Direkt zum Inhalt

Kein Geld mehr für LGBTIQ+ Stonewall-Museum verliert staatliche Unterstützung

Von ms - 14.10.2026 - 11:00 Uhr
Kein Geld mehr für LGBTIQ+
Foto: Stonewall National Museum, Archives & Library
ANZEIGE
Loading audio player...

Das Museum zur Geschichte der LGBTIQ+-Bewegung im US-Bundesstaat Florida steht vor finanziellen Herausforderungen. Die Verwaltung von Broward County hat einen Antrag des Stonewall National Museum, Archives & Library auf Betriebskostenzuschüsse für das Haushaltsjahr 2027 jetzt abgelehnt. Die Entscheidung sorgt für viel Kritik, weil sie kurz vor dem Inkrafttreten eines umstrittenen Gesetzes gegen staatlich geförderte Diversitätsprogramme erfolgt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Förderantrag abgelehnt: Broward County in Florida hat dem Stonewall National Museum, Archives & Library die beantragte Betriebsförderung für das Haushaltsjahr 2027 verweigert.
  • Neues Gesetz ab Januar: Ab dem 1. Januar 2027 dürfen Kommunen und Bezirke in Florida keine Programme zur Förderung von Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion mehr finanzieren oder unterstützen.
  • Begründung umstritten: Der Bezirk verweist auf finanzielle und administrative Vorgaben, ohne nach Darstellung des Museums konkrete Ablehnungsgründe zu nennen.
  • Mehr als eine Million Dollar: Seit Januar 2014 erhielt das Museum nach eigenen Angaben insgesamt 1.031.466 US-Dollar aus dem Bezirkshaushalt.
  • Direktor fordert Gegenwehr: Museumschef Robert Kesten ruft Politiker dazu auf, die Förderung betroffener Einrichtungen fortzusetzen und notfalls gerichtlich gegen staatliche Einschränkungen vorzugehen.

Kuriose Entwicklungen 

Bemerkenswert ist die politische Ausgangslage: Broward County gilt als Hochburg der Demokratischen Partei. Dennoch verliert ausgerechnet dort eine Einrichtung die beantragte Unterstützung, die sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten beschäftigt. Das Museum wirft den Verantwortlichen vor, ihre Entscheidung nicht ausreichend begründet zu haben. Präsident und Geschäftsführer Robert Kesten fordert die lokalen Behörden daher auf, sich stärker für kulturelle Einrichtungen einzusetzen, die durch neue gesetzliche Beschränkungen unter Druck geraten. 

Der Zeitpunkt der Absage sorgt bei der Museumsleitung überdies für besonderes Unverständnis. Nach Angaben Kestens ging die Nachricht lediglich zwei Stunden ein, nachdem er sich im Newsletter der Einrichtung mit einem dringenden Aufruf an politische Entscheidungsträger gewandt hatte. Darin forderte er staatliche Stellen auf, sich dem politischen Druck von Floridas republikanischem Gouverneur Ron DeSantis und der republikanisch dominierten Legislative entgegenzustellen. Hintergrund ist ein Gesetz, das DeSantis im April dieses Jahres unterzeichnet hatte und das zum Januar 2027 in Kraft treten soll. 

Die Regelung untersagt Bezirken und Kommunen, Initiativen zur Förderung von Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion finanziell zu unterstützen oder öffentlich zu bewerben. Ebenso bemerkenswert: Nach einem Bericht des öffentlich-rechtlichen Radiosenders WLRN hat Broward County für die Kulturförderung insgesamt ungefähr denselben Betrag vorgesehen wie im vorherigen Haushaltsjahr. Die Ablehnung des Museumsantrags bedeutet demnach nicht, dass der gesamte Kulturetat entsprechend gekürzt wurde, sondern eine gezielte Entscheidung gegen LGBTIQ+. 

