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LGBT History Month Warum Erinnern auch Zukunft bedeutet

Von ms - 01.10.2026 - 12:00 Uhr
LGBT History Month
Foto: IMAGO / Bildgehege
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Der LGBT History Month im Oktober erinnert an Verfolgung, Widerstand und Erfolge homosexueller und queerer Menschen – und daran, dass Gleichberechtigung damals wie heute nicht selbstverständlich ist. Der Oktober ist für die queere Community mehr als ein Monat im Kalender. Er ist eine Einladung, zurückzublicken: auf Menschen, die für ihre Liebe verfolgt wurden, auf Aktivisten, die sich gegen Diskriminierung stellten, auf Tragödien, die lange verschwiegen wurden – und auf politische Veränderungen, die heute für viele selbstverständlich erscheinen. Der LGBT History Month macht sichtbar, was sonst leicht aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden könnte. 

Seinen Ursprung hat der LGBT History Month in den USA. Der Geschichtslehrer Rodney Wilson aus Missouri entwickelte 1994 die Idee, einen eigenen Monat der Geschichte lesbischer und schwuler Menschen zu widmen. Der Oktober wurde unter anderem deshalb gewählt, weil der National Coming Out Day am 11. Oktober begangen wird. Auch die Märsche nach Washington für die Rechte von Lesben und Schwulen in den Jahren 1979 und 1987 fielen in den Oktober. Heute geht es international beim LGBT History Month nicht allein darum, bekannte Namen zu feiern. Es geht um eine Geschichte, die aus vielen einzelnen Lebensgeschichten besteht. Manche davon sind weltbekannt, andere fast gar nicht, weil LGBTIQ+-Geschichte lange nur aus der Perspektive ihrer Gegner erzählt wurde.

Mehr als Stonewall und Aids

Kaum ein Ereignis steht so sehr für den Beginn der modernen LGBTIQ+-Bewegung wie der Stonewall-Aufstand in New York im Juni 1969. Stonewall war allerdings nicht der Beginn des homosexuellen Widerstands. Bereits zuvor hatten sich Menschen gegen Polizeigewalt, Diskriminierung und staatliche Repression organisiert. Die Bedeutung von Stonewall liegt vielmehr darin, dass sich die Ereignisse zu einem weithin sichtbaren Symbol entwickelten. Aus einem Aufstand wurde die alljährliche Pride-Tradition – und schließlich eine weltweite Bewegung. Zur LGBTIQ+-Geschichte gehören allerdings nicht nur Erfolge. 

Ein besonders erschütterndes Beispiel ist der Brand in der UpStairs Lounge in New Orleans am 24. Juni 1973. Die Bar im French Quarter war ein wichtiger Treffpunkt der örtlichen Schwulen-Community. Bei einem Feuer starben 32 Menschen. Bis zum Anschlag auf den Pulse-Nachtclub in Orlando 2016 galt der Brand als der tödlichste Angriff auf einen schwulen Club in der amerikanischen Geschichte, die Zeitung sprach damals von „Dantes Inferno“ und „Hitlers Krematorium“. Die offizielle Ursache wurde nie abschließend geklärt, niemand wurde wegen der Tat festgenommen. Auch der gesellschaftliche Umgang mit der Katastrophe zeigt, wie wenig Wert homosexuelles Leben damals vielerorts beigemessen wurde. 

In den 1980er Jahren wurde die schwule Community dann erneut mit einer historischen Katastrophe konfrontiert: der AIDS-Krise. Am 5. Juni 1981 veröffentlichte die US-Gesundheitsbehörde CDC einen Bericht über fünf zuvor gesunde junge Männer in Los Angeles, die an einer seltenen und schweren Form einer Lungenentzündung erkrankt waren. Kurz darauf wurden auch ungewöhnlich viele Fälle des Kaposi-Sarkoms unter schwulen Männern in New York beobachtet. Damit begann die öffentliche Dokumentation dessen, was sich zur AIDS-Epidemie entwickeln sollte. Die Krise bedeutete für viele schwule Männer nicht nur eine lebensbedrohliche Erkrankung. Sie war zugleich mit Angst, Stigmatisierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung verbunden. Aktivisten kämpften deshalb nicht nur für medizinische Forschung und bessere Behandlung, sondern auch gegen die politische Untätigkeit und die Stigmatisierung von Menschen mit HIV. Gerade dies gehört zu den wichtigen Lehren jener Tage: Fortschritt entsteht nicht automatisch. 

