Bisexueller Football-Star Mitch Brown spricht über toxische Männlichkeit in der AFL
Der australische Footballspieler Mitch Brown, einer der wenigen Profisportler, die sich offen als bisexuell identifizieren, hat anlässlich des Bi Visibility Month im September öffentlich über seine Erfahrungen mit toxischer Männlichkeit in der Australian Football League gesprochen. In einer viel beachteten Instagram-Kampagne betonte Brown, dass überholte Männlichkeitsvorstellungen auch im Spitzensport nach wie vor verbreitet sind und erklärte, welche stereotype Rollenbilder er selbst ablegen musste.
Das Wichtigste im Überblick
- Mitch Brown, Profispieler im Australian Football, äußert sich öffentlich zu eigenen Erfahrungen mit toxischer Männlichkeit.
- Die AFL hatte bis Browns Coming-out 2025 keinen offen schwulen oder bisexuellen Spieler.
- Homophobe Vorfälle im australischen Profifußball halten trotz öffentlicher Debatten weiter an.
- Brown berichtet von anhaltender Bi-Erasure sogar im privaten Umfeld.
- Mit Browns Vorstoß wird die Problematik personalisiert und für jüngere Generationen sichtbar gemacht.
Männlichkeitsbilder und Diskriminierung in der AFL
Nach Angaben mehrerer australischer Medien wandte sich Mitch Brown auf Instagram direkt an seine Fans und Follower. Er berichtet, wie schon in seiner Schulzeit „schwul“ als Synonym für Schwäche galt und wie gesellschaftlicher Druck dazu beiträgt, dass viele Junge Männer ihre Gefühle nicht offen zeigen. Die Australian Football League ist eine der physischen Topligen des Landes, jedoch auch geprägt von einer überdurchschnittlich ausgeprägten „Machokultur“. Nach Browns Aussage verstärken häufig auch Teamkollegen und das direkte Umfeld diskriminierende Botschaften. Ein Vorfall, bei dem ein Mitspieler erklärte, lieber „mit Löwen in einen Käfig zu gehen, als neben einem schwulen Mann zu duschen“, beschreibt laut Brown beispielhaft die Stimmung in Teilen des Profisports.
Fortdauernde homophobe Vorfälle trotz Sichtbarkeit
Wie die Seite Outsports dokumentiert, gab es auch nach Browns Coming-out fortgesetzte homophobe Zwischenfälle innerhalb der Liga. Laut ihren Recherchen verzeichnete die AFL allein in den letzten zwei Jahren zehn öffentlich bekannt gewordene Fälle, in denen Spieler oder Offizielle mit schwulenfeindlichen Äußerungen auffielen. Brown berichtet zudem, wie sich Diskriminierung nicht nur auf den Platz beschränkt. So sei er bei einem Konzert von einer Frau aufgefordert worden, seine Bisexualität „zu beweisen“. Dies unterstreicht das Problem sogenannter Bi-Erasure, also der Unsichtbarmachung bisexueller Identitäten – ein Thema, das Studien zufolge insbesondere Männer betrifft.
Neue Impulse für jüngere Generationen im Sport
Brown will mit seinen öffentlichen Äußerungen vor allem jüngeren Menschen Mut machen, sich außerhalb enger Rollenvorgaben zu bewegen. Er nennt Authentizität und Offenheit als Zeichen wirklicher Stärke. Sein zentrales Anliegen ist es, dass Liebe und Freundschaft zwischen Männern nicht mit Schwäche oder gar Makel in Verbindung gebracht werden müssten. Mit seinem Beispiel zeigt Brown, dass öffentliche Sichtbarkeit von bisexuellen Sportlerinnen und Sportlern praktische Auswirkungen für mehr Akzeptanz in und außerhalb des Platzes haben kann.
Die Australian Football League hat nach Medienberichten die Kritik als Anlass genommen, verstärkt Schulungen gegen Diskriminierung im Profibereich zu evaluieren. Ein verbindliches Konzept gegen Homophobie ist nach aktuellem Stand jedoch noch nicht veröffentlicht.