Nach mehreren öffentlich bekannt gewordenen Fällen, in denen Studenten in Bangladesch wegen mutmaßlicher Homosexualität angegriffen oder von Bildungseinrichtungen verwiesen wurden, haben Menschenrechtsaktivisten und Studenten zusammen eine Petition gestartet. Sie fordern Schulen, Hochschulen und die Regierung auf, die Diskriminierung von LGBTIQ+-Menschen zu beenden und Betroffene besser zu schützen.
Das Wichtigste im Überblick
- Nach mehreren Fällen von Angriffen auf Studenten wegen mutmaßlicher Homosexualität haben Aktivisten eine Petition gestartet.
- Justice Makers Bangladesh in France (JMBF) fordert ein Ende der Verfolgung von Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung.
- Im Mai 2026 sollen an einer Universität vier Studenten verwiesen und zwei weitere der Polizei übergeben worden sein.
- Auch aus Dhaka werden Fälle von Inhaftierungen, mutmaßlich erzwungenen Befragungen und Angriffen genannt.
- JMBF fordert unter anderem die Wiedereinsetzung ausgeschlossener Studenten und die Untersuchung mutmaßlich rechtswidriger Verhöre.
- Eine zentrale Forderung ist die Abschaffung von Paragraf 377 des bangladeschischen Strafgesetzbuches.
Ende der Diskriminierung
Die Menschenrechtsorganisation Justice Makers Bangladesh in France (JMBF) kündigte die Kampagne an. Die im Exil tätige, gemeinnützige und überparteiliche internationale Organisation fordert die bangladeschischen Behörden auf, die Verfolgung von Studenten zu beenden, denen vorgeworfen wird, homosexuell zu sein. Zudem sollen Menschen geschützt werden, die wegen ihrer sexuellen Orientierung ins Visier geraten. Die Petition wird über die Plattform All Out verbreitet. So sollen Universitäten und Strafverfolgungsbehörden inzwischen offenbar mehrfach Studenten wegen ihrer Homosexualität von Hochschulen verwiesen, festgenommen oder inhaftiert haben.
Als Beispiel nennt die Organisation die Hajee Mohammad Danesh Science and Technology University in Dinajpur im Norden des Landes. Dort wurden im Mai 2026 vier Studenten verwiesen und zwei weitere der Polizei übergeben worden sein. Die Kampagne verweist außerdem auf einen mutmaßlichen weiteren Fall an einer medizinischen Hochschule in Dhaka. Dort soll ein Student unter Druck gesetzt worden sein, andere schwule Studenten zu identifizieren und zu verraten. Nach Angaben von All-Out wurden anschließend fünf Menschen inhaftiert und verloren ihre Unterkunft.
JMBF sieht größeres Muster
Nach Einschätzung von JMBF handelt es sich bei den Fällen um Teile eines größeren Musters. Bildungseinrichtungen, Polizei und Gerichte würden Menschen demnach wegen ihrer Homosexualität oder einvernehmlicher Beziehungen bestrafen. Die Organisation argumentiert, ein solches Vorgehen verletze die in der Verfassung Bangladeschs und in internationalen Menschenrechtsverpflichtungen garantierten Rechte auf Gleichheit, persönliche Freiheit, Privatsphäre und Schutz vor Diskriminierung.
Die Aktivisten fordern deshalb unter anderem die sofortige Wiedereinsetzung von Studenten, die wegen ihrer sexuellen Orientierung ausgeschlossen oder suspendiert wurden. Außerdem sollen Anklagen gegen Menschen zurückgenommen werden, die wegen einvernehmlicher gleichgeschlechtlicher Beziehungen inhaftiert worden seien. Auch mutmaßlich erzwungene Befragungen sollen untersucht werden. Binnen kurzer Zeit haben bereits über 13.000 Menschen die Petition unterzeichnet.
Schutz vor Gewalt und Offenlegung
Die Kampagne verlangt von den Behörden zudem, Beschwerden von LGBTIQ+-Menschen bei der Polizei aufzunehmen und Gewalttaten gegen sie zu untersuchen. Darüber hinaus sollen klare Regelungen homosexuelle Studenten vor Belästigung, willkürlichen Disziplinarmaßnahmen und der rechtswidrigen Offenlegung ihrer Identität schützen. Eine zentrale Forderung ist die Abschaffung von Paragraf 377 des bangladeschischen Strafgesetzbuches.
Die Vorschrift stammt aus der Kolonialzeit und stellt einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe. Nach Ansicht von JMBF schafft sie damit eine rechtliche Grundlage für weitere Verfolgung. „Bildungseinrichtungen haben die Pflicht, alle Studenten gleichermaßen zu schützen“, heißt es in der Kampagne. Universitäten dürften nicht zu Instrumenten moralischer Kontrolle werden. Menschen, die Opfer von Gewalt geworden seien, dürften zudem nicht als Täter behandelt werden.