Von Pragraf 175 bis Homo-Ehe

Auch in Deutschland ist die Geschichte homosexueller Menschen eng mit staatlicher Verfolgung verbunden. Ein besonders dunkles Kapitel ist der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches. Er stellte sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe und wurde während der NS-Zeit noch einmal erheblich verschärft. Nach Schätzungen wurden zwischen 1933 und 1945 rund 50.000 Männer wegen des Paragrafen 175 verhaftet; bis zu 15.000 wurden in Konzentrationslager deportiert. Tausende wurden dort ermordet. Doch die Verfolgung endete nicht 1945, weitere rund 50.000 Männer wurden deswegen verurteilt. Endgültig gestrichen wurde der 175er erst 1994. Ein weiterer Wendepunkt liegt auf internationaler Ebene. 

Am 17. Mai 1990 strich die Weltgesundheitsversammlung Homosexualität aus der Klassifikation psychischer Erkrankungen (ICD). Homosexualität wurde damit nicht länger als psychische Störung klassifiziert. Der 17. Mai wurde später zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit – dem heutigen IDAHOBIT. Auch dieser Schritt war kein plötzliches Geschenk der Institutionen. Er war Ergebnis jahrzehntelanger wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Der nächste Meilenstein: Während viele Länder noch über die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare diskutierten, wagten die Niederlande einen historischen Schritt. Am 1. April 2001 öffnete das Land als erstes weltweit die Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare. Ein Vierteljahrhundert später zeigt sich, welche Signalwirkung diese Entscheidung hatte: Zahlreiche weitere Staaten folgten, doch auch heute werden gleichgeschlechtliche Ehen noch immer nicht weltweit anerkannt; Deutschland folgte am 1. Oktober 2017. Zur jüngeren Geschichte gehört schließlich ein Ereignis, das sich bereits jetzt tief in das Gedächtnis der Community eingebrannt hat: der Anschlag auf den Pulse-Nachtclub in Orlando. Am 12. Juni 2016 eröffnete Omar Mateen dort das Feuer. Insgesamt wurden 49 Menschen ermordet, 58 weitere verletzt.

Keine Nostalgie, Mut für Veränderung

Der History Month könnte leicht wie ein nostalgischer Rückblick wirken. Doch genau das soll er nicht sein. LGBTIQ+-Geschichte erzählt nicht nur davon, was einmal passiert ist. Sie erklärt, wie heutige Rechte entstanden sind. Sie macht sichtbar, wer dafür gekämpft hat. Und sie erinnert daran, dass gesellschaftliche Veränderungen nicht unumkehrbar sind. Wer heute heiraten kann, ohne dass das Geschlecht des Partners ein rechtliches Hindernis darstellt, lebt in einer anderen Realität als Menschen, die noch unter Paragraf 175 verfolgt wurden. Wer offen über die eigene sexuelle Orientierung sprechen kann, profitiert von Jahrzehnten gesellschaftlicher Veränderung. Und wer Pride feiern kann, steht in einer Tradition, die unter anderem aus Protesten gegen Polizeigewalt und Diskriminierung hervorgegangen ist. Gerade deshalb ist der LGBT History Month so wichtig. Er gibt Menschen eine Geschichte zurück, die ihnen lange abgesprochen oder verschwiegen wurde. Er erinnert an diejenigen, die nicht mehr erzählen können. Er würdigt diejenigen, die sich gewehrt haben. Und er macht deutlich, dass hinter abstrakten Begriffen wie „Gleichstellung“ immer konkrete Menschen stehen.

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