Mutiges Forum in Afrika Benin setzt Zeichen gegen jüngste Angriffe auf Homosexuelle
Mit dem ersten Pride Social Forum in Benin wollen Aktivisten aus Afrika gemeinsame Strategien gegen Diskriminierung entwickeln und die Sichtbarkeit marginalisierter Gruppen und explizit der LGBTIQ+-Community stärken. Es ist ein konkreter Gegenentwurf zur Charta einiger afrikanischer Länder, die zuletzt im Juni bei einer internationalen Konferenz in Ghana die Kriminalisierung von Schwulen, Lesben und queeren Menschen in ganz Afrika einforderten.
Das Wichtigste im Überblick
- In Benins Wirtschaftsmetropole Cotonou findet vom 28. bis 30. Juli erstmals ein Pride Social Forum statt.
- Teilnehmer aus verschiedenen afrikanischen Ländern wollen über die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten beraten.
- Die Veranstaltung wird unmittelbar vor dem Weltsozialforum ausgerichtet.
- Organisatoren sehen das Forum als Antwort auf zunehmende Einschränkungen von LGBTIQ+-Rechten in Teilen Westafrikas.
- Nach Angaben der Organisatoren haben sich bereits 740 Teilnehmer angemeldet.
- Unterstützt wird die Initiative unter anderem von staatlichen Stellen in Benin.
Sichtbarkeit für die Community
Die mutige Veranstaltung ist für den Zeitraum vom 28. bis 30. Juli in der Wirtschaftsmetropole Cotonou geplant und wird unmittelbar vor dem Weltsozialforum ausgerichtet, das vom 4. bis 8. August stattfindet. Nach Angaben der Organisatoren soll das Forum Vertreter sexueller und geschlechtlicher Minderheiten aus verschiedenen afrikanischen Staaten zusammenbringen. Ziel sei es, das Bewusstsein für die miteinander verbundenen Kämpfe gegen Heterosexismus und patriarchale Strukturen zu stärken.
Zu den Initiatoren gehört Luc Agblakou, Präsident der Organisation Hirondelle International Benin. Er begründete die Schaffung des neuen Forums mit einer fehlenden Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Minderheiten auf internationalen Plattformen: „Das Weltsozialforum ist die größte Plattform der globalen Zivilgesellschaft. Allerdings hatten sexuelle und geschlechtliche Minderheiten dort bislang keinen angemessenen Raum für Sichtbarkeit. Es gibt eine systematische Unsichtbarkeit von LGBTIQ+-Menschen, und genau das wollen wir in diesem Jahr ändern!“
Zusammenführung von Gruppen
Die erste Ausgabe des Pride Social Forum werde sich insbesondere dem Umgang mit sogenannten Anti-Gender-Gruppen widmen. „Es fehlt an einer systematischen Antwort und an einem globalen Rahmen, um die Kräfte, die sich diesen Gruppen entgegenstellen, zu bündeln und zu organisieren“, erklärte er. Nach Angaben der Organisatoren soll die Veranstaltung bewusst verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammenführen. Neben LGBTIQ+-Menschen werden auch Menschen mit Behinderungen sowie Menschen mit Albinismus angesprochen. „Unter den Menschen mit Albinismus gibt es auch LGBTIQ+-Personen. Nach sorgfältiger Überlegung kamen wir zu dem Schluss, dass all diese Kämpfe intersektional betrachtet werden müssen. Wir wollen gemeinsam ein stärkeres Bewusstsein für unsere Menschenrechtskämpfe schaffen, anstatt voneinander getrennt zu agieren“, sagte Agblakou.
Zudem seien gemeinsame Bündnisse notwendig, um mehr Aufmerksamkeit für die Anliegen der Betroffenen zu erreichen. „Unser Hauptziel ist die Schaffung eines inklusiven Raums, der die Grundlage für Alternativen zu Patriarchat und Heterosexismus in Benin, in Afrika und weltweit schafft.“ Unter dem Leitmotiv „Intersektionalität in einem globalen Kontext, der von Heterosexismus und Patriarchat geprägt ist: Welche Kämpfe für welche Alternativen?“ sollen zahlreiche Themen diskutiert werden. Geplant sind unter anderem Debatten über die Rechte marginalisierter Gruppen, psychische und reproduktive Gesundheit, Schutzmechanismen, Menschenrechtsbildung, den Kampf gegen Rassismus und Behindertenfeindlichkeit, Asyl- und Migrationsthemen sowie soziale und ökologische Verantwortung von Unternehmen.
Unerwartet große Resonanz
Die Resonanz auf die Veranstaltung sei bereits größer als erwartet, berichtete Agblakou. „Wir haben bereits 740 Teilnehmer registriert, obwohl wir ursprünglich mit 500 Personen gerechnet hatten.“ Um möglichst vielen Interessierten die Teilnahme zu ermöglichen, werde das Forum sowohl vor Ort als auch digital angeboten. Nach Angaben der Organisatoren erfährt die Initiative auch Unterstützung durch staatliche Institutionen in Benin. „Die beninischen Behörden arbeiten für mehr Inklusion in Afrika und für die Rechte sexueller und geschlechtlicher Minderheiten. Benin möchte hier mit gutem Beispiel vorangehen“, sagte Agblakou.
Unterstützung komme unter anderem von der Menschenrechtskommission Benins. Auch das Gesundheitsministerium und das Justizministerium würden die Initiative befürworten. Langfristig soll das Forum nach dem Willen der Organisatoren zu einer dauerhaften internationalen Plattform ausgebaut werden. Geplant ist die Gründung eines internationalen Rates. „Wir hoffen, einen internationalen Rat aufzubauen, um die Organisationsstrukturen und die langfristige Zukunft des Pride Social Forum zu stärken, damit wir unsere Arbeit auf globaler Ebene gemeinsam fortsetzen können“, sagte Agblakou abschließend.