Auszahlung der Fördergelder

Kesten reagierte deswegen auch mit scharfer Kritik auf die Entwicklung. In einer Stellungnahme appellierte er an Verantwortliche auf sämtlichen staatlichen Ebenen, bisher unterstützte Einrichtungen nicht im Stich zu lassen. Aus Sicht des Museumsdirektors haben gewählte Amtsträger eine verfassungsrechtliche Verpflichtung, die Interessen der gesamten Bevölkerung zu vertreten und damit auch von Homosexuellen und queeren Personen. „Wir fordern die Amtsträger auf, ihre Arbeit so zu erledigen, wie es die Verfassung vorgibt, die mit den Worten ‚Wir, das Volk‘ beginnt und uns daran erinnert, dass sie genau diesen Menschen dienen sollen, um Leben und Freiheit zu gewährleisten und die unveräußerlichen Rechte aller Amerikaner zu schützen.“ Kesten verlangte, die Fördermittel auszuzahlen und drohte damit, 

Eine Million Dollar Förderung 

Die Museumsleitung kritisiert neben dem Zeitpunkt auch die Begründung der Entscheidung. Nach ihren Angaben habe Broward County ausdrücklich erklärt, dass die Ablehnung weder auf die Qualität noch auf die gesellschaftliche Wirkung der Museumsarbeit zurückzuführen sei. Stattdessen seien allgemeine Anforderungen und finanzielle Erwägungen angeführt worden. Die Einrichtung verweist deswegen zudem auf ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Bezirk. Seit Januar 2014 hat der Broward County insgesamt weit über eine Million US-Dollar an das Stonewall-Museum gezahlt. Warum der jüngste Antrag nicht mehr bewilligt wurde, sei aus Sicht der Verantwortlichen weiterhin daher nicht nachvollziehbar.

Die Entscheidung gegen das Stonewall-Museum ist offenbar kein Einzelfall. Wie WLRN berichtete von weiteren Kürzungen im Kulturbereich. Ein Sprecher des Stonewall-Museums bezeichnete die Auswirkungen dieser Entwicklung als „abschreckend“ und erklärte: „In ganz Florida und im gesamten Land sehen sich Kultureinrichtungen, die LGBTIQ+-Gemeinschaften, ethnische und rassische Minderheiten sowie andere historisch marginalisierte Bevölkerungsgruppen vertreten, mit dem Verlust staatlicher und anderer Unterstützung konfrontiert.“ 

Das Stonewall National Museum, Archives & Library in Fort Lauderdale gehört zu den US-Einrichtungen, die sich auf die Sammlung, Dokumentation und Vermittlung der Geschichte von LGBTIQ+-Menschen spezialisiert haben. Das Museum bewahrt historische Dokumente, Bücher und weitere Materialien auf, die gesellschaftliche Entwicklungen, politische Auseinandersetzungen und persönliche Lebensgeschichten sexueller und geschlechtlicher Minderheiten dokumentieren. Neben der Archivarbeit bietet die Einrichtung Ausstellungen und Bildungsprogramme an.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDMit Troye Sivans "She’s The Best" auf der etwas anderen PartytazRazzien gegen Queers in der Türkei: Finsternis am BosporusGALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuellAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Pentagon-Chef unter Druck

Kritik an US-Verteidigungsminister

Der schwule Demokrat Pete Buttigieg wirft US-Verteidigungsminister Pete Hegseth strategisches Versagen im Iran-Krieg vor und fordert seinen Rücktritt.
Kuss-Foto löst Hasswelle aus

Todesdrohung nach Familienfeier

Ein harmloses Kuss-Foto eines schwules Paares löst im Netz homophobe Hetze bis hin zu Todesforderungen aus. Das Paar lässt sich nicht einschüchtern.
Droht ein neues LGBTIQ-Verbot?

Aserbaidschans neue Gesetzespläne

Aserbaidschan soll ein Verbot sogenannter „LGBT-Propaganda“ nach russischem Vorbild planen. Einige Abgeordnete dementieren bisher eher halbherzig.
Kampf um die Ehe

Klage gegen die Slowakei

Zwei in Österreich verheiratete Männer kämpfen vor Gericht um die Anerkennung ihrer Ehe in der Slowakei – und berufen sich auf EU-Recht.
Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.