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Strategien gegen Mobbing LGBTIQ+-Jugendliche besonders von Anfeindungen betroffen

Von ms - 06.11.2026 - 09:30 Uhr
Strategien gegen Mobbing
Foto: iStock / Ridofranz
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Mobbing und Cybermobbing gehören für viele Kinder und Jugendliche zum Schulalltag. Besonders besorgniserregend ist die Situation von LGBTIQ+-Schülern. Nach einer Untersuchung der Europäischen Grundrechteagentur (FRA) berichten 70 Prozent der LGBTIQ+-Schüler in Deutschland von Angriffen oder Anfeindungen. Damit liegt Deutschland über dem europäischen Durchschnitt. Innerhalb von fünf Jahren hat die Zahl entsprechender Vorfälle um fast 60 Prozent zugenommen. In diesem Jahr gingen rund 2,48 Millionen homosexuelle und queere Jugendliche zur Schule. 

Das Wichtigste im Überblick

  • 70 Prozent der LGBTIQ+-Schüler in Deutschland berichten von Angriffen oder Anfeindungen. Das geht aus einer Untersuchung der Europäischen Grundrechteagentur (FRA) hervor.
  • Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl entsprechender Vorfälle um fast 60 Prozent gestiegen.
  • 52 Prozent der LGBTIQ+-Schüler verbergen ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität im schulischen Umfeld.
  • Mehr als 65.000 Kinder und Jugendliche beteiligten sich an einer bundesweiten Aktion gegen Mobbing und Cybermobbing.
  • Eine inklusive Jugendjury zeichnete drei Schulprojekte aus, die sich für Respekt und Zusammenhalt einsetzen.

Breite Aktion gegen Mobbing

Die Erfahrungen wirken sich auch darauf aus, wie offen junge Menschen in der Schule mit ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität umgehen. Nach den Ergebnissen der FRA verbergen 52 Prozent der LGBTIQ+-Schüler ihre Identität im schulischen Umfeld. Die Angst vor negativen Reaktionen führt somit dazu, dass viele Jugendliche einen wichtigen Teil ihrer Persönlichkeit im Schulalltag nicht zeigen. Wie Mobbing und Cybermobbing verhindert und ein respektvolles Miteinander online wie offline gestärkt werden können, stand deshalb im Mittelpunkt einer bundesweiten Mitmach-Aktion. 

Mehr als 65.000 Schüler der Klassen fünf bis zehn beschäftigten sich Mitte September bei der klicksafe-Schulstunde mit dem Thema. Die interaktive Unterrichtsstunde wurde gemeinsam mit der Aktion Mensch und Nummer gegen Kummer organisiert. Bis zum Oktober konnten die Jugendlichen anschließend eigene Ideen, Aktionen und Projekte einreichen, die Mobbing und Cybermobbing an Schulen vorbeugen sollen. Anlässlich des Internationalen Aktionstags der UNESCO gegen Gewalt und Mobbing in der Schule in dieser Woche wurden jetzt die drei Gewinnerprojekte sowie die Beiträge auf den Plätzen vier bis zehn als Beispiele guter Praxis vorgestellt.

Mehr Schutz im Netz

Bundesjugendministerin Karin Prien betonte die Belastungen durch digitale Angriffe und verwies auf die Verantwortung von Plattformbetreibern und Nutzern. „Ein gehässiger Kommentar, ein ungefragt geteiltes peinliches Foto oder der Ausschluss aus einer Chatgruppe: Cybermobbing belastet Betroffene oft rund um die Uhr. Die Angriffe erreichen ein großes Publikum und lassen sich im Netz kaum wieder rückgängig machen. Künstliche Intelligenz eröffnet zudem neue Möglichkeiten, andere bloßzustellen und zu verletzen. Deshalb müssen wir Plattformbetreiber stärker in die Verantwortung nehmen, Kinder und Jugendliche zu schützen.“ 

