Schockstudie Niederlande Massive Rückschritte: Homophobie wird zum Schulproblem
Die Akzeptanz von Homosexualität unter Jugendlichen in den Niederlanden ist einer neuen Studie zufolge erneut deutlich zurückgegangen. Besonders stark zeigt sich die Entwicklung bei Jungen im Alter von 12 bis 16 Jahren. Nur noch 22 Prozent äußern eine positive Einstellung gegenüber Homosexualität. Vor vier Jahren war dieser Anteil nahezu doppelt so hoch. Auch bei Mädchen ist die Zustimmung gesunken. Sie liegt inzwischen bei 51 Prozent, nachdem sie zuvor 78 Prozent betragen hatte.
Das Wichtigste im Überblick
- Eine Studie der Universität Utrecht und des Trimbos-Instituts untersucht die Einstellungen von mehr als 6.600 Schülerinnen und Schülern.
- Bei Jungen zwischen 12 und 16 Jahren sank die positive Einstellung gegenüber Homosexualität auf 22 Prozent.
- Vor vier Jahren lag der Anteil nahezu doppelt so hoch.
- Auch bei Mädchen ging die Zustimmung deutlich zurück – von 78 auf 51 Prozent.
- Die Forscher sehen den Rückgang unabhängig von Migrationshintergrund, Wohlstand oder Schulform.
- Lehrer berichten, der Umgang mit LGBTIQ+-Themen sei rauer geworden.
- Der niederländische LGBTIQ+-Verband COC spricht von einer „schockierenden Entwicklung“ und fordert Maßnahmen.
Akzeptanz sinkt weiter
Die Untersuchung wurde von der Universität Utrecht und dem Trimbos-Institut durchgeführt. In die Erhebung flossen Angaben von mehr als 6.600 Schülerinnen und Schülern ein. Es ist bereits die zweite Schock-Studie innerhalb von zwei Jahren, im Jahr 2024 stellte der Jugendgesundheitsmonitor des niederländischen Gesundheitsdienstes GGD fest, dass die Akzeptanz von Homosexualität unter Jugendlichen von 69 auf nur noch 43 Prozent gesunken ist. Nun sind diese Zahlen innerhalb von zwei Jahren offenbar noch einmal auf 36,5 Prozent für Jungen und Mädchen zusammen gesunken. Nur noch jeder dritte Jugendliche hat damit kein Problem mit Schwulen und Lesben in den Niederlanden.
Nach Angaben der Forscher der Universität Utrecht lässt sich die jüngste Entwicklung nicht einfach mit sozialen oder demografischen Faktoren erklären. Der Rückgang zeige sich unabhängig vom Migrationshintergrund, vom Einkommen der Familie oder von der besuchten Schulform. Der Rückgang zeigt sich sowohl an berufsorientierten VMBO-Schulen als auch an stärker akademisch ausgerichteten VWO-Schulen. Auch zwischen wohlhabenden und weniger wohlhabenden Haushalten zeige sich kein grundlegender Unterschied. Die Entwicklung betrifft damit unterschiedliche Gruppen innerhalb der niederländischen Jugend.
Einfluss der sogenannten „Manosphere“
Der Bericht verweist zugleich auf Veränderungen im digitalen Umfeld junger Menschen. Eine Rolle spiele demnach die sogenannte „Manosphere“ – ein Sammelbegriff für überwiegend online verbreitete Gemeinschaften und Inhalte, die sich mit Männlichkeit und Geschlechterrollen beschäftigen. Der Bericht beschreibt dabei eine Botschaft, die unter anderem auf ein starres Verständnis von Männlichkeit setzt: Männer müssten demnach stets dominant, reich und heterosexuell sein, Frauen dagegen unterwürfig und attraktiv. Für homosexuelle Lebensweisen bleibe in diesem Weltbild wenig Raum. Die entsprechenden Vorstellungen seien nach Einschätzung der Autoren längst nicht mehr ausschließlich ein Internetphänomen. Lehrer berichteten ebenso, dass entsprechende Rhetorik auch in Klassenzimmern immer wieder auftauche.
Raueres gesellschaftliches Klima
Die Forscher der Universität sehen die Entwicklung zudem vor dem Hintergrund eines zunehmend härteren gesellschaftlichen und politischen Klimas. Die Auswirkungen gingen dabei über politische Debatten hinaus. Das gesellschaftliche Klima könne damit auch die Sicherheit und das Wohlbefinden von LGBTIQ+-Jugendlichen beeinflussen. Die Entwicklung könnte zudem Teil eines umfassenderen gesellschaftlichen Wandels sein. Andere Langzeitstudien hätten bereits darauf hingedeutet, dass diese Generation bei Themen wie Geschlechterrollen und Abtreibung konservativere Einstellungen vertritt als Millennials im gleichen Alter.
Queerer Verein fordert Konsequenzen
Der niederländische LGBTIQ+-Verband COC bezeichnete die Entwicklung als „schockierende Entwicklung“ und fordert Maßnahmen von Regierung, Schulen und sozialen Netzwerken. Die Zahlen seien nicht lediglich abstrakte statistische Werte. Sie spiegelten nach Darstellung des Verbands und der Autoren ein gesellschaftliches Umfeld wider, in dem homosexuelle Jugendliche mit zunehmender Ablehnung konfrontiert sein könnten. Die Studie dient damit auch als Hinweis darauf, dass die gesellschaftliche Akzeptanz homosexueller wie auch queerer Menschen nicht zwangsläufig dauerhaft zunimmt. Gerade bei Jugendlichen zeigt sich demnach aktuell eine deutliche Gegenbewegung.