Weltweit verfügbar Anbieter Malaysia freut sich über die neuen Möglichkeiten, Queers zu entlarven
Kommentar
Google, das tolle und großartige Unternehmen, das stets nur das Beste für die queere Community will. Farbenfroh und faktenorientiert präsentiert sich die US-Firma gerne auch innerhalb der LGBTI*-Community. Jüngst setzte sich der Internetgigant auch gegen queerfeindliche Gesetze ein, wie sie derzeit in Florida und Texas geplant sind.
Aber immerhin gehört es in den USA auch noch zum guten Stil, auf der Seite der Queers zu sein. Man befindet sich damit sozusagen emotional und intellektuell auf der „Seite der Guten“. So buchte Google am vergangenen Wochenende ganzseitige Anzeigen in großen texanischen Tageszeitungen, um gegen die transphoben Entartungen des Gouverneurs vorzugehen, der mithilfe seines Familienschutzministeriums Jagd auf Eltern machen ließ, die ihren eigenen trans-Kindern geschlechtsangleichende Behandlungen ermöglichten.
Auf diesen Anzeigen war zu lesen: "Diskriminierung ist schlecht fürs Geschäft."
Wie viel Wahrheit hinter dieser Gesinnung steckt, beweist Google nun gerade in Malaysia. Das sonnige Urlaubsland in Südostasien, dessen Flagge große Ähnlichkeit mit der amerikanischen hat, bestraft homosexuelle Handlungen mit bis zu zwanzig Jahren Gefängnis und Stockschlägen. Trotz der Flaggenähnlichkeit hat Google aber sofort erkannt, dass die Vorzeichen in der konstitutionellen Wahlmonarchie ganz andere sind – hier ist Diskriminierung durchaus gut fürs Geschäft.
Wie sonst lässt es sich erklären, dass nun problemlos eine App der Regierung von Malaysia im Google Play Store hochgeladen wurde, in der frei von Alterseinschränkungen Konversionstherapien für alle angeboten werden.
Die App ist weltweit verfügbar. Man wolle, so die wunderschöne Erklärung der Regierung, queere Menschen zurück zur Natur führen. Ferner möchte man laut Eigenbeschreibung Vorschläge, Hilfestellungen und Erklärungen aufzeigen, um das „Problem Homosexualität“ hinter sich zu lassen – inklusive toller Berichte von Männern, die ihre gleichgeschlechtliche Neigung besiegt hätten. Wahrscheinlich erschließt es sich Google daher auch, dass beim Hochladen der App der Anbieter, also die Regierung von Malaysia, Zugriff auf alle gespeicherten Daten des Users bekommt – inklusive privater Fotos, Kontaktdaten von Freunden, Social-Media-Posts, Standort-Informationen und sogar dem Mikrofon.
Malaysia kann also via Kamera und Mikrofon mit einem Klick künftig live und klammheimlich zuschauen und zuhören, wenn sich die bösen Homosexuellen unterhalten – und das weltweit. Ein feuchter Traum für den zuständigen Minister Idris Ahmad, der bereits im vergangenen Jahr erklärte, dass dieser homosexuelle Lebensstil nicht zur Normalität werden dürfe, denn damit könne die Institution der Familie kollabieren. Die Lage spitzt sich dabei seit Jahren im Land immer mehr zu, manche sprechen von regelrechten Hetzjagden auf schwule Männer.
Vielleicht verstehen wir aber die Gesamtsituation auch einfach falsch – in Texas will Google die Familien von queeren Jugendlichen schützen, anderenorts dann die Familien vor queeren Jugendlichen. So einen großen Unterschied kann doch ein einzelner Buchstabe in einem Wort nicht ausmachen, oder?
Und am Ende dreht es sich doch immer noch um die eigentlich wirklich wichtige Frage: Was ist denn nun gut fürs Geschäft?