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Chris Colfer zu Glee-Reboot Kurt-Darsteller spricht über Rückkehr

Von ms - 08.10.2026 - 15:30 Uhr
Chris Colfer zu Glee-Reboot
Foto: IMAGO / Future Image
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Eine mögliche Neuauflage der erfolgreichen Musicalserie „Glee“ beschäftigt die Fans – doch einer ihrer bekanntesten früheren Hauptdarsteller weiß nach eigenen Angaben bislang nichts über konkrete Pläne. Chris Colfer (36), der mit seiner Rolle als Kurt Hummel international bekannt wurde, hat sich in einem Interview mit dem US-Magazin Bustle jetzt erstmals ausführlicher zu den Berichten über ein mögliches Reboot geäußert.

Das Wichtigste im Überblick

  • Für ein potenzielles „Glee“-Reboot liegt bereits ein Drehbuch vor. 
  • Chris Colfer, bekannt als Kurt Hummel, hat bislang keine Informationen über das Projekt erhalten.
  • Erinnerung an Naya Rivera: Eine Rückkehr zur Serie wäre für den Schauspieler nach dem Tod seiner früheren Kollegin besonders schwierig.
  • Colfer steht fast täglich mit ehemaligen „Glee“-Darstellern in Kontakt.
  • Grenzen der Fankultur: Der 36-Jährige spricht über Fanfiction, in der er selbst und sein Kollege Darren Criss als Liebespaar dargestellt wurden.
  • Nach einer längeren Schauspielpause kehrt Colfer mit dem Horrorfilm „The Restoration at Grayson Manor“ zurück und hat außerdem in Rebel Wilsons „Girl Group“ mitgespielt.

Unentschlossen über Comeback

Auf die Frage, wie er zu einer Rückkehr der Serie stehe, erklärte der 36-Jährige: „Ich weiß überhaupt nichts darüber und habe absolut nichts gehört. Ich wünschte, es wäre anders.“ Ein erstes Drehbuch von Mastermind Ryan Murphy existiert dabei bereits. Ob und in welcher Form das Projekt aber tatsächlich umgesetzt wird, bleibt bisher offen. Colfer äußerte sich zurückhaltend zu einer möglichen Wiederaufnahme der Serie. Die Dreharbeiten seien schon damals anspruchsvoll gewesen. Hinzu komme der Verlust seiner früheren Kollegin Naya Rivera, die in „Glee“ die Rolle der Santana Lopez spielte und 2020 im Alter von 33 Jahren starb.

„Es war eine wirklich anstrengende Serie, und es wäre sehr schwierig, sie heute noch einmal zu machen, nachdem Naya nicht mehr da ist“, sagte Colfer. Gleichzeitig ist ihm bewusst, wie groß die Erwartungen der Fangemeinde an eine mögliche Rückkehr sein dürften. „Aber ich weiß auch, dass die ‚Glee‘-Fans wahrscheinlich mit Mistgabeln hinter mir her wären, wenn ich Nein sagen würde.“ Eine Entscheidung über eine erneute Mitwirkung hat der Schauspieler daher noch nicht getroffen. „Deshalb weiß ich es nicht. Hoffentlich bekomme ich bald mehr Informationen, damit ich tatsächlich darüber nachdenken kann.“

 „Glee“ bei jungen Fans 

Die Musicalserie, die von 2009 bis 2015 ausgestrahlt wurde, hat auch Jahre nach ihrem Ende noch immer eine große Fangemeinde. Insbesondere jüngere Zuschauerinnen und Zuschauer der Generation Z haben die Geschichten um den Schulchor einer amerikanischen Highschool für sich neu entdeckt. Colfer sieht einen wesentlichen Grund für diesen anhaltenden Erfolg in der Identifikation des Publikums mit den Figuren. „Eines der Erfolgsgeheimnisse von ‚Glee‘ war, dass sich so viele Jugendliche mit den Figuren identifizieren und sich selbst in diese Welt hineinversetzen konnten“, erklärte er.

