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Wider dem White-Savior-Mythos Film zeigt seltene Einblicke in queeres afrikanisches Leben

Von kw - 05.06.2026 - 12:30 Uhr
Film zeigt seltene Einblicke in queeres afrikanisches Leben
Foto: © Terratreme Filmes
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Im Drama „I Only Rest in the Storm“, das seit Ende Mai 2026 ausgesuchte Kinos erreicht, präsentiert Regisseur Pedro Pinho eine filmische Expedition, die seltene Einblicke ins queere Leben von Guinea-Bissau gewährt und zugleich mit dem Mythos der weißen Retterfigur bricht. Der portugiesische Umweltingenieur Sérgio, großartig gespielt von Sérgio Coragem, wird von seiner NGO für ein Straßenbauprojekt entsandt – doch statt einfacher Heldengeschichte entfaltet sich auf der Leinwand ein vielschichtiges Porträt von Postkolonialismus und queerer Selbstbehauptung.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der Film „I Only Rest in the Storm“ wurde von Pedro Pinho inszeniert und startete am 28. Mai 2026 in ausgewählten deutschen Kinos.
  • Mit 211 Minuten Laufzeit nimmt das Werk die Zuschauer*innen mit nach Guinea-Bissau und wirft einen seltenen Blick auf queeres, afrikanisches Alltagsleben.
  • Guinea-Bissau ist seit 1973 unabhängig, Homosexualität ist dort nicht strafbar und das Land hat 2008 eine UN-Erklärung gegen die Kriminalisierung queerer Menschen unterzeichnet.
  • Die Handlung beleuchtet neben Queerness auch Rassismus, neokoloniale Machtverhältnisse und die Ambivalenz internationaler Entwicklungshilfe.

 

Zerbrechliche Mission: Entwicklungshelfer trifft Realität

Von den ersten Minuten an hebt sich Pinhos Werk ab: Sérgio wird bei seiner Ankunft in Guinea-Bissau nicht mit Bestechung konfrontiert, sondern zur Herausgabe eines Buches aufgefordert. Schon hier zeigt der Film, dass die Erzählung mit Klischees aufräumt. Kaum angekommen, wird Sérgio von widersprüchlichen Erwartungen, politischen Umbrüchen und ökologischen Dilemmata überrannt. Seine westlichen Werte geraten ins Wanken, als er bemerkt, wie tief koloniale Denkmuster und rassistische Vorurteile bis heute reichen. Besonders die Skepsis, die ihm als Weißen entgegenschlägt, verleiht der Geschichte eine dichte Authentizität.

 

Queere Begegnungen und fluide Identitäten

Spürbar deutlich wird die Stärke des Films in den Begegnungen zwischen Sérgio und lokalen Mitgliedern der queeren Community. Die Figur Gui, gespielt von Jonathan Guilherme, und die charismatische Diára (Cleo Diára) schenken dem Drama seine lebendige Emotionalität. Gerade in diesen Momenten verlässt die Kamera das europäische Framing und taucht ein in eine vibrierende, queere Alltagskultur, in der Identitäten fließend, Freundschaften und Begehren selbstverständlich sind. Die Beziehungen entwickeln eine Leichtigkeit, unterstützt durch analoge Kamerabilder und pulsierende afrikanische Beats, welche die Atmosphäre vor Ort eindrucksvoll einfangen.

 

Ein Film ohne einfache Antworten

Pinho verzichtet bewusst auf eine eindeutige Heldenerzählung. Sérgios Hilfsbereitschaft trifft auf realen Widerstand, und immer wieder scheitert er daran, eigene Privilegien und Vorurteile abzulegen. „White Savior“-Motiv und paternalistische Versuchungen werden als Teil eines größeren, vielstimmigen Geflechts aus Widerspruch, Selbstzweifeln und Ermächtigung sichtbar. Besonders die Szene mit der hochbetagten Dorfbewohnerin, die nicht glauben will, dass in Portugal Toiletten mit Trinkwasser gespült werden, verdeutlicht die absurde Distanz zwischen den Welten und gibt dem Drama einen glaubhaften, beinahe humorvollen Zwischenton.

 

Gemeinschaft steht über Diskriminierung

Anders als viele westliche Produktionen, die queeres Leben in Afrika oft nur als Kampf gegen Repression schildern, betont „I Only Rest in the Storm“ besonders die Kraft von gemeinsamem Feiern, Unterstützung und Intimität. Guinea-Bissau bleibt im Film nicht bloß Kulisse, sondern lebendiger sozialer Raum, in dem gesellschaftliche Tabus, Selbstentfaltung und politische Verantwortung unauflöslich miteinander verwoben sind. Das Ergebnis ist ein komplexes, nuancenreiches Werk, das einerseits Hoffnung stiftet und andererseits zu kritischer Reflexion westlicher Blickwinkel anregt.

Am Ende bleibt weniger die Frage nach dem Retter, sondern vielmehr nach der Kraft, mit der sich Menschen überall die Freiheit nehmen, ihre Geschichten jenseits vorgefertigter Schemata selbst zu erzählen – und das Kino zu einem Möglichkeitsraum machen, in dem niemand immer recht hat.

 

Wichtige Fragen zum Thema

Wie wird queeres Leben in Guinea-Bissau gesetzlich behandelt?
Homosexualität ist in Guinea-Bissau legal, das Land zählt zu den wenigen afrikanischen Staaten, die eine UN-Erklärung zur Entkriminalisierung unterzeichnet haben.

Was unterscheidet diesen Film von anderen Afrika-Produktionen?
Der Film legt den Fokus auf alltägliche Queerness und Gemeinschaft, statt auf Opferrollen oder westliche Rettungsfantasien.

Ist der Film auch für ein breites Publikum zugänglich?
Mit seiner Länge und den vielschichtigen, kulturellen Ebenen richtet sich das Drama vor allem an Zuschauerinnen und Zuschauer mit Interesse an internationalem Arthouse-Kino und gesellschaftspolitischen Themen.

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