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Wil Wheaton als Ally Vom Kinderstar zum LGBTIQ+-Verbündeten

Von ms - 30.09.2026 - 14:30 Uhr
Wil Wheaton als Ally
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
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Als Wesley Crusher in „Star Trek: The Next Generation“ wurde Wil Wheaton einem Millionenpublikum bekannt. Zuvor feierte er bereits seinen großen Erfolg mit dem Kultfilm „Stand by Me“. Heute nutzt der US-Schauspieler seine Bekanntheit zunehmend, um sich für LGBTIQ+-Rechte einzusetzen. Als heterosexueller Mann ist es dem 54-Jährigen wichtig, sich deutlich zu positionieren.

Das Wichtigste im Überblick

  • Wil Wheaton, bekannt aus „Stand by Me“ und „Star Trek: The Next Generation“, setzt sich öffentlich für LGBTIQ+-Rechte ein. 
  • Bis heute sprechen ihn schwule Männer auf seine Rolle in „Stark Trek“ an. 
  • Wheaton sagt, er wolle seine gesellschaftlichen Privilegien nutzen, um Menschen zu erreichen, die Betroffenen selbst möglicherweise nicht zuhören würden.
  • Wheaton hat sich von der Schauspielerei zurückgezogen. Seine Erfahrungen als Kinderdarsteller hätten ihn tief belastet. 
  • Heute arbeitet er vor allem als Hörbuchsprecher, Autor, Podcaster und Gaming-Persönlichkeit.
  • Vom offiziellen 60. Geburtstag von „Star Trek“ sei er ausgeschlossen worden. Das habe ihn verletzt. Zugleich betont er die progressive Tradition des Franchise. 

Freude über schwule Fans 

Wheatons Karriere begann früh. Vor 40 Jahren gelang ihm im Alter von 13 Jahren als Gordie in Rob Reiners „Stand by Me“ der Durchbruch. Ein Jahr später stieß er als hochbegabter Wesley Crusher zu „Star Trek: The Next Generation“. Bis heute begegnet Wheaton nach eigenen Angaben immer wieder schwulen Männern, die ihm erzählen, er sei ihr erster Schwarm gewesen. „Das Tolle ist, dass ich heute immer noch heißen Daddys begegne; und ich denke mir: ‚Verdammt heiße Daddys, Alter!‘ Ich denke einfach: ‚Gottverdammt, ich könnte an diesen Bauchmuskeln hochklettern!‘ Und sie sagen: ‚Du warst mein erster Schwarm!‘ Und ich sage: ‚Erstens, wie kannst du immer noch so heiß sein? Du bist in meinem Alter!‘ Und zweitens denke ich einfach: ‚Das ist verdammt großartig. Ich liebe das‘“, so Wheaton. Seine Haltung zu gleichgeschlechtlicher Liebe bringt Wheaton knapp so auf den Punkt: „Liebe ist Liebe! Wir sagen es die ganze verdammte Zeit. Warum ist das kompliziert? Ist es nicht, Mann, komm schon!“

Einsatz für LGBTIQ+

Wheatons Engagement für LGBTIQ+-Menschen zeigt sich seit Jahren, zuletzt im Juni 2026, als er an der Pride in New York City teilnahm. Sein Engagement begründet Wheaton mit den eigenen Privilegien, aber auch mit seinen Erfahrungen als Außenseiter. „Die einzige Möglichkeit, wie ich in Amerika noch stärker zu einer geschützten Klasse von Bürgern gehören könnte, wäre, wenn ich ein offen zur Schau gestellter christlicher Nationalist wäre. Ich bin weiß. Ich bin männlich. Ich gehöre zur oberen Mittelschicht. Ich bin einigermaßen berühmt. Ich habe alle möglichen Privilegien. Und trotzdem wurde ich mein ganzes Leben lang ausgegrenzt“, so Wheaton.

