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Woelki muss zurücktreten! Kölns Kardinal ist nicht zu halten – 21 Mitarbeiter fordern personelle Erneuerung

Von ms - 15.08.2022 - 10:00 Uhr
Woelki muss zurücktreten!
Foto: IMAGO / Panama Pictures
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Was Britney Spears jahrelang für die internationale Musikwelt war, ist Rainer Maria Kardinal Woelki aus Köln für die katholische Kirche – ein sicherer Quell von nicht enden wollenden Skandalen. Nach den jüngsten Enthüllungen fordern inzwischen auch lautstark seine eigenen Mitarbeiter des Erzbistums Köln seinen Rücktritt – mit abermals einem halben Jahr Urlaub, in dem er nur seine Tätigkeiten “ruhen“ lässt, dürfte er die Wogen allein dieses Mal nicht glätten können.

Insgesamt 21 Pfarrer, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie weitere Mitarbeiter des Erzbistums haben jetzt in einer offiziellen Stellungnahme erklärt, dass es einen personellen und systematischen Neuanfang ohne Woelki geben müsse. Zudem soll die Macht in einem der einflussreichsten Erzbistümer Deutschlands geteilt und kontrolliert werden, eine Person allein dürfe nicht mehr über eine derartige Entscheidungsgewalt verfügen. Zudem rufen die 21 Kirchenmitarbeiter dazu auf, Fachleute zurate zu ziehen. Im Original fordern sie: „Die Priesterweihe allein darf kein Ausweis für Entscheidungsmacht mehr sein.“ Einzig zählen dürfe künftig nur noch die berufliche Kompetenz. Für die römisch-katholische Kirche sind solche kritischen und scharfen Worte aus den eigenen Reihen abermals Zündstoff, auch wenn zu befürchten steht, dass sie abermals halbherzig, zu spät und ignorant reagieren wird – alte Gewohnheiten lassen sich nur schwer ändern.

Was war geschehen? Der Kölner Stadt-Anzeiger hatte anhand intern zugespielter Dokumente aufgedeckt, dass Woelki damals auf Anraten einer PR-Agentur ganz bewusst mit dem Betroffenenbeirat des Erzbistums taktisch hantiert und sie in gewisser Weise hintergangen habe. Ausgangspunkt war der Streit um ein Gutachten zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln. Kurz vor der geplanten Veröffentlichung zog Woelki die Untersuchung zurück und begründete dies mit inhaltlichen Mängeln. Hinter den Kulissen soll Woelki auf Anraten der PR-Experten den Betroffenenbeirat so massiv beeinflusst und instrumentalisiert haben, dass diese schließlich der Nichtveröffentlichung zustimmten. Die PR-Agentur nannte dies “auf Linie bringen“, ganz im Sinne des Kardinals. Ein solches Verhalten zeuge nicht nur abermals von einem Unverständnis den betroffenen Opfern gegenüber, sondern sei auch inakzeptabel, so Ingrid Kloß, stellvertretende Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft. "Sie auch noch eins zu eins umsetzen ist eines katholischen Christen und erst recht eines Kardinals nicht würdig!"

Die Mitarbeiter des Kölner Erzbistums hatten immer wieder trotz heftigster Kritik zu ihrem Kardinal gehalten, auch dann noch, als Missbrauchsfälle vertuscht worden sein sollen und Woelki immer und immer wieder massiv für seine Führungsrolle kritisiert worden war. Jetzt, mit diesem kalkulierten Akt abermals gegen die Befindlichkeiten der Opfer, wurde wohl offenbar final eine Grenze überschritten: "Für mich ist momentan die Voraussetzung für einen Dialog mit der Leitung rund um Erzbischof Woelki nicht mehr gegeben", so Regina Oediger-Spinrath, Sprecherin des Berufsverbands der Pastoralreferenten.  Pfarrer Klaus Thranberend beschreibt gegenüber dem WDR: "Ich komme an meine Grenze, was mein Gehorsamsgelübde dem Bischof gegenüber angeht und frage mich, wozu ich die Treue versprochen habe." Und der Pastoralreferent Peter Otten bringt es so auf den Punkt: "Die Bistumsleitung hat in erster Linie ihren eigenen Machterhalt im Blick. Dieses Agieren ist zynisch und traumatisiert die Betroffenen immer wieder neu".  Zuletzt bestätigte auch der Vorsitzende des Diözesanrats, Tim-O. Kurzbach, dass ein Neuanfang mit Erzbischof Woelki komplett gescheitert sei: „Das System Woelki ist vollständig kollabiert. Die Situation ist einfach nur furchtbar und schwer erträglich. Woelki fügt dem Bischofsamt und der katholischen Kirche insgesamt großen Schaden zu!“, so Kurzbach im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Woelki war erst im vergangenen Jahr von Papst Franziskus in eine fünfmonatige Auszeit geschickt worden – ein bezahlter Urlaub aufgrund seines erschütternden Umgangs bezüglich des Missbrauchsgutachten, auch wenn kritische Stimmen spotteten, Woelki sei absolut auf Kurs der römisch-katholischen Kirche: Verschleiern, vertuschen und klein reden, wo immer dies möglich ist. Nach fünf Monaten Urlaub war Woelki im März nach Köln zurückgekommen. Nun musste der Kardinal abermals ein Rücktrittsgesuch einreichen, über dass der Papst noch entscheiden wird – selbst bei einer Annahme des Rücktritts bedeutet dies für den 65-jährigen Woelki nicht viel mehr als einen gesegneten Ruhestand mit vollen Bezügen.

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