Die Serie behandelte neben Musik und Schulalltag auch Themen wie Homosexualität, Ausgrenzung, Selbstakzeptanz und gesellschaftliche Vorurteile. Besonders Colfers Figur Kurt Hummel wurde für viele schwule Jugendliche zu einer wichtigen Identifikationsfigur. „Zwischen uns und unserem Publikum entstand eine wunderschöne Verbindung“, sagte der Schauspieler. Diese emotionale Nähe erkläre seiner Ansicht nach auch, weshalb Fans bis heute eigene Geschichten über die Figuren verfassen. „Und wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum die Menschen immer noch Geschichten über diese Figuren schreiben und ihre eigenen Gefühle in diese Welt einbringen. Denn zum ersten Mal sahen sie sich selbst im Fernsehen repräsentiert.“

Kontakt zu ehemaligen Kollegen

Obwohl „Glee“ seit mehr als einem Jahrzehnt beendet ist, besteht zwischen zahlreichen Darstellern weiterhin auch noch ein enger Kontakt. „Ich spreche fast jeden einzelnen Tag mit jemandem aus ‚Glee‘“, berichtete Colfer. Die früheren Kollegen seien über mehrere Gruppenchats miteinander verbunden. „Meistens schicken wir uns lustige Memes und Fotos von den Kindern der anderen, aber wir versuchen auch, uns so oft wie möglich persönlich zu treffen.“ Kürzlich besuchte Colfer die US-Tanzshow „Dancing With the Stars“, um seinen früheren Kollegen Harry Shum Jr. zu unterstützen. „Ich habe mich riesig gefreut, Harry so glänzen zu sehen“, sagte er. „Er ist einer der großartigsten Menschen der Welt, und ich freue mich unglaublich, dass er diesen Moment erleben darf.“ Besonders berührt habe ihn, dass er während der Sendung neben Shums Tochter saß. „Ich saß neben seiner Tochter, und dabei zuzusehen, wie sie ihren Vater auf diese Weise erleben konnte, war ziemlich magisch.“

Die Fans lieben „Klaine“ 

Ein weiteres Thema des Interviews war die bis heute lebendige Fankultur rund um „Glee“. Colfers Figur Kurt Hummel verliebte sich 2010 in Blaine Anderson, gespielt von Darren Criss. Das Paar wurde unter dem Namen „Klaine“ zu einer der beliebtesten Beziehungen der Serie. Die Liebesgeschichte inspirierte zahlreiche Fans dazu, eigene Erzählungen zu verfassen. Manche beschränkten sich dabei allerdings nicht auf die fiktiven Charaktere, sondern schrieben auch romantische und sexuelle Geschichten über die beiden Schauspieler selbst. Colfer betrachtet diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen.

„Als Schauspieler oder Autor ist es eines der größten Komplimente überhaupt, wenn man seine Figuren in Fanfiction wiederfindet“, sagte er. „Aber es wird schon etwas seltsam, wenn die Leute einen selbst als Person in ihren Geschichten verwenden. So erfährt man ziemlich schnell, was die Menschen tatsächlich von einem halten.“ Er selbst habe nie gezielt nach solchen Geschichten gesucht. Gelegentlich hätten ihm jedoch Freunde Links zu besonders freizügigen Texten geschickt. „Es gab eine Phase am Anfang meiner Karriere, in der ich praktisch mit niemandem fotografiert werden konnte, ohne dass diese Person anschließend gemeinsam mit mir zum Gegenstand irgendeiner Fanfiction wurde.“ Er habe sich dabei manchmal wie „Patient null“ gefühlt, der andere Menschen mit einer ansteckenden Krankheit infiziere. „Es würde mich nicht wundern, wenn einige meiner Freunde unter Pseudonymen im Internet unterwegs wären und seit Jahren Geschichten über mich schreiben würden.“

