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Viagra gegen Krebs? Hoffnung auf weitere Therapien

Von ms - 04.08.2026 - 12:30 Uhr
Viagra gegen Krebs?
Foto: iStock / nito100
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Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben jetzt Hinweise auf eine mögliche neue Anwendung des Wirkstoffs Sildenafil gefunden, der unter dem Markennamen „Viagra“ zur Behandlung von Erektionsstörungen bekannt ist. Nach Einschätzung der Forscher könnte Sildenafil dazu beitragen, die Ausbreitung von Krebs im Körper zu begrenzen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Wissenschaftler der Universität Tel Aviv untersuchen einen möglichen neuen Einsatz von Sildenafil, dem Wirkstoff von Viagra.
  • Der Wirkstoff könnte möglicherweise verhindern, dass sich Krebszellen im Körper ausbreiten.
  • Entscheidend ist dabei die Rolle von Cholesterin, das Krebszellen für die Bildung von Metastasen benötigen.
  • Die Forschung befindet sich noch in einer frühen Phase und basiert bislang nicht auf randomisierten Studien.
  • Fachleute betonen mögliche Chancen, warnen aber vor einer unkontrollierten Einnahme von Medikamenten gegen Erektionsstörungen.

Viagra könnte Krebs bremsen

Der mögliche Effekt hängt demnach mit dem Umgang von Krebszellen mit Cholesterin zusammen. Dieses spielt eine wichtige Rolle dabei, dass sich Krebszellen vom ursprünglichen Tumor lösen, durch den Körper wandern und weitere Organe befallen können. Das US-amerikanische National Cancer Institute veröffentlichte am vergangenen Wochenende Informationen zu der Untersuchung auf der Plattform X. Die Studie wurde Anfang 2026 durchgeführt und jetzt veröffentlicht. „Cholesterin ist besonders wichtig für Krebszellen, die sich vom primären Tumor lösen, durch den Körper wandern und entfernte Organe befallen“, erklärten die Forscher. Wird der Zugang der Krebszellen zu Cholesterin eingeschränkt, könnten sie demnach schlechter „Metastasen bilden“. Dieser Vorgang beschreibt die Ausbreitung von Krebszellen vom Ursprungsort in andere Körperbereiche über die Blutbahn.

Erste Ergebnisse machen Hoffnung

Die Wissenschaftler betonen, dass sich die Forschung noch in einem frühen Stadium befindet. Dennoch seien die bisherigen Erkenntnisse vielversprechend. „Die Kombination könnte nicht nur den Zugang von Krebszellen zu bereits vorhandenem Cholesterin begrenzen, sondern auch verhindern, dass sie neues Cholesterin produzieren. Dadurch könnte der antimetastatische Effekt möglicherweise verstärkt werden“, heißt es in der Studie weiter.

Die Ergebnisse lösten in sozialen Medien große Aufmerksamkeit aus. Ein Nutzer schrieb augenzwinkernd mit Blick auf den Sparkurs im US-Gesundheitsbereich: „Das eine potenzielle Krebsmedikament, dessen Forschung die Republikaner nicht kürzen werden. Touché.“ Wissenschaftler mahnen jedoch zur Vorsicht. Ein Forscher wies auf X darauf hin, dass es sich bei den bisherigen Untersuchungen nicht um randomisierte Studien gehandelt habe. „Viele Erkenntnisse wie diese halten einer Überprüfung nicht stand, wenn man sie schließlich testet“, schrieb er.

Blick auf die schwule Community 

Trotz der offenen Fragen sehen Fachleute einen Anlass, die möglichen zusätzlichen Einsatzgebiete von Medikamenten gegen Erektionsstörungen weiter zu untersuchen. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass auch andere Wirkstoffgruppen wie GLP-1-Medikamente – die umgangssprachliche Abnehmspritze – zunehmend mit verschiedenen gesundheitlichen Effekten in Verbindung gebracht werden. Auch innerhalb der schwulen Community wird über die Nutzung von Medikamenten gegen Erektionsstörungen diskutiert. Viele schwule Männer berichten, solche Mittel einzusetzen, um sexuelle Nebenwirkungen von Antidepressiva auszugleichen, die eine Erektion erschweren oder den Orgasmus beeinflussen können.

Urologen erklärten zuletzt in US-Medien, dass schwule Männer aus verschiedenen Gründen häufiger mit Erektionsproblemen konfrontiert sein könnten. Dazu gehörten unter anderem Faktoren wie die höhere Zahl sexueller Partnerschaften. Mit der zunehmenden Akzeptanz von Medikamenten wie PrEP und DoxyPEP zur HIV- beziehungsweise STI-Prävention sei es nach Ansicht vieler an der Zeit, auch offener über Medikamente gegen Erektionsstörungen zu sprechen.

Stärkere Erektionen bei Schwulen

Zwar gebe es nur wenige wissenschaftliche Hinweise darauf, dass schwule Männer solche Medikamente häufiger einnehmen als heterosexuelle Männer. Die Annahme sei jedoch nachvollziehbar. Dr. Philip Cheng, Leiter der Urologie bei Reproductive Medicine Associates of New Jersey und Peak Men’s Health, sagte: „Schwule Männer nutzen im Allgemeinen eher Behandlungen zur sexuellen Leistungssteigerung.“ Weiter erklärte er: „Viele meiner jüngeren schwulen Patienten fragen nach ED-Medikamenten wie Viagra, Cialis oder ähnliches – und es geht dabei eher um Leistungssteigerung. Sie haben keine schweren Probleme. Sie möchten mit diesen Medikamenten stärkere Erektionen erreichen.“

Experten weisen zugleich auf mögliche Risiken hin. Eine Studie aus dem Jahr 2021 kam zu dem Ergebnis, dass jüngere Männer eine „psychologische Abhängigkeit“ von Medikamenten gegen Erektionsstörungen entwickeln könnten, wenn diese ohne medizinische Notwendigkeit eingesetzt werden. Sollte sich die Wirkung in weiteren Untersuchungen bestätigen, könnte Sildenafil künftig eine zusätzliche Rolle in der Medizin spielen. Bis dahin bleibt der mögliche Einsatz gegen Krebs Gegenstand weiterer Forschung.

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