Neue Rekorde bei RuPaul Guinness-Weltrekord für die Queen of Drag
Mit einer Rekordkulisse hat Drag-Ikone RuPaul (65) einen weiteren Eintrag in die Guinness-Bücher geschafft. Beim „Drag Me to Cowboys“-Event im Rahmen des Cowboys Music Festival in Calgary in der kanadischen Provinz Alberta verfolgten insgesamt 7.423 Menschen die Show. Damit wurde nach Angaben von Guinness World Records ein neuer Weltrekord für die größte Zuschauerzahl bei einer Drag-Veranstaltung aufgestellt. Für RuPaul sind Rekorde indes nichts neues, blickt man allein auf seine zahlreichen Emmy-Nominierungen.
Das Wichtigste im Überblick
- Beim „Drag Me to Cowboys“-Event in Calgary wird mit 7.423 Gästen ein Guinness-Weltrekord aufgestellt.
- RuPaul tritt gemeinsam mit Stars aus „RuPaul’s Drag Race“ auf.
- Veranstalter wollen mit dem Rekord ein Zeichen für die Sichtbarkeit der LGBTIQ+-Community setzen.
- Drag-Künstler kritisieren zugleich das politische Klima in der kanadischen Provinz Alberta.
- Aktivisten warnen vor den Folgen neuer Gesetze für queere Jugendliche.
Besucherrekord in Alberta
Gemeinsam mit RuPaul standen zahlreiche bekannte Gesichter aus „RuPaul’s Drag Race“ auf der Bühne, darunter Sasha Velour, Sasha Colby, Roxxxy Andrews und Coco Montrese. Ergänzt wurde das Programm durch lokale kanadische Drag-Künstlerinnen und -Künstler. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Dragqueen Farrah Nuff aus Calgary. „Diese Show ist seit einem Jahrzehnt eine Herzensangelegenheit gemeinsam mit Cowboys“, sagte Farrah Nuff dem Calgary Herald. „Es ist wirklich wunderbar, dass wir die größte Drag-Show der Welt auf einer der größten Musikbühnen überhaupt veranstalten können.“
Auch die Drag-Künstlerin Karla Marx wertete den Besucherrekord als gesellschaftliches Signal. „Es zeigt, dass Queerness in Alberta gefeiert wird und willkommen ist“, sagte sie dem Calgary Herald. „Auf den größten Bühnen und bei den größten Feierlichkeiten in Kanada und Alberta ist Queerness ein lebendiger Teil unserer Gemeinschaften.“ Nach Angaben der Veranstalter soll der Rekord weit über die eigentliche Veranstaltung hinaus wirken. „Unser Ziel mit diesem Rekord ist es, daraus einen Titel zu machen, um den künftig weltweit gerungen wird, indem Größe und Bedeutung von Drag-Auftritten weiter wachsen.“
Weiter erklärten sie: „Es ist immer größer und größer geworden und hat sich zu diesem epischen Abenteuer entwickelt, das ‚Drag Me to Cowboys‘ bei jedem Stampede-Festival ist. Es ist einfach das Coolste, was wir machen dürfen.“ Auch Guinness-Rekordrichterin Tina Shi hob die besondere Atmosphäre hervor. „Die Menschen wurden durch die Musik miteinander verbunden“, sagte sie. „Das hat sie inspiriert, das Leben intensiver zu genießen und die Leidenschaft und Freude von Musik und Tanz zu erleben.“
Laut, fröhlich und ausgelassen
Trotz großer Hitze feierten die Besucherinnen und Besucher stundenlang in einem Freiluftzelt. Der Calgary Herald beschrieb die Veranstaltung als eine „laute und ausgelassene Halle, wie geschaffen für Queens (und Kings)“. Zu den Höhepunkten gehörte der Auftritt von Sasha Velour, die zunächst als blauer, mit Fransen verzierter Sessel zur Musik von „Waitin’ Tonight“ von Nari auftrat und sich anschließend spektakulär aus ihrem Kostüm befreite. Es folgten Auftritte von Sasha Colby, Nearah Nuff, Roxxxy Andrews, Coco Montrese sowie weiterer kanadischer Künstlerinnen und Künstler.
Den Schlusspunkt setzte RuPaul selbst. Die als „Queen of Drag“ bekannte Entertainerin tanzte nicht nur auf der Bühne, sondern legte auch als DJ auf. Das Cowboys Music Festival fand in diesem Jahr zum 30. Mal statt. Zum Jubiläum wollten die Veranstalter nach eigenen Angaben mit einem offiziellen Weltrekord zeigen, dass die LGBTIQ+-Community „lebendiger denn je“ sei. Gleichzeitig solle weltweit mehr Aufmerksamkeit für die Geschichte und die Kunstform des Drag geschaffen werden.
Drag ist politisch
Vor Beginn der Veranstaltung bildeten sich lange Warteschlangen vor dem Festivalgelände. Moderatorin Farrah Nuff berichtete zudem von einem Vorfall auf dem Weg zur Show. Ein Fahrer eines Fahrdienstes habe sie und zwei weitere Künstler nach dem Anblick ihrer Drag-Kostüme nicht mitgenommen. „Der Fahrer hielt an, um uns abzuholen, sah uns einmal an und fuhr dann einfach mit hoher Geschwindigkeit davon“, sagte sie dem Calgary Herald. Mit Blick auf das nach ihrer Ansicht angespannte politische Klima in Alberta erklärte Farrah Nuff: „Drag ist politisch. Drag war schon immer politisch und wird immer politisch bleiben.“
Weiter sagte sie: „Sobald ich mein Outfit anhabe, meine Haare gestylt sind und ich nach draußen gehe, ist das ein politisches Statement.“ Der Besucherrekord fällt in eine Zeit, in der die Provinz Alberta neue Regelungen für Schulen eingeführt hat. Diese sehen unter anderem vor, dass Schulen die Zustimmung der Eltern einholen müssen, bevor bei Schülerinnen und Schülern unter 16 Jahren im Zusammenhang mit ihrer Geschlechtsidentität ein anderer Name oder andere Pronomen verwendet werden.
Zudem müssen Eltern künftig ausdrücklich zustimmen, bevor ihre Kinder am Unterricht teilnehmen dürfen, der sich schwerpunktmäßig mit Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung oder menschlicher Sexualität befasst. Zuvor galt ein Opt-out-Modell, bei dem Eltern ihre Kinder bei Bedarf vom Unterricht abmelden konnten. Der Geschäftsführer von Wood Buffalo Pride, Mitchel Bowers, sieht darin negative Folgen für junge queere Menschen. „Wir erleben eindeutig einen Rückgang der Sichtbarkeit“, sagte er. „Wir sehen, dass weniger Jugendliche teilnehmen können, und wir beobachten einen Anstieg von Mobbing.“ Weiter erklärte Bowers: „Die Auswirkungen der aktuellen Regierung schaden queeren Menschen in unseren Gemeinschaften unmittelbar.“