Grenzen verschwimmen 

Problematisch wurde die Fankultur für Colfer insbesondere dann, wenn Zuschauerinnen und Zuschauer die Grenze zwischen den Serienfiguren und den realen Schauspielern nicht mehr respektierten. „Es war wirklich verstörend und manchmal auch ausgesprochen sexuell“, sagte er über entsprechende Fanfiction. Die Geschichten hätten ihn teilweise in sehr anzüglichen Situationen dargestellt. „Aber normalerweise war ich der Held, wenn ich in Fanfiction vorkam. Ich war nur selten der Bösewicht. Das war immerhin ein Pluspunkt. Ich glaube, das bedeutete, dass ich irgendetwas richtig machte.“ Eine Grenze sei für ihn jedoch überschritten worden, wenn Fans sein Privatleben für ihre erfundenen Geschichten vereinnahmten.

„Viele Fans hielten ‚Glee‘ für eine Dokumentation und wollten unbedingt, dass Darren und ich auch im wirklichen Leben eine Beziehung führen“, erklärte Colfer. „Manchmal überschritten diese Menschen eine Grenze und sorgten dafür, dass ich mich etwas unwohl fühlte.“ Besonders störend sei gewesen, wenn persönliche Informationen verwendet oder frei erfundene Behauptungen über sein Privatleben verbreitet wurden, um fiktive Liebesgeschichten glaubwürdiger erscheinen zu lassen.

Colfer schrieb viel Fanfiction

Die Faszination für Fanfiction kennt Colfer allerdings auch aus eigener Erfahrung. Lange bevor er durch „Glee“ berühmt wurde, schrieb er als Kind eigene Drehbücher und Adaptionen bekannter Geschichten. „Damals habe ich das nicht einmal als Fanfiction betrachtet, weil ich mich als Kind viel zu ernst genommen habe“, erinnerte er sich. „Immer wenn ich Drehbücher oder Adaptionen von Geschichten schrieb, war ich fest davon überzeugt, dass jemand sie kaufen wollen würde.“ Zu seinen frühen Projekten gehörte eine eigene Version des Musicals „Wicked“. „Ich glaube, die Adaption von Regisseur Jon M. Chu enthielt deutlich weniger Blut als meine“, sagte Colfer lachend.

„Ich habe Oz in eine viktorianische Steampunk-Welt verwandelt und viel mehr Gebäude in die Luft gesprengt. Seine Version entsprach also wahrscheinlich eher dem, was das Publikum sehen wollte.“ Während seiner Schulzeit leitete Colfer zudem einen Schreibclub, in dem sich Jugendliche gegenseitig ihre Geschichten vorlasen. „Für Autoren ist es unglaublich wichtig, mit anderen Autoren befreundet zu sein, denn jeder von uns ist eine ganze Welt, die in einem einzigen Menschen gefangen ist.“ Besonders gern erinnert er sich an sein selbst geschriebenes Musical „Candyland the Musical“. „Ich habe nicht nur das gesamte Drehbuch geschrieben, sondern auch jedes einzelne Lied.“ Das Ergebnis sei vermutlich „absolut schrecklich“ gewesen. Dennoch habe er fest an eine spätere Umsetzung geglaubt. „Ich warte immer noch darauf, dass Hasbro mich anruft.“ Seine frühen Geschichten seien häufig nach einem ähnlichen Muster entstanden. „Jede Geschichte, die ich als Kind geschrieben habe – und ehrlich gesagt auch heute noch schreibe –, ist im Grunde ‚Der Zauberer von Oz‘.“

Von „Glee“ zum Bestsellerautor

Nach seinem Erfolg als Schauspieler konzentrierte sich Colfer zunehmend auf seine schriftstellerische Karriere. Sein erster Kinderroman „The Land of Stories: The Wishing Spell“ erschien 2012 und entwickelte sich zum Ausgangspunkt einer erfolgreichen Fantasyreihe. Insgesamt entstanden sechs Hauptbände und drei Vorgeschichten. Eine Verfilmung befindet sich bei Warner Bros. in Entwicklung. „Mit der Vorlage wird wirklich respektvoll umgegangen“, sagte Colfer über das Projekt. 2017 veröffentlichte er mit „Stranger Than Fanfiction“ seinen ersten Jugendroman. Darin greifen Jugendliche ihre Begeisterung für eine Fernsehserie auf und finden darüber zueinander.

