Direkt zum Inhalt

Verfassungsschutz hilft mit NRW: Neonazi-Wohnungen nach CSD-Angriffen durchsucht

Von mr - 06.05.2026 - 19:00 Uhr
NRW: Neonazi-Wohnungen nach CSD-Angriffen durchsucht
Foto: © iStock /justhavealook
ANZEIGE
Loading audio player...

In Nordrhein-Westfalen haben Ermittlungsbehörden am frühen Morgen in acht Städten Wohnungen von mutmaßlichen Neonazis durchsucht. Ziel der Aktion war die Gruppe „Jung und Stark“, die im Zusammenhang mit gewalttätigen Angriffen auf Christopher Street Day (CSD)-Veranstaltungen in den Fokus der Behörden geraten ist. Die Durchsuchungen richteten sich gegen insgesamt zehn deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, von denen eine Person bereits zuvor in Untersuchungshaft saß.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Die Durchsuchungen fanden zeitgleich in acht Städten Nordrhein-Westfalens statt.
  • Ziel war unter anderem die Neonazi-Gruppe „Jung und Stark“ mit mehreren hundert Anhängern.
  • Im Zusammenhang mit CSD-Angriffen stehen zunehmend sehr junge Rechtsextreme im Fokus.
  • Neben dem Landeskriminalamt war auch das Bundesamt für Verfassungsschutz beteiligt.
  • Eine der beschuldigten Personen befindet sich bereits wegen eines separaten Delikts in U-Haft.

 

Rechtsextreme Jugendgruppen im Visier

Die Polizei und das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachten seit Mitte 2024 einen ausgeprägten Anstieg rechtsextremer Aktivitäten junger Neonazi-Gruppierungen in Deutschland. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes handelt es sich häufig um Gruppen, die zunächst online entstanden und nun öffentlich durch Störaktionen und Straftaten in Erscheinung treten. Die Gruppe „Jung und Stark“ gilt mit einer mittleren dreistelligen Mitgliederzahl als am stärksten in dieser Szene vertreten. Ermittlerinnen und Ermittler führen die vermehrten Angriffe auf queere Veranstaltungen, insbesondere CSDs, auf das wachsende Selbstbewusstsein dieser Gruppierungen zurück. Ein weiterer Schwerpunkt der Ermittlungen liegt auf der Gruppierung „Deutsche Jugend Voran“, die laut Sicherheitskreisen von mehr als hundert Personen unterstützt wird.

 

Modular aufgebaute Ermittlungsmaßnahmen

Die heutigen Durchsuchungen wurden nicht nur vom Landeskriminalamt koordiniert, sondern auch eng mit dem Bundesamt für Verfassungsschutz abgestimmt. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen handelt es sich bei den identifizierten Beschuldigten überwiegend um deutsche Jugendliche und junge Erwachsene. Beschlagnahmt wurden Mobiltelefone, Computer und weitere Beweismittel, um Verbindungen und Organisationsstrukturen der Szene weiter aufzudecken. Auffällig ist, dass die Gruppierungen ihre Aktivitäten teils gezielt im Vorfeld von CSD-Veranstaltungen planen und sich in Chatgruppen miteinander vernetzen.

„Die neue Generation rechter Jugendgruppen nutzt vor allem digitale Kanäle zur Radikalisierung und Koordination gemeinsamer Aktionen“, erklärte eine Sprecherin des Bundeskriminalamts.

 

Hintergrund: Neue Strukturen rechtsextremer Szenen

Seit etwa einem Jahr gab es bundesweit eine Reihe von Übergriffen auf CSDs, die vielfach auf Mitglieder neuer rechtsextremer Netzwerke zurückgeführt werden. Neben „Jung und Stark“ stehen auch Gruppen wie „Letzte Verteidigungswelle“ und „Der Störtrupp“ unter Beobachtung. In Hamburg läuft derzeit ein Gerichtsverfahren gegen mutmaßliche Mitglieder der „Letzten Verteidigungswelle“ wegen mehrerer Körperverletzungen. Die Behörden sehen in den koordinierten Angriffen auf queere Demonstrationen einen bedenklichen Trend zur weiteren Radikalisierung und Vernetzung der Szene.

 

Wichtige Fragen zum Thema

Wie hoch ist die Zahl der festgestellten Mitglieder von „Jung und Stark“?
Die Gruppierung wird auf mehrere hundert Personen geschätzt.

Welche Behörden waren an den heutigen Durchsuchungen beteiligt?
Ermittlungen liefen unter Führung des LKA Nordrhein-Westfalen mit Unterstützung des Bundesamts für Verfassungsschutz.

Gibt es direkte Verbindungen zu den Angriffen auf CSDs?
Einzelne Beschuldigte werden verdächtigt, direkt an koordinierten Angriffen auf Demonstrationen beteiligt gewesen zu sein.

Die Ermittlungen werden in den kommenden Wochen fortgesetzt. Ziel der Behörden ist es, weitere Strukturen offenzulegen und die Verantwortlichen für die Angriffe auf CSD-Veranstaltungen zur Rechenschaft zu ziehen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDRegenbogenbank in Berliner Tiergarten nach CSD-Anschlag erneut beschädigttazTürkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängterDie PresseBei aller Liebe, keinen Sex bitte: Mareike Fallwickls neuer Roman [premium]Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

36 Jahre Deutsche Einheit

Leben nach dem Mauerfall

Vom Mauerfall bis zur Ehe für alle: Für LGBTIQ+-Menschen brachte die deutsche Einheit neue Freiheiten – aber auch unerwartete Rückschritte.
NHL entdeckt „Heated Rivalry“

Schwule Romanze soll Fans locken

Mit der PR-Aktion „Hot for Hockey“ greift die NHL den Erfolg von „Heated Rivalry“ auf – doch die Marketingstrategie stößt bei Fans auf viel Kritik.
Tom Ford zeigt Haut

Männer-Tanga wird Luxusmode

Tom Ford macht den Männer-Tanga zum Luxus-Look: Kreativdirektor Haider Ackermann verbindet in Paris schwulen Sexappeal mit eleganter Herrenmode.
US-Basketball-Coach sagt Ja

Liebe auf den ersten Blick

US-Basketballtrainer Matt Lynch und Cody Aaron haben sich nach mehr als zwei Jahren Beziehung verlobt – die Hochzeit soll 2027 folgen.
Mehr Schutz in Bangladesch

Petition gegen Diskriminierung

Studenten und Aktivisten in Bangladesch fordern mit einer Petition besseren Schutz für LGBTIQ+-Menschen und ein Ende der Diskriminierung.
Abstimmung über die Ehe

Virginias Änderung der Verfassung

Der US-Bundesstaat Virginia stimmt darüber ab, die Ehe für Homosexuelle in seiner Landesverfassung zu schützen. Ein Schritt mit viel Symbolkraft.
Eklat in Österreich

Streit um queere Touristen

Die FPÖ will Pride- und LGBTIQ+-Themen aus Österreichs Tourismuswerbung zurückdrängen – andere Parteien widersprechen.
Am Ende des Regenbogens

Kulturkampf in den Niederlanden

Niederlands Gemeinde Oldebroek will seine LGBTIQ+-Politik abschaffen und sorgt damit landesweit für Schlagzeilen und Entsetzen in der Community.
Mord auf den Philippinen

Militär tötet queere Aktivistin

Die trans* Aktivistin Kai Sorem wurde auf den Philippinen getötet. Die bisherigen Untersuchungen legen eine Vertuschung durch das Militär nahe.