„Verwirrung statt Vielfalt“ FPÖ-Politiker: LGBTIQ+-Anerkennung führt zu Kommunismus
Der österreichische FPÖ-Politiker Norbert Nemeth zieht mit einem Interview im „Kurier“ breite Aufmerksamkeit auf sich. Laut Nemeth werde durch die Anerkennung queerer Menschen der Grundstein für eine künftige kommunistische Gesellschaft gelegt. Insbesondere das Sichtbarwerden von trans* Personen sorgt bei ihm für Irritation – er spricht von „Verwirrung statt Vielfalt“ und erkennt darin eine gezielte Strategie. Das Thema entfacht damit erneut eine Grundsatzdebatte über den gesellschaftlichen Umgang mit queeren Menschen in Österreich.
FPÖ-Fraktionsmanager mit radikaler These
Nemeth, seit 2006 Parlaments-Geschäftsführer der FPÖ, sieht die Anerkennung queerer Identitäten als Angriff auf traditionelle Werte. Nach seiner Auffassung werde darauf abgezielt, bestehende gesellschaftliche Grundlagen zu destabilisieren, um Platz für kommunistische Strukturen zu schaffen. Er wirft queeren Menschen vor, natürliche Geschlechtergrenzen zu missachten und mit einer „Kultur“ gegen bestehende gesellschaftliche Ordnung zu operieren. Nemeth versteht die Bemühungen um sprachliche Inklusion – etwa geschlechtersensible Sprache – als politisch motivierten Angriff auf die deutsche Sprache. Zugleich profiliert sich die FPÖ als klar rechtspopulistische Kraft: Bei der bevorstehenden Nationalratswahl liegt sie aktuell in Umfragen bei bis zu 36 Prozent und könnte stärkste Kraft werden.
Die Gleichsetzung von queerem Leben und Kommunismus trifft in rechten und konservativen Kreisen international immer wieder auf Resonanz. Auch bekannte Persönlichkeiten, wie der Unternehmer Elon Musk oder der ehemalige polnische Präsident Andrzej Duda, äußerten sich bereits ähnlich. In weiten Teilen der Gesellschaft und unter Verfassungsjuristinnen und -juristen stößt diese Ansicht jedoch auf Unverständnis. Laut offiziellen Analysen fällt zudem auf, dass gerade in autoritären und kommunistisch regierten Ländern queere Menschen oft massiv unterdrückt werden. Die Historie der Sowjetunion und aktuelle Gesetze in China werden regelmäßig als abschreckende Beispiele genannt.
Politische Rhetorik und Faktenlage
Der Verweis auf den Kommunismus offenbart weniger eine Analyse der queeren Bewegung als vielmehr eine Strategie der Mobilisierung spezifischer Wählerschichten. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Sichtbarkeit und Akzeptanz von queeren Menschen keine Bedrohung bestehender Wirtschaftsordnungen, sondern vor allem einen Zugewinn an gesellschaftlicher Vielfalt bedeuten. Der Versuch, Gleichstellung und sexuelle Selbstbestimmung mit politischen Extremismen gleichzusetzen, wird von unabhängigen Expertinnen und Experten als Instrument der Angstpolitik bewertet.