Direkt zum Inhalt

Verfolgung im Iran Amnesty fordert bundesweiten Abschiebungsstopp

Von ms - 01.07.2026 - 12:00 Uhr
Verfolgung im Iran
Foto: IMAGO / ZUMA Press Wire
ANZEIGE
Loading audio player...

Die Menschenrechtslage im Iran hat sich nach Einschätzung von Amnesty International seit Anfang 2026 weiter dramatisch verschlechtert. Besonders gefährdet sind neben politischen Aktivistinnen und Aktivisten, Journalistinnen und Journalisten sowie Frauen auch homosexuelle Männer. Ihnen drohen im Iran strafrechtliche Verfolgung, Folter und im Extremfall die Hinrichtung. Bereits im Juni berichtete die Menschenrechtsorganisation von einer drastischen Zunahme von Hinrichtungen im Land. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Amnesty International berichtet von einer massiven Verschärfung der staatlichen Repression im Iran.
  • Homosexuelle Männer sind dort weiterhin von Verfolgung, Folter und der Todesstrafe bedroht.
  • Seit Ende Februar 2026 wurden mehr als 6.000 Menschen willkürlich festgenommen und mindestens 41 Hinrichtungen vollstreckt.
  • Gefordert werden ein bundesweiter Abschiebungsstopp für den Iran sowie die Wiederaufnahme humanitärer Visa.
  • Die Bundesregierung wird aufgefordert, ihre Zusagen aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen.

Permanente Bedrohung

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation nutzen die iranischen Behörden die seit Ende Februar 2026 ausgerufenen „Kriegsbedingungen“ infolge der Militärschläge der USA und Israels als Begründung für ein verschärftes Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung. Demnach kam es seit dem 28. Februar zu mehr als 6.000 willkürlichen Festnahmen sowie zu mindestens 41 politisch motivierten Hinrichtungen. Für schwule Männer ist die Lage im Iran seit Jahren besonders gefährlich. Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen zwischen Männern stehen unter Strafe und können nach iranischem Recht mit der Todesstrafe geahndet werden. Immer wieder berichten Menschenrechtsorganisationen von Verfolgung, Misshandlungen und willkürlichen Festnahmen aufgrund der sexuellen Orientierung. Vor dem Hintergrund der aktuellen Repressionswelle befürchten Iran-Experten daher eine weitere Verschärfung der Situation. Die Todesstrafe werde zunehmend als politisches Instrument eingesetzt. 

Mord an Tausenden Menschen

Unter den seit Ende Februar hingerichteten Menschen befanden sich nach den vorliegenden Angaben 18 Demonstranten neun Dissidenten sowie Personen, denen Spionage oder „bewaffnete Rebellion“ vorgeworfen worden war. Bereits vor Beginn der Militärschläge war die Lage eskaliert. Nach Angaben von Amnesty töteten Sicherheitskräfte Anfang Januar 2026 Tausende Demonstranten, die politische Reformen und die Einhaltung der Menschenrechte gefordert hatten. Zudem verhängte die Führung eine landesweite Internetsperre, die nach Angaben der Organisationen 88 Tage andauerte und mehr als 90 Millionen Menschen von der Außenwelt abschnitt. Wer die Sperre mithilfe von VPN-Diensten oder Satelliteninternet umging, musste mit strafrechtlicher Verfolgung und sogar der Todesstrafe rechnen.

Forderungen an die Bundesregierung

Vor diesem Hintergrund fordert Amnesty International die Bundesregierung auf, einen bundesweiten Abschiebungsstopp für den Iran zu verhängen. Menschen dürften nicht in ein Land zurückgeführt werden, in dem ihnen Folter, politische Verfolgung oder die Hinrichtung drohten. Darüber hinaus verlangen sie, dass schutzsuchende iranische Menschenrechtsverteidiger, Journalisten,  Aktivisten sowie Menschen, die aufgrund staatlicher Repression oder der aktuellen Konfliktlage akut gefährdet sind, wieder umfassend humanitäre Visa für Deutschland erhalten.

Zur Begründung verweist die Organisation auch auf den Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU. Darin habe sich die Bundesregierung verpflichtet, iranische „Menschenrechtsverteidiger und vor allem Frauen“ zu unterstützen. Die Erteilung humanitärer Visa sei rechtlich möglich und hänge ausschließlich vom politischen Willen der Bundesregierung ab. Nach Angaben von Amnesty hatte Deutschland bereits nach den Protesten der Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ in den Jahren 2022 und 2023 zeitweise einen bundesweiten Abschiebungsstopp verhängt und mehreren hundert besonders gefährdeten Iranerinnen und Iranern über humanitäre Visa die Einreise ermöglicht. Sie fordern, an diese Praxis angesichts der aktuellen Lage wieder anzuknüpfen.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

hessenschauMoritz Brandenstein schafft Ort gegen Einsamkeit: "Keiner war so wie ich"tazHomosexualität im japanischen Sport: Rui Takahashi macht den ganz mutigen AufschlagtazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Cybermobbing gegen LGBTIQ+

Jeder fünfte Schüler betroffen

Cybermobbing trifft Millionen Schüler. Für queere Jugendliche kommen homophobe Angriffe, Outing-Drohungen und besondere psychische Belastungen hinzu.
Sperre gegen Jens Härtel

DFB zu Diskriminierungsvorwürfen

Nach Diskriminierungsvorwürfen gegen Jens Härtel verhängt der DFB ein zwölfwöchiges Funktionsverbot. Der Trainer hat Union Berlin zudem verlassen.
Missbrauch durch Priester

Erzbistum zahlt Schmerzensgeld

Nach jahrzehntelangem Kampf erhält Andreas Perr Schmerzensgeld vom Erzbistum München. Der Missbrauchsfall beschäftigt auch die Kirche.
Ungewissheit in Cloppenburg

Wird 2027 der CSD erneut ausfallen?

Nach dem Ausfall 2026 droht auch der CSD Cloppenburg 2027 auszufallen. Ohne zusätzliche Ehrenamtliche kann die Veranstaltung nicht stattfinden.
Frankreich verbietet Dickpics

Hohe Strafen für Penisfotos

Frankreich will ungefragt verschickte Penisfotos unter Strafe stellen. Schon ein einziges Bild könnte künftig 15.000 Euro kosten, auch bei Dating-Apps
Schuluniformen in Pornos

Verbot in Großbritannien gefordert

In England wird über eine Petition debattiert, die Schuluniformen aus Pornofilmen verbannen und damit Jugendliche vor Sexualisierung schützen soll.
Justin Lui zieht Bilanz

Schwuler Olympionike hört auf

Der offen schwule Volleyball-Olympionike Justin Lui beendet seine Nationalmannschaftskarriere und blickt stolz auf sein Coming-Out zurück.
Coming-Out im Wandel

Schwul sein ohne Versteckspiel

Zwischen Angst und Selbstverständlichkeit: Das Coming-Out schwuler Männer hat sich in 30 Jahren grundlegend verändert.
Krise unter US-Jugendlichen

Queere Jugendliche ohne Zuhause

Junge LGBTIQ+-Menschen in den USA sind mehr als doppelt so häufig von Wohnungslosigkeit betroffen. Experten fordern jetzt bessere Hilfen.