Die lesbische US-amerikanische Psychologin und Autorin Mary Trump hat sich erneut kritisch über das öffentliche Verhalten ihres Onkels Donald Trump geäußert. Anlass sind wiederholte Bemerkungen des US-Präsidenten über das körperliche Erscheinungsbild anderer Männer. Die 61-Jährige bezeichnete diese als „äußerst seltsam“ und „beunruhigend“.
Das Wichtigste im Überblick
- Kritik aus der eigenen Familie: Mary Trump bezeichnet die wiederholten Äußerungen ihres Onkels Donald Trump über das Aussehen und die Körper von Männern als „äußerst seltsam“ und „beunruhigend“.
- Auftritt sorgt für Aufmerksamkeit: Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Ohio hatte der US-Präsident darüber gesprochen, sich das Gesäß von Jon Husted anzusehen.
- Psychologin spricht von Enthemmung: Die 61-Jährige vermutet, dass ihr Onkel zunehmend Schwierigkeiten habe, spontane Impulse zu kontrollieren.
- Verweis auf frühere Homophobie: Mary Trump erinnert an die Haltung ihres Onkels gegenüber homosexuellen Männern und dessen früheren Anwalt Roy Cohn.
- Die offen lesbisch lebende Autorin äußert sich seit Jahren kritisch über Donald Trump.
Gaydar beim US-Präsidenten
In einem Interview mit dem Politikpodcast „The Rest is Politics“ erklärte Mary Trump jetzt, sie sehe in den Äußerungen Hinweise auf eine zunehmende Enthemmung ihres Onkels. Ihrer Einschätzung nach verliere der Präsident immer stärker die Fähigkeit, spontane Impulse zu kontrollieren. Zuvor war im Interview die Aufmerksamkeit auf Trumps wiederkehrende öffentliche Kommentare über das Aussehen von Männern gelenkt worden, dabei war die von einer „ständigen Kommentierung“ und der Frage, wie attraktiv andere Männer seien. Als jüngstes Beispiel diente der Auftritt des Präsidenten bei einer Wahlkampfveranstaltung im US-Bundesstaat Ohio.
Trump hatte dort darüber gesprochen, sich das Gesäß von US-Senator Jon Husted anzusehen. Im Podcast-Talk wurde Mary Trump gefragt, wie man angesichts solcher Bemerkungen den US-Präsidenten auf einem „Gaydar“ einordnen solle – also jenes vermeintliche Gespür dafür, ob ein Mensch homosexuell ist. Mary Trump antwortete: „Ich habe einen furchtbar schlechten Gaydar. Aber was ich weiß, ist, dass er sich häufiger bewundernd über das körperliche Erscheinungsbild von Männern äußert als die meisten heterosexuellen Frauen, die ich kenne.“ Anschließend fügte sie hinzu: „Das ist also sehr beunruhigend. Aber ich glaube, es ist einfach ein Zeichen dafür, wie seine Impulskontrolle immer weiter nachlässt.“ Eine Aussage über die tatsächliche sexuelle Orientierung ihres Onkels traf Mary Trump damit nicht.
Zunehmende Enthemmung
Im weiteren Verlauf des Interviews erläuterte Mary Trump, warum sie die Äußerungen des Präsidenten für bemerkenswert hält. Ihrer Ansicht nach zeige sich darin eine Entwicklung, die sie bereits seit Längerem bei ihrem Onkel beobachte. „Er kann einfach nicht anders“, sagte sie. Anschließend erklärte sie: „Er hat überhaupt keinen Filter mehr. Ich meine, er hatte noch nie besonders viel Impulskontrolle, aber inzwischen ist sie vollständig verschwunden.“ Die klinische Psychologin bezeichnete das von ihr wahrgenommene Verhalten als „Enthemmung“. Damit beschrieb sie aus ihrer Sicht eine nachlassende Fähigkeit des Präsidenten, spontane Reaktionen oder Äußerungen zurückzuhalten.
Homophobie in frühen Jahren
Zur Begründung verwies sie auf einen weiteren Vorfall bei einer öffentlichen Veranstaltung. „Wir sehen alle möglichen Anzeichen von Enthemmung, und genau darum handelt es sich hier. Er war bei einer Wahlkampfveranstaltung und hat ohne jeden Grund einfach ein Glas Wasser auf den Boden geschüttet.“ Anschließend kam Mary Trump erneut auf die Aussagen ihres Onkels über männliche Körper zurück. Dabei verwies sie insbesondere darauf, dass der Präsident entsprechende Bemerkungen vor großem Publikum mache. „Und jetzt redet er vor Tausenden Menschen über die Hintern von Männern und darüber, dass er sie sich ansieht.“ Dabei verwies sie auf dessen frühere Haltung gegenüber homosexuellen Männern. „Vor allem, weil er spätestens seit den 1980er-Jahren, als bei seinem Anwalt Roy Cohn Aids diagnostiziert wurde, als ausgesprochen homophob bekannt ist – zumindest, wenn es um Männer geht.“
Mary Trump ist die Nichte des US-Präsidenten und arbeitet als klinische Psychologin und Autorin. Die 61-Jährige lebt offen lesbisch und hat sich in den vergangenen Jahren wiederholt kritisch über ihren Onkel geäußert. Internationale Aufmerksamkeit erhielt sie insbesondere durch ihr im Jahr 2020 erschienenes Buch „Too Much and Never Enough: How My Family Created the World's Most Dangerous Man“. Seit der Veröffentlichung ist sie regelmäßig als Interviewpartnerin in politischen Medienformaten zu Gast.