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McHenry startet in Italien Olympia-Traum rückt näher für schwulen US-Volleyballer

Von ms - 06.10.2026 - 15:00 Uhr
McHenry startet in Italien
Foto: IMAGO / NurPhoto
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Für Merrick McHenry beginnt ein neues Kapitel seiner Volleyballkarriere: Der 25 Jahre alte schwule US-Nationalspieler ist offiziell als Neuzugang von Gas Sales Bluenergy Volley Piacenza vorgestellt worden. Der Mittelblocker wechselt nach zwei Profijahren in Frankreich in die italienische SuperLega und ist dort derzeit der einzige offen schwule Spieler.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der 25-jährige US-Volleyballer Merrick McHenry ist neuer Mittelblocker bei Gas Sales Bluenergy Volley Piacenza und damit der einzige offen schwule Spieler der italienischen SuperLega. 
  • Der 2,01 Meter große McHenry gewann mit der UCLA zwei NCAA-Meisterschaften in Folge und spielte anschließend zwei Jahre als Profi in Frankreich.
  • Mit der US-Nationalmannschaft gewann er 2026 die nordamerikanische Meisterschaft. Sein großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
  • McHenry machte seine Homosexualität im März 2023 öffentlich und sprach dabei auch über Schwierigkeiten beim Aufwachsen als schwuler Junge in Texas.
  • Der Wechsel nach Piacenza erfüllt ihm nach eigenen Worten einen Kindheitstraum. Die italienische SuperLega bezeichnet er als die beste Liga der Welt.

Ein Traum wird wahr

McHenry wurde jetzt offiziell bei seinem neuen Klub präsentiert. Mit dem Schritt nach Italien erfüllt sich für den 2,01 Meter großen US-Amerikaner nach eigenen Worten ein lang gehegter Traum. Zugleich soll die SuperLega eine weitere Etappe auf seinem Weg zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles werden. Ganz ohne Vorgänger ist McHenry als offen schwuler Spieler im italienischen Spitzenvolleyball allerdings nicht: Bereits 2021 hatte der schwule Brasilianer Douglas Souza ein Tabu durchbrochen, als er für Tonno Callipo Vibo Valentia in der Serie A1 spielte – er gewann in diesem Jahr die Südamerika-Meisterschaft und qualifizierte sich damit bereits für Olympia 2028. 

McHenry wurde 2000 in Bedford geboren und absolvierte seine gesamte College-Karriere an der University of California, Los Angeles (UCLA). Bis 2024 spielte er dort in der NCAA Division I. Mit der UCLA gewann McHenry zwei nationale Meisterschaften in Folge und erhielt zudem zahlreiche individuelle Auszeichnungen. Anschließend wechselte er nach Frankreich und spielte zwei Spielzeiten als Profi in Nizza. Auch international hat sich der Mittelblocker etabliert. McHenry gehört zur US-Nationalmannschaft und gewann mit ihr 2026 die Goldmedaille bei der nordamerikanischen Meisterschaft. Langfristig richtet sich sein Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Für den ehemaligen UCLA-Spieler wäre das eine Rückkehr in seine sportliche Wahlheimat. Die olympischen Volleyballwettbewerbe sollen in Anaheim ausgetragen werden.

Coming-Out 2023

McHenry machte im März 2023 öffentlich, dass er schwul ist. In einem Interview mit der Los Angeles Times, das unmittelbar vor den Halbfinalspielen des NCAA-Turniers erschien, sprach er über seine sexuelle Orientierung und seinen persönlichen Weg. Das Turnier gewann er anschließend mit der UCLA. McHenry berichtete dabei auch von den Schwierigkeiten, die er beim Aufwachsen als schwuler Junge in Texas erlebt hatte. Im kalifornischen Volleyball-Umfeld habe er schließlich einen Ort gefunden, an dem er authentischer leben konnte. „Ich liebe es, anders zu sein“, sagte McHenry. „Ich kann nichts dagegen tun.“ Seine Jugend beschrieb er mit den Worten: „Schwul zu sein und in Texas aufzuwachsen … ich fühlte mich fehl am Platz.“

Die Akzeptanz durch andere Menschen habe für seine persönliche Entwicklung eine wichtige Rolle gespielt. „Mit Menschen zusammen sein zu können, die mich trotzdem lieben, trotz dessen, was viele Teile der Welt vielleicht als anders betrachten … es ist eine Reise, und es ist immer noch eine Reise, aber ich glaube, ich war noch nie so glücklich. Ich glaube, die Dinge können nur besser werden. Ich bin einfach ich selbst. Ich versuche nicht, etwas Besonderes zu sein, ich versuche nicht, mehr zu tun.“ McHenry verband sein Coming-Out zugleich mit einer Botschaft an andere: „Letztendlich versuche ich den Menschen nur zu zeigen, dass du du selbst sein kannst und trotzdem geliebt und wertgeschätzt wirst.“

