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Massenverhaftung in Kamerun 68 Schwule von der Polizei inhaftiert

Von ms - 07.09.2026 - 11:30 Uhr
Massenverhaftung in Kamerun
Foto: iStock / Elif Bayraktar
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Bei einem Polizeieinsatz in Douala in Kamerun sind mindestens 68 Männer festgenommen worden, die als homosexuell identifiziert oder wahrgenommen wurden. Die Festnahmen erfolgten in den frühen Morgenstunden in den Stadtteilen Makepe und Bonamoussadi.

Das Wichtigste im Überblick

  • In Douala wurden mindestens 68 Menschen festgenommen, die als homosexuell identifiziert oder wahrgenommen wurden.
  • Die Polizei begründete den Einsatz mit mutmaßlichen sexuellen Kontakten in einer Bar.
  • Bis auf neun Festgenommene kamen die meisten Betroffenen wieder frei, teilweise gegen eine Kaution.
  • Unter den zunächst neun Inhaftierten ist ein 16-jähriger Jugendlicher.
  • Gegen alle neun wurden unter anderem Vorwürfe wegen homosexueller Handlungen, der Gefährdung eines Minderjährigen und unerlaubter Nutzung militärischer Ausrüstung erhoben.
  • Die neun Beschuldigten wurden in das New Bell Central Prison in Douala gebracht. Der Prozess soll heute beginnen.
  • Menschenrechtsorganisationen sammeln Geld für Lebensmittel, Rechtsbeistand und medizinische Versorgung.

Striktes Vorgehen gegen Schwule

Der Leiter der Polizeiwache Ndongbong begründete den Einsatz damit, dass sich männliche Homosexuelle in einer örtlichen Bar aufgehalten hätten, die über Räume für sexuelle Kontakte verfügte. Die Polizei erklärte, sie habe die Bar durchsucht und in den privaten Räumen Kondome, Gleitmittel und Sexspielzeug gefunden. Viele Einzelheiten zu den Festnahmen sind weiterhin unklar. Fest steht, dass bis auf neun Betroffene die meisten nach ihrer Überstellung zu verschiedenen Polizeiwachen wieder freigelassen wurden. Mehrere Festgenommene, darunter Männer, die zur Polizeiwache Akwa-Nord gebracht worden waren, kamen gegen eine Kaution von 25.000 CFA-Francs (etwa 38 Euro) pro Person frei – das durchschnittliche Monatsgehalt liegt im Land aktuell bei rund 160 Euro. 

Neun Beschuldigte bleiben in Haft

Acht Menschen wurden zunächst auf der Polizeiwache Ndongbong festgehalten, darunter ein als N.P. bezeichneter 16-jähriger Jugendlicher. Eine neunte Person wurde festgenommen, nachdem sie N.P. besucht hatte. Bei einer anschließenden Durchsuchung ihrer Wohnung erklärte die Polizei, militärische Unterwäsche und weitere Gegenstände gefunden zu haben. Kurz darauf besuchte eine Delegation aus einem Anwalt und Vertretern der Menschenrechtsorganisationen Working for Our Wellbeing und Together for All die Polizeiwache, um sich nach dem Status der Gefangenen zu erkundigen. Die Festnahmen ereigneten sich bereits Ende August, wurden aber erst jetzt publik. 

Inzwischen sollen gegen alle neun Gefangenen Anklagen erhoben worden sein. Dazu gehören homosexuelle Handlungen, die Gefährdung eines Minderjährigen und die unbefugte Nutzung militärischer Ausrüstung. Das Verfahren wurde zunächst an ein Militärgericht übergeben. Dieses verwies den Fall allerdings für weitere Ermittlungen zurück an die Polizei. Schlussendlich ordnete der Regierungskommissar die Inhaftierung der neun Beschuldigten im New Bell Central Prison in Douala an. Der Prozess soll heute beginnen. Der Verteidiger will die Zuständigkeit des Militärgerichts anfechten und eine Verlegung des Verfahrens an das Zivilgericht Ndokoti beantragen.

Menschenrechtler sorgen sich 

Mehrere der Gefangenen sind gesundheitlich angeschlagen. Einer trägt eine Rückenstütze, mehrere haben Fieber. Vier von ihnen haben keine Familie in Douala. Einige verfügen über kein Geld, kein Telefon und keine Ausweisdokumente. Menschenrechtsaktivisten bemühen sich deshalb um finanzielle Unterstützung für Lebensmittel, Rechtsbeistand und medizinische Versorgung. Zudem soll für die Gefangenen eine sichere Unterbringung getrennt von der allgemeinen Gefängnispopulation ermöglicht werden, um mögliche Übergriffe und Gewalttaten gegenüber den Schwulen in Haft zu unterbinden. 

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