Kolumbien sagt Nein zu LGBTIQ+ Hunderte Community-Tote trotz Schutzgesetzen
Kolumbien zieht sich aus der internationalen Equal Rights Coalition zurück. Die von der Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella getroffene Entscheidung betrifft eine internationale Allianz, die sich für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten weltweit einsetzt.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Regierung von Präsident Abelardo de la Espriella zieht Kolumbien aus der internationalen Equal Rights Coalition zurück.
- Die Koalition setzt sich weltweit für die Rechte lesbischer, schwuler, bisexueller, trans* und intergeschlechtlicher Menschen ein.
- Die Organisation Caribe Afirmativa bezeichnet den Austritt als schweren Rückschlag für die kolumbianische Menschenrechts- und Außenpolitik.
- De la Espriella hat mehrere prominente Vertreter des rechten politischen Spektrums in seine Regierung berufen und einen „Kulturkampf“ gegen das angekündigt, was er als „Gender-Ideologie“ bezeichnet.
- Gleichzeitig bestehen in Kolumbien trotz gesetzlicher Schutzmechanismen weiterhin erhebliche Gefahren für LGBTIQ+-Menschen. Menschenrechtsorganisationen berichten von zahlreichen Tötungen, Bedrohungen und anderen Formen von Gewalt.
Scharfe Kritik von Menschenrechtsverein
Das Außenministerium teilte den Austritt in einem Schreiben an die Organisation mit. Kolumbien hatte die Koalition gemeinsam mit Spanien mitgeleitet. Die Amtszeit der beiden Länder sollte eigentlich noch bis Februar 2027 dauern. Der Rückzug erfolgt damit vorzeitig. Die Equal Rights Coalition wurde 2016 gegründet und vereint mehr als 40 Staaten. Sie soll die internationale Zusammenarbeit zum Schutz und zur Förderung der Rechte von LGBTIQ+-Menschen stärken. Caribe Afirmativa, eine kolumbianische Nichtregierungsorganisation für die Rechte von LGBTIQ+-Menschen, die an der internationalen Initiative beteiligt war, kritisierte den Schritt scharf. Die Organisation bezeichnete die Entscheidung als „einen schweren Rückschlag für die Außenpolitik und die Verpflichtungen gegenüber den Rechten von LGBTIQ+-Menschen“.
In einer Stellungnahme hieß es: „Wir betrachten diesen Schritt außerdem als Affront gegenüber der internationalen Gemeinschaft, als Abkehr von der Führungsrolle, die Kolumbien aufgebaut hatte, und als unmissverständliches politisches Signal darüber, welchen Stellenwert die derzeitige Regierung den Rechten von LGBTIQ+-Menschen einzuräumen bereit ist.“ Die kolumbianische Regierung erklärte dagegen, die Teilnahme an dem internationalen Mechanismus sei nicht prioritär. Zugleich verwies sie auf den bestehenden verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Schutz von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.
Konservativer neuer Kurs
De la Espriella hat mehrere prominente Vertreter des rechten politischen Spektrums in seine Regierung berufen und angekündigt, einen „Kulturkampf“ gegen das zu führen, was als „Gender-Ideologie“ bezeichnet wird. Darüber hinaus lehnen De la Espriella und mehrere Mitglieder seines Kabinetts das Recht homosexueller Paare auf Adoption ab. Berichten zufolge wurde zudem der neu ernannte Leiter einer zentralen Planungsbehörde entlassen, weil er gemeinsam mit seinem homosexuellen Partner ein Kind adoptiert hatte. Kolumbien hatte in den vergangenen Jahren zugleich vor dem diesjährigen Regierungswechsel wichtige rechtliche Schritte zur Gleichstellung vollzogen. Unter anderem bestätigte das Land die gleichgeschlechtliche Ehe und die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare.
Gewalt gegen LGBTIQ+-Menschen
Der politische Kurswechsel fällt in eine Zeit, in der LGBTIQ+-Menschen in Kolumbien weiterhin mit Gewalt und Diskriminierung konfrontiert sind. Human Rights Watch berichtete unter Berufung auf die Organisation Caribe Afirmativo, dass 2024 insgesamt 164 homosexuelle und queere Menschen in Kolumbien getötet wurden. Trotz verfassungsrechtlicher Schutzbestimmungen bestünden weiterhin hohe Risiken durch Gewalt und Diskriminierung. Caribe Afirmativo registrierte für 2025 sogar 270 getötete LGBTIQ+-Menschen. Nach Angaben der Organisation entsprach dies durchschnittlich einem Tötungsdelikt alle 32 Stunden. Zugleich wurden zahlreiche Drohungen und weitere Formen von Gewalt dokumentiert.
Besonders gefährdet sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen gerade auch schwule Männer, immer wieder kommt es zu Hassattacken oder Angriffen. Auch staatliche Stellen haben inzwischen auf die schwierige Sicherheitslage hingewiesen. Die kolumbianische Generalstaatsanwaltschaft verfügt über spezielle Leitlinien für die Untersuchung von Straftaten, die aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität eines Opfers begangen wurden. In mehreren Regionen, insbesondere dort, wo bewaffnete Gruppen Einfluss ausüben, berichten Behörden und Organisationen zudem von Drohungen, gezielten Tötungen und sogenannten „sozialen Säuberungen“ gegen LGBTIQ+-Menschen.