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„Wir queeren Studenten werden niemals aufgeben und weiterkämpfen!“
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Unis dürfen LGBTI* diskriminieren „Wir queeren Studenten werden niemals aufgeben und weiterkämpfen!“

ms - 14.02.2022 - 15:30 Uhr
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Angesichts der jüngsten Entscheidung des US-Bildungsministeriums zugunsten einer christlichen Universität im Bundesstaat Utah, mag man versucht sein zu denken, es handele sich um einen bedauernswerten Einzelfall. Noch dazu, da es sich um eine Bildungseinrichtung in der Hochburg der Mormonen handelt. So what?!

Dabei hat die Absage des Bildungsministeriums mit Bezug auf die LGBTI*-Community eine Signalwirkung für ganz Amerika und stellt einmal mehr klar, dass religiöse Weltanschauungen – egal wie diskriminierend, menschenverachtend und homophob sie sind – Vorrang haben und höher zu bewerten sind. Dieses Signal wird laut hörbar sein in all jenen republikanisch geführten Bundesstaaten, die gerade dabei sind, LGBTI*-feindliche Gesetze an den Schulen einzuführen, und das aktuell in mehr als der Hälfte aller amerikanischen Bundesstaaten.

Im konkreten Fall geht es um die Brigham Young University (BYU) in Provo, Utah. Die Universitätsleitung hatte neue Regeln erlassen, die künftig unterbinden sollen, sich in irgendeiner Weise für LGBTI* einzusetzen (Salt Lake Tribune). Die Brigham Young University machte klar, sie werde Schüler und Lehrer künftig disziplinieren oder verhaften lassen, sollten sie gegen die neuen Richtlinien verstoßen. Dem vorausgegangen war eine Aktion im März letzten Jahres, bei der rund vierzig Studenten das Wahrzeichen der Universität, ein rund 115 Meter hohes “Y“, mithilfe von farbigen Taschenlampen in den Regenbogenfarben erstrahlen ließen. Hintergrund für die Freude der Studenten war die Tatsache, dass die BYU zuvor einen Abschnitt aus ihrem Ehrenkodex entfernt hatte, in dem homosexuelles Verhalten als „unangemessen“ und als Verstoß gegen den Kodex definiert wurde. Daraufhin hatten sich queere Studenten geoutet und küssten sich öffentlich auf dem Campus-Gelände. Als Gegenreaktion folgten die beschriebenen neuen Richtlinien, die gleichgeschlechtliches romantisches Verhalten verbot.

© Anastasiia Yanishevska
© Anastasiia Yanishevska

LGBTI*-Studenten legten daraufhin offiziell Beschwerde beim Bundesbildungsministerium, dem Office of Civil Rights (OCR), ein – vergebens, wie sich jetzt herausstellte. Das OCR stellte die Untersuchungen nicht nur ein, sondern erklärte überdies in einer Stellungnahme, dass die Schule aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit - die Universität wird von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (die mormonische Kirche) betrieben – von Teilen jenes Bundesgesetzes ausgenommen ist, welches Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der sexuellen Orientierung und der Geschlechtsidentität in Schulen eigentlich untersagt.

Mehr noch, die Bundesbehörde erklärte in einem Schreiben an den Präsidenten der BYU zudem noch, an welche 15 weiteren Rechtsvorschriften sich die Universität nicht halten müsste, da all jene Paragrafen zum Schutz von Minderheiten „im Widerspruch zu den religiösen Grundsätzen der religiösen Dachorganisation der Universität stehen, die sich auf die sexuelle Orientierung und die Geschlechtsidentität beziehen." Der Präsident der BYU, Kevin Worthen, freute sich über die Entscheidung - beigefügt der Erklärung des Bundesministeriums ist ein Brief von Worthen, in dem er bekräftigt, dass die Universität die Freiheit habe, „eine religiöse Universität zu betreiben, ohne besondere religiöse Überzeugungen zu opfern." Mit anderen Worten: Im Namen einer Religion ist es erlaubt, fundamentale grundsätzliche Menschenrechte über Bord zu werfen. Es ist erstaunlich, dass viele Amerikaner in diesem Fall diese Entscheidung so leichtfertig hinnehmen – würde es sich beispielsweise um eine islamisch geprägte Schule im Nahen Osten oder in Afghanistan handeln, wäre der Aufschrei deutlich größer.

Enttäuscht zeigen sich natürlich auch die queeren Studenten der Universität, auch wenn viele „nichts anderes erwartet hatten.“ Madi Hawes von der inoffiziellen LGBTI*-Community der BYU sagte gegenüber NBC News: „Ich hatte anfangs noch Hoffnung, aber diese Hoffnung war wohl nicht sehr realistisch. Es war nichts weiter als eine blinde Hoffnung.“ Als besonders schmerzhaft empfindet sie die Entscheidung der OCR auch deswegen, weil die Bundesbehörde im Schnellverfahren die Beschwerde abgewiesen hatte. „Ich habe das Gefühl, dass die OCR unsere Sicherheit und unsere Rechte für nicht so wichtig hält!“, so Hawes weiter.

Kampfeslustig zeigt sich dagegen der schwule BYU-Student Cal Burke im Gespräch mit der Salt Lake Tribune: „Wir queeren Studenten werden niemals aufgeben, denn wir haben das Recht und Gott auf unserer Seite. Wir werden weiterkämpfen, bis alle queeren Heiligen der Letzten Tage frei und sicher sind und geliebt werden." Da dürfte auf die LGBTI*-Studenten viel Arbeit zukommen, denn die BYU hat weitere Außenstellen in Idaho und Hawaii. Und die jetzige negative Signalwirkung dürfte weitere Bildungseinrichtungen und republikanische Politiker dazu verleiten, dem Beispiel in ihrem Bundesstaat nachzueifern.

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