Tödliche Dating-Masche Homophober Hass im Fokus der österreichischen Ermittlungen
Grausamer Mord nach Dating-Masche in Niederösterreich: Nach dem gewaltsamen Tod eines 29-jährigen Mannes in Langenzersdorf hat der tatverdächtige 18-Jährige jetzt ein Geständnis abgelegt. Wie die Ermittler mitteilten, räumte der junge Mann nach der letzten Vernehmung durch die Mordgruppe des Landeskriminalamts Niederösterreich die tödliche Attacke ein.
Das Wichtigste im Überblick
- Ein 18-Jähriger hat den Tod eines 29-jährigen Mannes in Langenzersdorf gestanden.
- Ermittler prüfen, ob Hass auf Homosexuelle das Motiv für die Tat war.
- Das Opfer soll über soziale Medien zu einem Treffen gelockt worden sein.
- Die Polizei untersucht zudem mögliche Verbindungen des Verdächtigen zur sogenannten Pädo-Hunter-Szene.
Homophobie als Tatmotiv?
Bei seiner ersten Befragung habe der Verdächtige noch „wirre Angaben“ gemacht. Später gestand er nach Angaben der Ermittler den Angriff auf den 29-Jährigen. Der 18-jährige ungarische Staatsbürger soll Zugang zu dem Haus gehabt haben, weil er während der Abwesenheit eines Nachbarn auf das Gebäude aufgepasst hatte. Nach seiner Festnahme wurde er in die Justizanstalt Korneuburg eingeliefert. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht weiterhin die Frage nach dem Motiv. Die Landespolizeidirektion Niederösterreich und die Staatsanwaltschaft Korneuburg wollten sich dazu mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen bislang nicht näher äußern.
Nach bisherigen Erkenntnissen verdichten sich jedoch die Hinweise, dass das Opfer in dem Haus in der Krottendorfer Straße gezielt in eine Falle gelockt worden sein könnte. Der Verdächtige soll den Wiener zuvor über soziale Medien kennengelernt haben. Nach derzeitigem Ermittlungsstand könnte Hass auf Homosexuelle das Motiv gewesen sein. Der 18-Jährige soll den 29-Jährigen so lange mit bloßen Händen attackiert und auf ihn eingeprügelt haben, bis dieser leblos am Boden lag.
18-Jähriger auf „Pädo-Jagd“
In Ermittlerkreisen sorgt insbesondere die Brutalität der Tat für Bestürzung. Zugleich verweise der Fall auf die zunehmende Gefahr, die von der sogenannten Pädo-Hunter-Szene in Österreich ausgehen könne. Als „Pädo-Hunter“ werden überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene bezeichnet, die nach eigenen Angaben gegen mutmaßliche Sexualstraftäter vorgehen, dabei jedoch Selbstjustiz ausüben. Dabei werden Männer häufig mit gefälschten Profilen in Chats zu Treffen gelockt. Den Opfern wird oftmals zu Unrecht Pädophilie unterstellt, um die anschließenden Gewalttaten zu rechtfertigen. Die Angriffe werden häufig als homophobe Hasskriminalität eingeordnet.
Erst im Mai dieses Jahres verurteilte das Landesgericht Salzburg drei junge Männer und eine Frau zu langen Freiheitsstrafen. Sie hatten mit Fake-Profilen auf einer Dating-Plattform einen Mann unter dem Vorwand eines Treffens mit einer vermeintlichen 14-Jährigen angelockt. Das Opfer wurde schwer misshandelt und erlitt erhebliche Verletzungen. Bei mehreren Angeklagten erkannten die Geschworenen zudem auf versuchten Mord. Ob der nun festgenommene 18-Jährige Teil eines solchen Netzwerks ist, ist derzeit noch unklar. Die Ermittlungen in seinem persönlichen Umfeld dauern an. Nach Angaben der Ermittler sollen unter anderem Freunde und Angehörige des Verdächtigen befragt werden.