko fliehen.
- Neustart nach Krise: Joaquin Phoenix hatte das Projekt 2024 wenige Tage vor Drehbeginn überraschend verlassen. Pedro Pascal übernahm später seine Rolle.
- Die Dreharbeiten sind abgeschlossen. Spekuliert wird über eine Premiere in Cannes 2027 und einen Kinostart im Herbst oder Winter desselben Jahres.
„Letztlich eine Liebesgeschichte“
Die Dreharbeiten zu dem Kriminalthriller sind inzwischen abgeschlossen. Wann der Film in die Kinos kommt, steht allerdings noch nicht fest. Wie das Branchenmagazin Variety berichtet, äußerte sich Haynes jetzt auf dem roten Teppich vor der Eröffnungszeremonie. Der schwule Regisseur war für eine Masterclass und eine Retrospektive seiner Filme nach Lyon gereist. Auf dem Programm standen unter anderem „Poison“, „Safe“, „Dem Himmel so fern“ und „I'm Not There“. Besonderes Interesse galt seinem neuen Projekt, das nach dem überraschenden Ausstieg von Joaquin Phoenix im Jahr 2024 zeitweise vor dem Aus gestanden hatte.
Nach Angaben von Haynes dürfte „De Noche“ in den Vereinigten Staaten eine Altersfreigabe der Kategorie R erhalten. Damit wäre der Kinobesuch für Jugendliche unter 17 Jahren nur in Begleitung eines Erwachsenen erlaubt, in Deutschland könnte der Film damit gesichert eine „Ab 16“ oder vielleicht sogar eine „Ab 18“-Freigabe erhalten. Die erwartete Einstufung hängt mit der sexuellen Dimension der Geschichte zusammen. Haynes betonte allerdings, dass er eine bewusst aufreizende Bildsprache nicht für notwendig halte. Im Mittelpunkt stehe vielmehr die emotionale Beziehung zwischen den beiden Männern. „Was zwischen den beiden Männern geschieht, ist so komplex und berührend, aber letztlich ist es eine Liebesgeschichte“, erklärte Haynes. „Sie legen sich voreinander offen und erkunden Aspekte ihrer eigenen Männlichkeit und Verletzlichkeit.“
Verliebte Männer auf der Flucht
Bereits früher hatte der Regisseur den Film als eine „Liebesgeschichte mit einer starken sexuellen Komponente“ beschrieben und von „expliziten sexuellen Inhalten“ gesprochen. Die endgültige Altersfreigabe ist bislang nicht bekannt. Haynes äußerte lediglich seine Erwartung hinsichtlich der späteren Einstufung. „De Noche“ spielt im Jahr 1938. Die Handlung folgt zwei Männern, die eine Liebesbeziehung führen und Los Angeles verlassen, um nach Mexiko zu fliehen. Der Film verbindet damit Elemente eines Kriminalthrillers mit einer schwulen Liebesgeschichte. Zugleich spielt die gesellschaftliche Situation homosexueller Männer in den 1930er-Jahren eine wichtige Rolle.
Haynes verwies in Lyon auf die kulturellen Barrieren, die das Leben der Figuren in dieser Epoche prägen. Insbesondere die damaligen Vorstellungen von Männlichkeit und die damit verbundenen Erwartungen seien für die Geschichte entscheidend. „Jeder kann sich in das hineinversetzen, was geschieht“, sagte der Regisseur. „Diese Art von Panzer der Männlichkeit ist etwas, das speziell Männer betrifft.“+ Nach Haynes' Darstellung beschäftigt sich der Film damit, wie die beiden Protagonisten ihre Gefühle und Verletzlichkeit innerhalb gesellschaftlicher Grenzen zum Ausdruck bringen können.
Parallelen zu Filmklassiker
Die historische Einordnung von „De Noche“ erhielt beim Lumière-Festival eine zusätzliche Bedeutung. Zur Eröffnung wurde der italienische Film „Ein besonderer Tag“ aus dem Jahr 1977 gezeigt. Haynes stellte das Werk von Regisseur Ettore Scola persönlich vor. Das Drama mit Sophia Loren und Marcello Mastroianni spielt ebenfalls im Jahr 1938. Es erzählt von der Begegnung einer Hausfrau mit einem homosexuellen Mann im faschistischen Rom. Schauplatz ist der Tag, an dem Adolf Hitler den italienischen Diktator Benito Mussolini besucht. Wie „De Noche“ beschäftigt sich auch Scolas Film mit gesellschaftlichen Rollenvorstellungen, homosexueller Identität und persönlichen Beziehungen unter restriktiven politischen Bedingungen. Haynes gehört selbst seit Jahrzehnten zu den prägenden Filmemachern des New Gay Cinema. In seinen Arbeiten setzt er sich regelmäßig mit sexueller Identität, gesellschaftlichen Normen und der Darstellung von Außenseitern auseinander.
Joaquin Phoenix verließ Produktion
Die Entstehung von „De Noche“ verlief dabei ungewöhnlich turbulent. Ursprünglich sollte Oscar-Preisträger Joaquin Phoenix (51) eine der beiden Hauptrollen übernehmen. Der Schauspieler war zudem an der Entwicklung des Drehbuchs beteiligt gewesen. Die ursprüngliche Idee für den Film soll von Phoenix selbst stammen. Gemeinsam mit Haynes arbeitete er an der Geschichte. Im Jahr 2024 zog sich Phoenix jedoch überraschend aus dem Projekt zurück – nur wenige Tage vor dem geplanten Beginn der Dreharbeiten. Die Entscheidung hatte erhebliche wirtschaftliche und organisatorische Folgen. Zudem waren bereits Produktionskosten in Millionenhöhe entstanden. Warum Phoenix das Projekt so plötzlich verließ, wurde öffentlich nicht geklärt. In Medienberichten kursierten aber vielfach Vermutungen, der Schauspieler könnte Bedenken wegen besonders expliziter schwuler Sexszenen oder Nacktdarstellungen gehabt haben.
Haynes hielt trotz des Rückschlags an dem Vorhaben fest. Schließlich konnte Pedro Pascal für die ursprünglich von Phoenix vorgesehene Rolle gewonnen werden. Um Pascal selbst gibt es immer wieder Spekulationen über seine vermeintliche Homosexualität, der „The Last of Us“-Star selbst schweigt darüber bis heute. In „De Noche“ spielt er einen der beiden Männer, deren Beziehung im Mittelpunkt der Geschichte steht. Sein Partner wird von Danny Ramirez verkörpert, der bereits vor dem Ausstieg von Phoenix für die Produktion vorgesehen war. Ein offizieller Kinostart wurde bislang nicht angekündigt, eine Teilnahme am Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes im Jahr 2027 gilt allerdings als wahrscheinlich.