McHenry will hoch hinaus

Mit Piacenza wechselt McHenry nun in eine der international bedeutendsten Volleyball-Ligen. Bereits Ende Juni, als sein Transfer abgeschlossen war, machte der Amerikaner deutlich, welchen Stellenwert der Schritt für ihn hat. „Für mich bedeutet es unglaublich viel, bei Piacenza unterschrieben zu haben“, sagte McHenry. Dabei sieht er sich nicht nur als US-Nationalspieler, sondern künftig auch als Repräsentant seines neuen Vereins und dessen Heimatstadt. „Ich bin äußerst stolz darauf, ein amerikanischer Athlet zu sein, der die Möglichkeit hat, sein Land zu vertreten, gleichzeitig aber auch Italien und Piacenza. Ich habe viel über diesen Verein und seine hervorragenden Ergebnisse gehört und bin wirklich begeistert, auch nur einen kleinen Teil seiner Geschichte mitgestalten zu können.“ Seine Ziele beim neuen Klub formulierte McHenry ambitioniert: „Ich kann es kaum erwarten, das Trikot zu tragen, die Stadt Piacenza zu repräsentieren und dafür zu kämpfen, dem Klub zu weiteren Trophäen zu verhelfen.“ Der Wechsel nach Italien habe für ihn auch eine persönliche Bedeutung. „Die SuperLega ist ein Traum für mich, ich bin sehr glücklich und aufgeregt, endlich in dieser Liga antreten zu können.“

McHenry verwies darauf, dass amerikanische Volleyballer ihre professionelle Laufbahn traditionell häufig im Ausland fortsetzen müssen. „In den Vereinigten Staaten gibt es keine professionelle Volleyball-Liga, deshalb träumen viele von uns davon, die Möglichkeit zu bekommen, in der besten Liga der Welt zu spielen, wie es die italienische ist. Ich habe so viel über Piacenza und die italienische Liga gehört, und es gibt so viele Jungs in der Mannschaft, die ich über die Jahre verfolgt habe und mit denen ich mich riesig darauf freue, zu spielen.“

Happy mit seinem Job 

Dass er seine Karriere mit Reisen und neuen Erfahrungen verbinden kann, bezeichnet McHenry als einen der besonderen Aspekte seines Berufs. „Ich liebe es, Volleyball zu spielen, und ich liebe es, die Möglichkeit zu haben, um die Welt zu reisen und gemeinsam mit meinen Mannschaftskollegen im Volleyball besser zu werden. Deshalb bin ich sehr glücklich und fühle mich geehrt, dass Piacenza der Ort ist, an dem ich das tun darf, und ich glaube, dass es eine großartige Erfahrung werden wird.“ Vor allem die Aufnahme durch sein neues Umfeld habe ihn beeindruckt: „Ich wurde von allen außergewöhnlich empfangen – von meinen Mannschaftskollegen, dem Staff und jedem, den ich in diesen Tagen kennenlernen durfte.“

Neben seinen sportlichen Ambitionen hat sich McHenry zunächst ein ganz praktisches Ziel vorgenommen. „Mein erstes persönliches Ziel ist es, ein wenig Italienisch zu lernen, damit ich mich besser mit meinen Mannschaftskollegen und dem Staff verständigen kann. Ich bin hier, um zu wachsen und zu gewinnen.“ Für die Mannschaft wolle er sich voll einbringen: „Ich werde hart arbeiten, um mein Bestes zu geben und der Mannschaft jederzeit helfen zu können. Für mich wird gerade ein unglaublicher Traum wahr.“ Bei seiner Vorstellung gab McHenry auch Einblicke in sein Leben abseits des Volleyballfelds. „Ich verbringe gerne Zeit mit Freunden, gehe ins Kino, liebe es, mit meinem Kater Maverick zu kuscheln, der bald zu mir kommen wird, und ich liebe das Meer.“ Für den 25-Jährigen beginnt damit die nächste Etappe einer Karriere, die ihn von zwei NCAA-Meisterschaften über Frankreich in die italienische SuperLega geführt hat. Das nächste langfristige Ziel steht ebenfalls fest: 2028 will McHenry bei den Olympischen Spielen in Los Angeles für die USA auf dem Feld stehen.

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