Kritik von Peter Tatchell Ist ein Pride eher Ehrenamt oder doch bezahlter Job?
Der schwule Aktivist Peter Tatchell hat Fragen zu den Finanzzahlen von Pride in London aufgeworfen, insbesondere zu den Ausgaben rund um die Entlassung des ehemaligen Geschäftsführers Christopher Joell-Deshields letzte Woche. Joell-Deshields war Ende März 2026 nach Vorwürfen über finanzielle Unregelmäßigkeiten und Mobbing aus dem Amt entfernt worden.
Das Wichtigste im Überblick:
- Peter Tatchell stellt Fragen zu den Finanzzahlen von „Pride in London“ nach der Entlassung von CEO Christopher Joell-Deshields aufgrund von Missbrauchsvorwürfen.
- Die Untersuchung ergab, dass über 7.000 Pfund an Gutscheinen für Luxusartikel verwendet wurden, die mit Joell-Deshields in Verbindung standen.
- Tatchell kritisiert insbesondere auch Zahlungen in Höhe von mehr als 67.000 Pfund für die „Vergütung der Direktoren“, da Pride-Direktoren normalerweise als unbezahlte Ehrenamtliche arbeiten.
- Pride in London rechtfertigte die Ausgaben und erklärte, dass ein Teil der Gelder für die Planung und Bewerbung von Veranstaltungen wie WorldPride verwendet wurde.
Ehrenamt oder Job?
Laut Pride in London sollen 7.125 Pfund an Gutscheinen, eigentlich gedacht für freiwillige Helfer, für Luxusartikel verwendet worden sein, die im Rahmen der Untersuchung auf Konten zurückzuführen sind, die mit Ex-Geschäftsführer Joell-Deshields in Verbindung standen. Tatchell kritisierte mehrere Finanzposten in den Berichten von Pride London und forderte insgesamt mehr Klarheit. Insbesondere bemängelte er, dass 67.050 Pfund als „Vergütung der Direktoren“ aufgeführt wurden, obwohl Pride-Direktoren üblicherweise als unbezahlte Ehrenamtliche tätig sind. „Pride-Direktoren sind angeblich unbezahlte Ehrenamtliche, also was war diese Vergütung? Die LGBTIQ+-Community braucht Antworten“, schrieb der bekannte britische Aktivist in einer Erklärung auf den sozialen Medien.
Pride in London reagierte auf Tatchells Fragen in einer Stellungnahme. Ein Sprecher erklärte, dass trotz der ehrenamtlichen Struktur der Organisation „eine kleine Anzahl von Vollzeitkräften“ benötigt werde, um die Planung, das Fundraising und die Durchführung von Pride in London zu ermöglichen. Im Jahr 2023/24 seien vier bezahlte Stellen erforderlich gewesen; derzeit seien es nur noch zwei. In Bezug auf die Hotel- und Reisekosten erklärte Pride, dass diese Ausgaben im Zusammenhang mit der Bewerbung von London als Gastgeberstadt für den World Pride stünden, was die Teilnahme an globalen Pride-Events erfordere.
Mehr Investition in Marketing
Zum Thema Werbung und Marketing hieß es: „Mit der wachsenden Teilnahme, die im letzten Jahr 1,8 Millionen Menschen erreichte, und den steigenden Kosten seien die Ausgaben für Marketing und Werbung zwangsläufig gestiegen.“ Rebecca Paisis, die im September 2025 als interimistische CEO von Pride in London ernannt wurde, erklärte in einer Stellungnahme zum Ausscheiden von Joell-Deshields, dass die Organisation weiterhin ihre Versprechen an die Gemeinschaft und ihre Ehrenamtlichen einhalten werde. „Pride in London steht für Einheit, Sichtbarkeit und Gleichberechtigung für alle“, sagte Paisis. Die Pride-Veranstaltung in London für 2026 ist für den 4. Juli geplant und wird voraussichtlich rund 30.000 Teilnehmer anziehen.