Diese Erfahrung habe sich durch unterschiedliche Bereiche seines Lebens gezogen. „Ich wurde von meinen Eltern ausgegrenzt. Ich wurde von Menschen in meiner Nachbarschaft ausgegrenzt. Ich wurde am Set ausgegrenzt“, sagt er. Eine Ausnahme seien seine Kollegen bei „Star Trek“ gewesen. Wenn Wheaton heute sehe, dass andere Menschen ausgegrenzt oder angegriffen würden, fühle er sich deshalb zum Eingreifen verpflichtet. „Und wenn ich sehe, wie andere Menschen das erleben, kann ich nicht anders. Ich muss mich zwischen diese Menschen und diejenigen stellen, die ihnen wehtun. Ich setze mich für mein jüngeres Ich auf eine Weise ein, wie es niemals, niemals jemand für mich getan hat.“

Dabei ist sich Wheaton bewusst, dass seine Bekanntheit und seine gesellschaftliche Position ihm Gehör verschaffen können. Der LGBTIQ+-Community gibt er deshalb ein Versprechen: „Manchmal hören Menschen, die euch nicht zuhören, mir zu, selbst wenn wir dasselbe sagen. Und wenn ich dieses Privileg nutzen kann, um diesen Menschen zu erreichen und etwas zu verändern, dann gibt es einen Menschen weniger, der euch verdammt noch mal dafür belästigt, dass ihr existiert.“ 

Schauspielerei hinterließ Spuren

Wheaton hat sich nach eigenen Angaben inzwischen von der Schauspielerei vor der Kamera zurückgezogen. Dennoch kehrte er in diesem Sommer noch einmal für „Stuart Fails to Save the Universe“, einen Science-Fiction-Comedy-Ableger von „The Big Bang Theory“, zum Streamingdienst HBO zurück und spielte dort eine Version seiner selbst aus einem anderen Universum. Zur Serie gehört außerdem ein Video-Podcast, den Wheaton gemeinsam mit Felicia Day moderiert. Zuletzt trat er auch in einem DC-Comics-Podcast seinen früheren „Star Trek: The Next Generation“-Kollegen Jonathan Frakes und Brent Spiner.  Frakes sprach dabei über „den Schmerz“, den Wheaton während seiner Zeit bei „Star Trek“ erlebt habe. 

Wheaton selbst sagt, seine Erfahrungen als Kinderdarsteller erschwerten ihm bis heute die Rückkehr an ein Set. „Der Teil von mir, der durch diese ganze Sache mit der Schauspielerei als Kind so tief traumatisiert ist, sagt: ‚Bring mich nicht dorthin. Ich will da überhaupt nicht in die Nähe‘“, erklärt er. Grundsätzlich betrachtet Wheaton seine Zeit als Schauspieler vor der Kamera als beendet. „Ich habe mich von der Schauspielerei vor der Kamera zurückgezogen. Ich habe seit 20 Jahren kein Vorsprechen mehr bekommen, vielleicht sogar noch länger. Die Unterhaltungsindustrie kauft nicht, was ich verkaufe, und das ist okay.“ 

Vorwürfe gegen seine Eltern

Bereits 2021 hatte Wheaton öffentlich erklärt, nach seiner Darstellung als Kind zum Showgeschäft gedrängt worden zu sein. „Meine Mutter hat mich dazu gebracht“, sagte er damals gegenüber Yahoo. Mit sieben Jahren stand Wheaton bereits für Werbespots vor der Kamera. Während seiner Kindheit habe er „unglaublichen emotionalen Missbrauch durch meinen Vater und viel Manipulation und Ausnutzung durch meine Mutter“ erlebt. Besonders während der Dreharbeiten zu „Stand by Me“ hätten ihn diese Erfahrungen belastet. In seiner Filmfigur Gordie habe er viel von sich selbst wiedererkannt. „Gordies Erfahrungen spiegelten meine Erfahrungen sehr stark wider“, so Wheaton. „Wir sind beide in unserem Zuhause unsichtbar. Wir haben beide einen Bruder, der das goldene Kind ist. Wir sind beide die Sündenböcke der Familie.“ 

Berufung als Geschichtenerzähler

Inzwischen sieht Wheaton seine Berufung vor allem im Erzählen von Geschichten. „Der Künstler, der ich bin, der Künstler, den Rob Reiner geweckt hat, der Künstler, von dem Rob Reiner mir gezeigt hat, dass ich ihn wirklich in mir trage“, sagt Wheaton, finde heute seinen Ausdruck „beim Einsprechen von Hörbüchern und beim Schreiben kleiner Sachen, kleiner Essays und Ähnlichem. Aber hin und wieder sagt jemand: ‚Würdest du kommen und bei dieser Sache als Schauspieler mitmachen?‘“ Eine solche Anfrage führte auch zu seinem Auftritt in „Stuart Fails to Save the Universe“. 

