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Streit um Elternrechte US-Richter entscheidet sich gegen die Mitbestimmung von Eltern

Von ms - 23.08.2022 - 11:00 Uhr
Eltern wollen bei LGBTI*-Kindern mitbestimmen
Foto: iStock / SDI Productions
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Die Vereinigten Staaten von Amerika waren schon immer ein Land der Extreme, doch seitdem der Kulturkampf immer dramatischer zum Ausschlag kommt, zeigen sich diese Bruchstellen entlang der ideologischen Gräben immer öfter. Während im Bundesstaat Florida Schulen dazu angewiesen sind, homosexuelle und queere Kinder direkt bei den Eltern zwangsweise zu outen, geht der Bundesstaat Maryland nahe der amerikanischen Hauptstadt Washington, DC genau den anderen Weg – ein Gericht entschied jetzt, dass die Hauptverantwortung der Schulen bei den Bedürfnissen und Wünschen von LGBTI*-Jugendlichen liegen soll, die Eltern bleiben dabei teilweise außen vor.

Bereits 2020 hatten mehrere Eltern die Schulbehörde von Montgomery County (MCBE) verklagt, denn die dort angewandten Richtlinien zur Geschlechtsidentität von Schülern würden die verfassungsmäßigen Rechte der Erziehungsberechtigten verletzen. Diese Richtlinien würden des Weiteren dazu führen, dass Eltern massiv darin eingeschränkt würden, "die Pflege, das Sorgerecht, die Erziehung und die Kontrolle über ihre minderjährigen Kinder zu bestimmen". Eltern würden bei der Frage über die mögliche Geschlechtsidentität schlicht übergangen und vor vollendete Tatsachen gestellt. Ganz unbegründet scheint die Klage tatsächlich nicht zu sein, in anderen Ländern wie Australien gibt es bereits einzelne Bundesstaaten wie Victoria, in denen Eltern unter Strafandrohung jedes Mitspracherecht in diesem Punkt bereits verloren haben. 

In dem Maßnahmenkatalog der Schulbehörde, den sogenannten “Guidelines for Student Gender Identity", sind mehrere Herangehensweisen festgehalten, unter anderem werden Lehrer dazu aufgefordert, mit LGBTI*-Schülern darüber zu sprechen, in welcher Art und Weise sie zu Hause unterstützt werden würden bei einem möglichen Coming Out. Zudem sollen Lehrkräfte einen Plan ausarbeiten, wie die Eltern ihre Kinder bei einem Outing oder einem Geschlechtswechsel helfen können. Gerade der Aspekt der Geschlechtsumwandlung ist dabei nach wie vor sehr umstritten, denn je nach Auslegung der Richtlinie werden Eltern sehr eindeutig in eine befürwortende Richtung gedrängt, ohne eine ursächliche Geschlechtsdysphorie hinterfragen zu dürfen. Von Seiten der Schulen ist die Problematik allerdings ebenso groß – wie können sie wirklich darüber befinden, ob Eltern aufgrund einer homophoben oder konservativen Grundhaltung heraus eine mögliche Geschlechtsanpassung ablehnen oder ob sie schlicht eine medizinische und therapeutische Abklärung verlangen, bevor weitere medizinische Schritte unternommen werden.   

Vor dem US-Bezirksgericht für den Bezirk Maryland schloss sich Richter Paul W. Grimm jetzt dem Argument des MCBE an, dass die Richtlinien das Ziel des Staates unterstützen würden, die Sicherheit und die Privatsphäre der Schüler zu schützen. "MCBE hat sicherlich ein legitimes Interesse daran, ein sicheres und unterstützendes Umfeld für alle MCPS-Schüler zu schaffen, einschließlich derjenigen, die Transgender oder geschlechtsuntypisch sind. Und die Richtlinien sind sicherlich vernünftig, um dieses Ergebnis zu erreichen“ so Richter Grimm, der überdies betonte: "Die Richtlinien balancieren sorgfältig die Interessen der Eltern und der Schüler aus, indem sie den elterlichen Beitrag fördern, wenn der Schüler zustimmt, ihn aber vermeiden, wenn der Schüler Bedenken äußert, dass die Eltern ihn nicht unterstützen würden oder dass die Offenlegung seiner Geschlechtsidentität gegenüber den Eltern ihn in Gefahr bringen könnte." LGBTI*-Organisationen wie GLAAD feierten die Entscheidung des Richters und CEO Sarah Kate Ellis erklärte dazu: „Alle Schüler haben das Recht, sich in der Schule sicher und unterstützt zu fühlen. Dieses Urteil ist ein wichtiger Sieg für die Bemühungen, LGBTI*-Schüler vor Schaden zu bewahren. Lehrer sollten niemals gezwungen sein, einen Schüler vor seinen Eltern zu outen, die sie nicht unterstützen.“

Mehrere Anwälte der Eltern habe indes bereits angekündigt, in Berufung gehen zu wollen – einer von ihnen ist Frederick W. Claybrook Jr., der gegenüber der Washington Post erklärte: "Eltern sind diejenigen, die ihre Kinder anleiten und ihnen bei diesem sehr wichtigen Schritt helfen müssen. Nicht unbedingt unter Ausschluss der Schulen, aber die Schulen können das auch nicht unter Ausschluss der Eltern tun. Wir wollen nicht, dass unsere transsexuellen Kinder in irgendeiner Weise misshandelt, schikaniert oder belästigt werden. Aber wir wollen, dass die Eltern in der Lage sind, bei dem Übergang zu helfen, dass sie bei dem Prozess helfen können und nicht davon ausgeschlossen werden.“

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