Die eigenen Erfahrungen mit Fanfiction hätten seine Fantasie gefördert. „Es war eine großartige Übung für die Fantasie“, erklärte er. Obwohl Colfer selbst kaum romantische Fanfiction liest, hat er klare Vorlieben für bestimmte Charaktere. „Ich habe mich eigentlich noch nie besonders für irgendein fiktives Liebespaar begeistert“, sagte er. „Gebt mir eine ältere Frau, die ausgesprochen sarkastisch ist und einen Martini in der Hand hält, und ich bin völlig fasziniert.“ Zuletzt machte er mit einem versauten schwulen" Erwachsenenroman Schlagzeilen. 

Schauspiel-Comeback mit Horrorfilm

Nach einer längeren Pause vor der Kamera kehrt Colfer nun mit dem Horrorfilm „The Restoration at Grayson Manor“ zur Schauspielerei zurück. Es ist seine erste Filmrolle seit fast zehn Jahren. In der schrägen Horrorgeschichte verkörpert er den wohlhabenden Erben Boyd Grayson, der in einer toxischen, von gegenseitiger Abhängigkeit geprägten Beziehung zu seiner Mutter Jacqueline lebt. Diese wird von Alice Krige gespielt und nimmt ihrem Sohn übel, dass er sich weigert, die Familienlinie fortzuführen. Als Boyd bei einem ungewöhnlichen Unfall seine Hände verliert, erschafft seine Mutter künstliche Ersatzhände, die von seinem Unterbewusstsein gesteuert werden. Die neuen Hände entwickeln jedoch eine mörderische Eigendynamik.

Für Colfer war die Rolle eine willkommene Abwechslung zu seinen bisherigen Figuren. „Es war wirklich, wirklich therapeutisch, ein paar Monate lang fluchen und schreien zu dürfen und einfach ein schrecklicher, schrecklicher Mensch zu sein“, sagte er. Nach Jahren als Kinder- und Jugendbuchautor habe er es als befreiend empfunden, eine derart unangenehme Figur zu verkörpern. Auch an Rebel Wilsons neuem Film „Girl Group“ wirkte Colfer mit. „Ich habe die Schauspielerei wirklich vermisst“, erklärte er. „Die Arbeit an ‚The Restoration at Grayson Manor‘ hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich hoffe, bald wieder vor der Kamera stehen zu können.“ Die Dreharbeiten zu „Girl Group“ seien ebenfalls ein großes Vergnügen gewesen.

Film über eigene Familiengeschichte

Neben seinen Schauspielprojekten beschäftigt Colfer derzeit eine überraschende Entdeckung über seine Vorfahren. Vor Kurzem habe er herausgefunden, dass seine Urgroßmutter in elfter Generation zu den bekanntesten Frauen der amerikanischen Geschichte gehört. Bei seinen anschließenden Recherchen sei er auf ein bislang kaum beachtetes Ereignis in ihrem Leben gestoßen. „Deshalb habe ich mich intensiv mit ihrem Leben beschäftigt und dabei etwas entdeckt, das ihr widerfahren ist und das bisher noch nie näher beleuchtet wurde“, berichtete er. „Ich träume davon, darüber ein Drehbuch zu schreiben und diese Geschichte zum Leben zu erwecken.“ Ob Colfer eines Tages auch wieder als Kurt Hummel auf dem Bildschirm zu sehen sein wird, bleibt dagegen offen. 

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