Anrührende queere Freundschaft „Lieblingsmenschen“ feiert Weltpremiere in München
Der berührende Spielfilm „Lieblingsmenschen“ von Regisseurin Helena Hufnagel hat am Sonntag beim Filmfest München seine emotionale Weltpremiere gefeiert. Im vollbesetzten Deutschen Theater verfolgten Hunderte Gäste mit, wie die ungewöhnliche Freundschaft zwischen der 101-jährigen Berlinerin Agnes und dem schwulen, aus dem Iran geflüchteten Amir auf der Leinwand zum Leben erwacht. Mit stehenden Ovationen wurde nicht nur der Cast, sondern besonders der aus Teheran stammende Gast Amir Farahani für seinen Mut gewürdigt, die eigene Geschichte zu teilen.
Das Wichtigste im Überblick
- „Lieblingsmenschen“ feierte am 29. Juni 2026 Weltpremiere beim Filmfest München.
- Der Kinostart ist für den 19. November 2026 geplant.
- Im Zentrum des Films steht die Freundschaft zwischen einer 101-jährigen Berlinerin und einem schwulen Flüchtling aus dem Iran.
- Hauptrollen übernehmen Katharina Thalbach und Bardo Böhlefeld, die Regie liegt bei Helena Hufnagel.
Einzigartige Begegnung zweier Lebenswelten
Das Drehbuch basiert lose auf einer wahren Begebenheit und erzählt davon, wie der erst 31-jährige Amir nach seiner Flucht aus Teheran in Berlin auf Agnes trifft. Schnell werden sie unzertrennliche Wahlverwandte und bilden eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft, in der Lebensfreude und Pragmatismus den Alltag prägen. Regisseurin Hufnagel setzt vor allem auf die Kraft klarer Beobachtungen – die erste Begegnung ist geprägt von Skepsis und Warmherzigkeit, wobei Agnes selbstbewusst erklärt:
„Wir sind eine WG, aber wir laufen nicht nackig in der Wohnung herum.“
Filmästhetik und schauspielerische Höhepunkte
Katharina Thalbach als Agnes spielt gewohnt pointiert, ohne je ins Klischee zu kippen. Bardo Böhlefeld gibt Amir eine stille Tragik, die nie larmoyant wirkt. Der erstmals veröffentlichte Trailer bringt die besondere Chemie des Duos auf den Punkt – zwischen bissigem Humor und stiller Solidarität. Hufnagels Inszenierung beweist Fingerspitzengefühl, indem sie die Themen Alter, Einsamkeit und Identität sensibel ausleuchtet, ohne sie ins Zentrum einer Betroffenheitsrhetorik zu stellen. Die Figur der Agnes wächst in wenigen Szenen über das schrullige Berliner Original hinaus und wird zum Symbol für Lebensmut zwischen Generationsgrenzen.
Relevanz für das deutsche Kino
Mit „Lieblingsmenschen“ beweist das deutsche Kino einmal mehr, dass es Vorurteile und Ressentiments heutiger Gesellschaften aufbrechen kann. Selten wurde queere Migration hierzulande derart lebensnah und komisch erzählt – und nie so uneitel. Der Film richtet sich ausdrücklich an ein breites Publikum, das sich mit ungewöhnlichen Lebensentwürfen auseinandersetzen will, und ist auch wegen des prominenten Casts ein publikumswirksames Ereignis.
Hintergrund zur Entstehung
Die Vorlage lieferte eine wahre Freundschaft, die in Berlin ihren Anfang nahm. Produziert wird der Film von der X Verleih AG, den Vertrieb übernimmt Warner Bros. Die Entstehung des Projekts wurde über Jahre sorgfältig vorbereitet, unterstützt von lokalen Initiativen für queere und geflüchtete Menschen. Agnes ist inspiriert von einem realen Berliner Original, das bis ins hohe Alter selbstbestimmt lebte.
Ausblick und Erwartung
„Lieblingsmenschen“ läuft am 2. Juli noch einmal im Münchner ARRI Kino und wird sicher nicht nur dort für Gesprächsstoff sorgen. Der deutschlandweite Kinostart im November könnte zum Prüfstein werden, wie offen das breite Publikum für warme, queere Geschichten jenseits von Dramatisierung und Stereotypen wirklich ist. Das filmische Plädoyer für Solidarität und Mut hat das Zeug zum Festival-Liebling – und vielleicht zu mehr.
In der Rolle der Kritiker*in fasziniert mich insbesondere, mit welcher Leichtigkeit Hufnagel und ihr Ensemble ein komplexes gesellschaftliches Thema in einen ebenso nachdenklichen wie heiteren Film verwandeln. Der Trailer verspricht berechtigte Vorfreude auf einen der bemerkenswertesten Titel des Kinojahres 2026.