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Angriff auf queere US-Kinder Großer Sorge um Sicherheit von LGBTIQ+-Pflegekinder in den USA

Von ms - 16.07.2026 - 10:30 Uhr
Angriff auf queere US-Kinder
Foto: iStock / ipolonina
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Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat bundesweite Schutzvorschriften für LGBTIQ+-Kinder und -Jugendliche in Pflegefamilien aufgehoben. Das US-Gesundheitsministerium unter Minister Robert F. Kennedy Jr. strich eine Regelung aus der Amtszeit von Präsident Joe Biden, die unter anderem unterstützende Unterbringungen fördern und Kinder vor sogenannten Konversionstherapien sowie Vergeltungsmaßnahmen schützen sollte.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die US-Regierung unter Donald Trump hat bundesweite Schutzregelungen für LGBTIQ+-Kinder in Pflegefamilien aufgehoben.
  • Betroffen sind unter anderem Vorgaben zu unterstützenden Pflegeplätzen und zum Schutz vor Konversionstherapien.
  • Ehemalige Regierungsvertreter und Interessenverbände kritisieren die Entscheidung scharf.
  • Die Regierung begründet den Schritt unter anderem mit Rechtssicherheit und Kosteneinsparungen.
  • Künftig hängt der Schutz von LGBTIQ+-Pflegekindern stärker von den Regelungen einzelner Bundesstaaten ab.

Schutzregelungen werden aufgehoben

Kritiker sehen in dem Schritt einen erheblichen Rückschlag für eine besonders gefährdete Gruppe. LGBTIQ+-Jugendliche seien im Pflegesystem überdurchschnittlich häufig vertreten und litten dort besonders oft unter Ablehnung, Instabilität und psychischen Belastungen. Studien, darunter Untersuchungen des Williams Institute an der UCLA School of Law, zeigen, dass LGBTIQ+-Jugendliche im Pflegesystem schlechtere Erfahrungen machen als andere Kinder. Nach Angaben der Organisation The Trevor Project hatten LGBTIQ+-Jugendliche mit Pflegeerfahrung nahezu dreimal so häufig im vergangenen Jahr einen Suizidversuch unternommen wie Gleichaltrige ohne Pflegeerfahrung. 40 Prozent der befragten trans* und nicht-binären Jugendlichen mit Pflegehintergrund gaben an, wegen ihrer LGBTIQ+-Identität aus ihrem Zuhause geworfen oder verlassen worden zu beziehungsweise fliehen mussten.

Julie Kruse, frühere Beraterin für LGBTIQ+-Initiativen bei der US-Kinder- und Familienbehörde (Administration for Children and Families, ACF), sagte, viele Betroffene kämen überhaupt erst wegen der Ablehnung durch ihre Herkunftsfamilien ins Pflegesystem. Anschließend hätten sie deutlich schlechtere Chancen auf eine Rückkehr zur Familie, eine Adoption oder eine dauerhafte Unterbringung bei Verwandten. „Sie haben keinen Ausweg“, so Kruse.

Biden-Regel sollte Sicherheit bringen

Die 2024 eingeführte Regelung verpflichtete Bundesstaaten und indigene Behörden, die Bundesmittel erhalten, speziell geschulte und unterstützende Pflegeplätze für LGBTIQ+-Kinder bereitzustellen, sofern diese solche Unterbringungen wünschten oder davon profitieren würden. Zudem schuf sie ein offizielles Verfahren, mit dem Kinder Misshandlungen melden, einen Wechsel der Pflegefamilie beantragen und Unterstützung für Pflegeeltern anfordern konnten. Vergeltungsmaßnahmen wurden untersagt. Auch Versuche, die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität eines Kindes durch Konversionstherapien zu verändern oder zu unterdrücken, galten als unzulässig.

