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Mehr Freiheit dank Erbschaft? Vermögenswechsel der Generationen als Stärkung von LGBTIQ+

Von ms - 27.08.2026 - 08:00 Uhr
Mehr Freiheit dank Erbschaft?
Foto: FASH Medien Archiv KI
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Der bevorstehende Übergang riesiger Vermögen von der Babyboomer-Generation auf ihre Nachkommen könnte nach Einschätzung von Experten die Lebensrealität vieler LGBTIQ+-Menschen in den USA verändern. Mehr finanzieller Spielraum könne dazu beitragen, dass Menschen ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität offener leben, ohne wirtschaftliche Nachteile befürchten zu müssen.

Das Wichtigste im Überblick

  • In den kommenden Jahrzehnten sollen Vermögenswerte von rund 124 Billionen US-Dollar von den Babyboomern an jüngere Generationen übergehen.
  • Ein UBS-Ökonom erwartet dadurch mehr wirtschaftliche Unabhängigkeit für offen queere Menschen.
  • LGBTIQ+-Beschäftigte verdienen laut US-Statistiken im Durchschnitt weniger als heterosexuelle Arbeitnehmer.
  • Jüngere Generationen identifizieren sich deutlich häufiger als LGBTIQ+ als ältere.
  • Experten sehen dennoch Hürden wie Benachteiligungen im Erbrecht und gesellschaftliche Diskriminierung.

Generationenwechsel bei Vermögen 

Ausgangspunkt ist der sogenannte „Great Wealth Transfer“, bei dem in den kommenden Jahrzehnten Vermögenswerte in Höhe von rund 124 Billionen US-Dollar von den Babyboomern an die Generation X sowie die Millennials vererbt werden sollen. Darauf verweist ein aktueller Bericht der Schweizer Großbank UBS. Nach Angaben des US Bureau of Labor Statistics verdienen LGBTIQ+-Beschäftigte im Durchschnitt rund 90 Cent für jeden Dollar, den heterosexuelle Arbeitnehmer erhalten. Unterschiede aufgrund weiterer Faktoren wie Geschlecht, Herkunft oder Behinderung seien dabei noch nicht berücksichtigt. Hinzu komme, dass insbesondere trans* Menschen sowie LGBTIQ+-Beschäftigte im öffentlichen Dienst zuletzt verstärkt unter Druck geraten seien. Wer wirtschaftlich auf seinen Arbeitsplatz angewiesen sei, habe deshalb häufig weiterhin einen Anreiz, die eigene sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht offenzulegen.

Neue Chance für LGBTIQ+-Menschen?

Der UBS-Ökonom Paul Donovan erwartet, dass sich diese Ausgangslage mit dem Vermögensübergang zumindest teilweise verändern könnte. In einem Blogbeitrag mit dem Titel „Wealth goes 'woke'“ schreibt er: „Die Vermögensbesitzer werden jünger, weiblicher – und offener queer sein.“ Weiter erklärt Donovan: „Die Ansichten und Werte von LGBTIQ+-Investoren werden für Anlagestrategien und die weltweiten Kapitalkosten erheblich an Bedeutung gewinnen.“

Nach einer aktuellen Gallup-Umfrage identifizieren sich inzwischen mehr als neun Prozent der US-Bevölkerung als LGBTIQ+. Das ist nahezu doppelt so viel wie noch 2012. Besonders deutlich zeigen sich Unterschiede zwischen den Generationen. Während sich 5,1 Prozent der Angehörigen der Generation X als LGBTIQ+ bezeichnen, liegt der Anteil bei den Millennials bereits bei 14 Prozent. In der Generation Z identifizieren sich nach der Umfrage sogar 23 Prozent als queer oder homosexuell.  Mehr Vermögen könnte nach Einschätzung des Autors dazu beitragen, dass künftig ein größerer Teil dieser Menschen finanziell unabhängig genug ist, um offener leben zu können, ohne Benachteiligungen am Arbeitsplatz oder gesellschaftliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Probleme für queere Menschen 

Allerdings verweist Donovan auch auf mehrere Einschränkungen. So sei die durchschnittliche Lebenserwartung queerer Menschen aus verschiedenen Gründen – darunter schlechterer Zugang zur Gesundheitsversorgung und Hasskriminalität – häufig geringer als die heterosexueller Menschen. Zudem könnten homophobe Familien oder gesetzliche Regelungen dazu führen, dass offen queere Angehörige bei Erbschaften benachteiligt würden. Auch mögliche Einschränkungen der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare könnten Auswirkungen auf Erbansprüche haben. Dennoch sieht der Ökonom langfristig Anzeichen für einen Wandel. Laut dem Bericht legen 86 Prozent der LGBTIQ+-Investoren besonderen Wert auf philanthropisches Engagement für Diversität und Chancengleichheit. Damit könnten queere Vermögensinhaber künftig nicht nur wirtschaftlich an Einfluss gewinnen, sondern auch stärker bestimmen, welche gesellschaftlichen Projekte und Investitionen unterstützt werden.

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