Vor allem arbeitet Wheaton inzwischen aber weiterhin als Hörbuchsprecher. Zu seinen Projekten gehören Andy Weirs „The Martian“, Stephen Kings „The Body“, die literarische Vorlage für „Stand by Me“, sowie Ernest Clines „Ready Player One“. Seit einem Jahr produziert er zudem wöchentlich den Podcast „It’s Storytime With Wil Wheaton“, in dem Werke neuer und aufstrebender Autoren vorgestellt werden. Geld verdiene er mit dem Projekt nicht, so Wheaton weiter. „Ich liebe es, Geschichten zu erzählen. Ich kann alles nutzen, was ich als Schauspieler gelernt habe, als ich kein Schauspieler sein wollte, und ich kann es nutzen, um anderen kreativen Menschen buchstäblich meine Stimme zu geben. Es fühlt sich so gut an. Es macht so viel Spaß.“ 

Spiele als Rettungsanker

Eine weitere Konstante in Wheatons Leben sind Spiele. Große Bekanntheit in der Gaming-Community erlangte er mit der Webserie „TableTop“, die zum Geek-&-Sundry-Netzwerk von Felicia Day gehörte. Seine Verbindung zu Spielen reicht dabei bis in seine Kindheit zurück. „Als ich ein kleiner Junge war, war meine Großtante Val die einzige liebevolle, positive und fürsorgliche Erwachsene in meinem Leben“, erinnert er sich. „Und sie spielte mit mir. Sie brachte mir Kartenspiele bei. Sie brachte mir Bingo bei. Sie brachte mir bei, wie man seine Fantasie benutzt.“ Mit zwölf Jahren führte seine Tante ihn an Dungeons & Dragons heran. Über das Spiel fand Wheaton Freunde. „Ich war definitiv ein gefährdetes Kind. Als Teenager war ich sehr einsam, und meine Eltern waren so schlimm wie eh und je. Mein Vater war so missbräuchlich und vernachlässigend, wie er nur sein konnte. Das, was mein Leben gerettet hat, waren Tabletop-Spiele.“ Auch unter anderen Gamern und seinen Kollegen bei „Star Trek“ habe er schließlich Menschen gefunden, bei denen er sich zugehörig fühlte. 

Enttäuschung über „Star Trek“

Seine Beziehung zu „Star Trek“ bleibt dennoch kompliziert. Anfang September feierte das Franchise seinen 60. Geburtstag. Wheaton sagt, zu den offiziellen Feierlichkeiten sei er nicht eingeladen worden. „Niemand von offizieller Seite bei ‚Star Trek‘ hat mich wegen irgendeiner Beteiligung kontaktiert, und das hat meine Gefühle verletzt, insbesondere angesichts der Rolle, die ich in dem Franchise hatte. Ich denke einfach, dass es widerspiegelt, wie wenig Fürsorge Paramount ‚Star Trek‘ derzeit entgegenbringt.“  Wheaton äußerte zudem die Sorge, Paramount könne das Franchise aus ideologischen Gründen verändern. Das Unternehmen wird von David Ellison geführt, einem Freund von US-Präsident Donald Trump. 

Für Wheaton ist die politische und gesellschaftliche Ausrichtung von „Star Trek“ ein wesentlicher Teil seiner Identität. „‚Star Trek‘ ist so progressiv, und es war schon immer progressiv“, sagt er. Zugleich räumt Wheaton ein, dass das Franchise lange brauchte, um gleichgeschlechtliche Paare angemessen sichtbar zu machen. „Star Trek: Discovery“ betrachtet er dabei als Wendepunkt. Entscheidend sei, dass Menschen sich in der dargestellten Zukunft selbst wiederfinden könnten. Diese Erfahrung habe er auch persönlich gemacht. „Sie empfinden auf die gleiche Weise Trost, wie ich mich gesehen und getröstet fühle, wenn ich ein superschlaues Kind sehe, dem niemand zuhört“, sagt Wheaton. „So nach dem Motto: ‚Oh Mann, das bin ich! Ich kann auch in der Zukunft sein!‘ Genau das macht ‚Star Trek‘.“ 

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