Zudem bekräftigte die Ministerin weiter: „Aber auch jede und jeder kann etwas tun: bewusst mit persönlichen Daten und Fotos umgehen, andere vor dem Teilen von Bildern um Erlaubnis fragen und vor allem nicht wegschauen, wenn jemand online ausgegrenzt oder angegriffen wird. Wer Betroffenen zur Seite steht, klar gegen Mobbing Stellung bezieht und sich Hilfe holt, zeigt echte Zivilcourage. Mit ihren Ideen setzen die Schülerinnen und Schüler ein starkes Zeichen für Respekt und Zusammenhalt – online wie offline!“

Cybermobbing bleibt Problem 

Auch die Aktion Mensch sieht besonderen Handlungsbedarf. Christina Marx, Sprecherin der Organisation, erklärte: „Cybermobbing ist ein Problem, das viel zu viele junge Menschen betrifft – noch einmal mehr aber junge Menschen mit Beeinträchtigung. Das dürfen wir als Gesellschaft nicht länger hinnehmen. Ein respektvolles Miteinander und eine gleichberechtigte Teilhabe müssen von Anfang an gelernt und gelebt werden.“ Deborah Woldemichael, Leiterin der EU-Initiative klicksafe, verwies auf die Bedeutung des Engagements der Schüler: „Mit der Mitmach-Aktion wollten wir die Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, das Thema Cybermobbing aktiv aufzugreifen und eigene Ideen für konkrete Maßnahmen zu entwickeln und anderen vorzustellen. Ein respektvolles Miteinander entsteht nicht von allein, es braucht Aufmerksamkeit, Haltung und Mut. Wir alle sind Teil der Lösung, um Cybermobbing wirksam zu stoppen! Wir freuen uns sehr, dass so viele unterschiedliche und kreative Beiträge eingereicht wurden – und das über alle Schulformen und Klassenstufen hinweg.“

Anna Zacharias, Geschäftsführerin von Nummer gegen Kummer, unterstrich ebenfalls die Bedeutung der Beteiligung junger Menschen: „Kinder und Jugendliche müssen mit ihren Sorgen und Erfahrungen ernst genommen werden und sie brauchen das Vertrauen, selbst etwas verändern zu können. Die kreativen Beiträge zur Mitmach-Aktion zeigen eindrucksvoll, wie viel sie selbst bewegen können, wenn man ihnen Raum und Gehör gibt.“

Jugendjury zeichnet Projekte aus

Aus den zahlreichen Einsendungen wählte eine inklusive Jugendjury drei Gewinnerprojekte aus. Den ersten Platz belegte die Pinnwand „Gemeinsam sind wir stark“ einer neunten Klasse einer Förderschule. Auf Platz zwei kam der „Anti-Mobbing Club“ einer sechsten Klasse eines Gymnasiums. Den dritten Platz erreichte das Kartenspiel gegen Cybermobbing „Nachts im Netz“, entwickelt von einer siebten Klasse einer Gesamtschule. Auch die Beiträge auf den Plätzen vier bis zehn werden als Beispiele guter Praxis vorgestellt. Sie sollen Schüler bundesweit dazu inspirieren, eigene Maßnahmen gegen Mobbing zu entwickeln. Die eingereichten Arbeiten zeigen eine große Bandbreite an Ideen. Dazu gehören Podcast-Folgen, Videos und Comics ebenso wie schulweite Mitmach-Aktionen, Konzepte für schulische Anlaufstellen und eine Kunstausstellung. Die Projekte sollen andere für das Thema sensibilisieren, Ausgrenzung entgegenwirken und Betroffenen Unterstützung bieten. An der Aktion beteiligten sich Kinder und Jugendliche der Klassenstufen fünf bis zehn aus unterschiedlichen Schulformen. Auch bei der Bewertung der Einsendungen stand die Beteiligung junger Menschen im Mittelpunkt. 

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