Kruse betonte, dass die Vorschrift weder die medizinische Versorgung trans* Jugendlicher regelte noch alle Pflegeeltern verpflichtete, LGBTIQ+-Kinder aufzunehmen. „Die Regel deckte die medizinische Versorgung transgeschlechtlicher Pflegekinder nicht ab. Darum ging es schlicht nicht“, sagte sie. Vielmehr habe die Regel das Ziel verfolgt, das Pflegesystem für betroffene Kinder sicherer zu machen. „Wer behauptet, es gehe um etwas anderes, versucht lediglich, die Debatte zu verwässern und Misshandlung sowie Missbrauch zu rechtfertigen, denn Konversionstherapie ist Missbrauch“, so Kruse weiter.

Gericht hob Regelung auf

Bereits im März 2025 hatte Bundesrichter Jeremy Kernodle die Biden-Regel landesweit außer Kraft gesetzt. Im Juni wurde sie auf gemeinsamen Antrag des Bundesstaates Texas und der Trump-Regierung endgültig aufgehoben. Mit der nun veröffentlichten Entscheidung wurden die entsprechenden Bestimmungen auch formell aus dem Bundesregelwerk gestrichen. Die Kinder- und Familienbehörde ACF erklärte, damit sollten die Vorschriften bereinigt und für Klarheit gesorgt werden.

Der frühere stellvertretende Staatssekretär für Gesundheitspolitik im Gesundheitsministerium, Adrian Shanker, widersprach dieser Darstellung. „In der Biden-Regierung waren wir im Gesundheitsministerium sehr stolz darauf, eine Regel verabschiedet zu haben, die LGBTIQ+-Jugendlichen im Pflegesystem bahnbrechende Unterstützung bot.“ Die Regel habe betroffenen Kindern ermöglicht, missbräuchliche Unterbringungen zu verlassen und Unterstützung entsprechend ihrer Identität zu erhalten. „Diese Regel wurde jetzt von der Trump-Regierung aufgehoben. Das ist nur eine weitere tragische Anti-LGBTIQ+-Maßnahme dieser Regierung, die den verletzlichsten Menschen unserer Gemeinschaft schadet.“ An den Bedürfnissen der Jugendlichen ändere dies jedoch nichts. „LGBTIQ+-Jugendliche im Pflegesystem gehören ohne Zweifel zu den verletzlichsten Mitgliedern unserer Gemeinschaft und zu denen, die unsere Hilfe am dringendsten benötigen“, so Shanker.

Regierung verweist auf Kosten 

Die Trump-Regierung begründete die Entscheidung unter anderem mit Kosteneinsparungen von langfristig rund 35,5 Millionen US-Dollar sowie mit dem Ziel, mehr Familien für die Aufnahme von Pflegekindern zu gewinnen. Ein Vertreter der Kinder- und Familienbehörde erklärte: „Derzeit herrscht landesweit ein Mangel an Pflegefamilien.“ Weiter sagte der Behördenvertreter: „Konsequent gehören Menschen mit aufrichtig gelebtem Glauben und moralischen Überzeugungen zu den Gruppen, die am ehesten bereit sind, Pflegekinder aufzunehmen.“

Zudem erklärte er: „Die Regel teilte Familien in zwei Gruppen ein: diejenigen, die LGBTQ unterstützen, und diejenigen, die dies nicht tun.“ Nach Angaben der Behörde solle künftig gelten: „Die ACF möchte allen Amerikanern eine klare Botschaft senden: Alle sicheren und liebevollen Familien sind eingeladen, sich in ihrem Bundesstaat als Pflegeeltern registrieren zu lassen.“ Die frühere Biden-Regel verpflichtete jedoch weder alle Pflegeeltern zu einer besonderen Qualifizierung noch schloss sie religiöse Familien von einer Zulassung aus oder zwang sie, LGBTIQ+-Kinder aufzunehmen. Künftig können Bundesstaaten und Kommunen eigene Schutzregelungen beibehalten oder neue schaffen. 

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